Freiwilligendienst : Im Auftrag des Friedens nach Belarus

Neben einem Eigenanteil muss Marie Glißmann ihr Freilwilligenjahr über Patenschaften finanzieren. Sie hofft auf die Hilfe der Leser des „Prignitzers“.
Neben einem Eigenanteil muss Marie Glißmann ihr Freilwilligenjahr über Patenschaften finanzieren. Sie hofft auf die Hilfe der Leser des „Prignitzers“.

Die 20-jährige Marie Glißmann will in Weißrussland mit Zeitzeugen des Nationalsozialismus arbeiten / Projektpaten dringend gesucht

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30. Juli 2014, 08:00 Uhr

Viele junge Leute gehen nach Australien zum Arbeiten und reisen – besser bekannt als work and travel – oder als Au Pair nach Großbritannien oder in die USA. Die Prignitzerin Marie Glißmann hingegen zieht es nach ihrem Abitur nach Weißrussland. In der letzten Diktatur Europas will die 20-Jährige einen einjährigen Friedensdienst absolvieren, mit Holocaust-Überlebenden, ehemaligen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern arbeiten.

Möglich macht das die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), eine Organisation, die sich mit den Folgen des Nationalsozialismus und seinen Verbrechen auseinandersetzt und bekannt ist für ihr internationales Freiwilligenprogramm. „Ich habe über einen jungen Mann gelesen, der über die AFS in Israel gearbeitet hat, und wollte das auch unbedingt machen“, erzählt die Wahl-Blüthenerin, die eigentlich aus Hohenvier stammt. Im Auswahlverfahren kann sie sich erfolgreich durchsetzen. Von über 500 Bewerbern gehört sie zu den 60 jungen Leuten, die eine Zusage bekommen.


Traumziel Israel – Zweitwunsch Belarus


„Weißrussland war anfangs nur mein Zweitwunsch, ursprünglich wollte ich nach Israel“, sagt Marie Glißmann, die als stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos Brandenburg schon Exkursionen nach Israel unternommen hat und viele Israelis und Palästinenser persönlich kennt. Das ist auch einer der Gründe, warum sie sich doch für Weißrussland entschieden hat. „Es wäre emotional schwierig geworden. Außerdem bekommt man in Osteuropa bessere Einblicke in die jüdische Kultur und das ist ja das, was mich interessiert.“

Als eine von vier Freiwilligen wird sie ab September im Projekt „Verständigung“ eingesetzt. In einem jüdischen Sozialzentrum in Minsk betreut sie ältere Menschen, geht mit ihnen spazieren oder einkaufen. Vor allem freut sich Marie Glißmann auf Gespräche mit Zeitzeugen. „In Yad Vashem in Jerusalem wird Belarus als das Partisanenland dargestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Minsk völlig zerstört, die jüdische Bevölkerung fast komplett ausgelöscht. Ich fände es sehr spannend, mit Überlebenden zu sprechen und möchte das tun, solange noch die Gelegenheit dazu besteht.“

Da sie dafür Russisch sprechen muss, lernt Marie Glißmann gerade in jeder freien Minute Vokabeln. Doch nicht nur die Sprache unterscheidet sich. Weißrussland ist eine Diktatur, es gibt viele Verbote und Einschränkungen. „Man wird bespitzelt, überall ist die Miliz. Militärobjekte dürfen nicht fotografiert werden, Alkohol ist verboten, Homosexualität steht unter Strafe und der Straßenverkehr ist chaotisch.“ Wie sich die Freiwilligen verhalten müssen, lernen sie in Vorbereitungskursen. Vor Ort kümmert sich die AFS um die jungen Leute, sie sind nicht auf sich allein gestellt. Marie Glißmann freut sich auf das Freiwilligenjahr: „Ich hoffe, ich kann bei einer Familie wohnen, am liebsten bei älteren Menschen, damit ich auch den Alltag der Weißrussen kennenlerne.“


Paten für die Finanzierung gesucht


Trotz aller Vorfreude: Sicher ist es noch nicht, dass die Abiturientin tatsächlich nach Weißrussland fahren kann, denn zur Finanzierung benötigt sie 15 Paten, die gemeinsam ein Fünftel der Kosten des Freiwilligenjahres übernehmen – insgesamt 2700 Euro. Neun Paten hat sie schon. Unter anderem konnte sie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woitke und den designierten Landrat Torsten Uhe gewinnen. „Ich brauche dringend noch weitere Paten“, appelliert die junge Frau an die Leser des „Prignitzers“.

Wer sich für eine Patenschaft interessiert, erhält weitere Informationen auf der Internetseite der AFS: www.asf-ev.de. Fragen können Interessierte direkt an Marie Glißmann stellen, Tel.: 0157/ 30342186 oder per E-Mail: Marie.Glissmann@web.de.

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