zur Navigation springen
Der Prignitzer

17. November 2017 | 22:35 Uhr

Im Hubschrauber übers Krisengebiet

vom

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2012 | 09:45 Uhr

Wittenberge | Es ist jetzt fast genau zehn Jahre her, als ich einen Anruf von Christiane Schomaker, der Pressesprecherin der Stadt Wittenberge, bekam. Ich sollte dringend zu ihr ins Rathaus kommen. Sie fragte mich, ob ich mich bereit erklären würde, für unser Stadtarchiv das Hochwasser zu dokumentieren. Ich willigte ein und bekam einen kleinen Ausweis. Mit diesem war ich berechtigt, gesperrte Gebiete der Stadt und deren eingemeindeten Dörfer zu betreten.

Von Christiane Schomaker erfuhr ich, dass am folgenden Tag ab Perleberg ein Eurokopter der Bundeswehr mit Kamerateams verschiedener nationaler und sogar internationaler Fernsehsender starten wird. Meine Aufgabe: Ich sollte versuchen, dort einen Platz zu ergattern. Noch am selben Tag fuhr ich nach der Arbeit zur Koordinierungsstelle der Bundeswehr und stellte meinen Antrag. Mit Erfolg: Am nächsten Tag sollte ich spätestens um 7 Uhr dort sein, dann würde ich im Auftrag der Stadt Wittenberge mit dem Eurokopter mitfliegen.

Am nächsten Morgen war ich pünktlich in Perleberg. Doch bis etwa 12 Uhr war es zum Fliegen zu neblig. Geduld war gefragt. Schließlich traf gegen 13 Uhr der Eurokopter ein. Für die Kameraleute vom RBB und von CNN gab es noch eine kurze Einweisung, denn diese beiden saßen - natürlich abgesichert - mit ihren Geräten in der offenen Tür des Hubschraubers.

Dann hoben wir ab und flogen Richtung Wittenberge. Die Elbe kam in Sicht. Es verschlug mir den Atem: Wasser und immer mehr Wasser. Die Deiche fast überflutet, oben drauf schon mit Sandsäcken gesichert. An besonders gefährdeten Stellen sah ich Menschen, die ameisengleich in Fleiß und Anzahl alles taten, um einen Deichbruch zu verhindern. Der Höhepunkt war unser Flug über den "bösen Ort". Dort konnten wir längere Zeit beobachten und fotografisch dokumentieren, wie zwei Lastenhubschrauber der Bundeswehr die Einsatzgruppen am Deich in Minutenabständen mit Sandsäcken versorgten, die dann dort verbaut wurden.

Wieder zurück in Perleberg merkte ich während meiner Dankesworte an die Piloten, dass es mir die Stimme verschlagen hatte. Über zwei Stunden im Durchzug hatten mich mehr als heiser gemacht.

In diesen Tagen gab jeder auf seine Weise sein Bestes. Diese Erlebnisse und viele andere während des Einsatzes an der Wasserfront werde ich niemals vergessen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen