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Wassersünder Ertappt : Illegal Wasser ins Netz eingespeist

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Private Hausanlage sorgte für Trinkwasserbeeinträchtigung in Klein Gottschow / WTAZV deckt Fall auf / Bußgeld und Kostenübernahme drohen

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erstellt am 12.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Kurz vor Pfingsten, am 3. Juni, stank es gewaltig in einigen Haushalten in Klein Gottschow. Ursache des unangenehmen Geruchs: Trinkwasser aus der Leitung. Die Betroffenen meldeten sich beim Westprignitzer Trink- und Abwasserzweckverband (WTAZV) in Perleberg. „Kollegen von uns fuhren umgehend ’raus, um das Phänomen vor Ort zu untersuchen“, berichtet Verbandsvorsteherin Silvia Klann. Schnell sei klar geworden, dass die Störung nicht im Wasserwerk Rohlsdorf liegt, das gut 500 Einwohner versorgt, und auch nicht am Rohrnetz. Der Verdacht einer unzulässigen Einspeisung aus einer so genannten Eigenversorgungsanlage lag nahe – und sollte sich auch bestätigen. „Nach der Kontrolle von Hausinstallationen konnte der Verursacher am 6. Juni ermittelt werden“, so Silvia Klann. Endgültigen Aufschluss habe eine nächtliche Druckprüfung ergeben: An einigen Stellen sei der Druck höher gewesen als der Ausgangsdruck des Wasserwerkes.

Wie erste Laboruntersuchungen belegen, blieb sowohl den betroffenen Anwohnern als auch dem Wasserversorger der Super-Gau erspart: Das widerrechtlich eingeleitete Trinkwasser sei nicht bakteriell verseucht gewesen. Der üble Geruch sei lediglich durch Ausgasungen entstanden, verdeutlicht Silvia Klann.

Inzwischen ermittelt auch das Gesundheitsamt des Landkreises gegen den Betreiber der privaten Wasserversorgungsanlage. Knackpunkt ist dabei, dass es bundesweit per Gesetz untersagt sei, Querverbindungen bzw. Einspeisungen von einer privaten Versorgungsanlage ins öffentliche Trinkwassernetz herzustellen. Dass dies, wie Jan Waldmann vom Gesundheitsamt verdeutlicht, kein Kavaliersdelikt sei, mache auch das Strafmaß für die Ordnungswidrigkeit klar: Bußgelder in Höhe von bis zu 25 000 Euro können gemäß der Vorgaben aus der Trinkwasserverordnung im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz verhängt werden.

Verdachtsfälle in dieser Richtung, so Silvia Klann, habe der WTAZV des öfteren. Das Ganze dann auch tatsächlich nachzuweisen, stelle sich indes als schwierig dar. Ihren Mitarbeitern wie auch denen des Prignitzer Gesundheitsamtes geht es ums Prinzip: „Wer so etwas tut, handelt aus unserer Sicht fahrlässig und gedankenlos“, unterstreicht Silvia Klann. Im konkreten Fall in Klein Gottschow sei noch hinzugekommen, dass in jenem Haushalt auch kleine Kinder leben, deren Gesundheit aufs Spiel gesetzt worden sei. Eine fragwürdige Sparmaßnahme, so die Verantwortliche, die gestern in einem Pressegespräch in Perleberg über das Vorkommnis informierten. Die Anlage in Klein Gottschow sei vor drei Jahre installiert worden. Betroffen waren im Dorf nicht alle, sondern nur einige Haushalt. Dem Grundstücksbesitzer werden nun die Kosten auferlegt, die dem WTAZV aus der ganzen Sache enstanden sind, außerdem möglicherweise ein Bußgeld, das der Landkreis verhängt. „Lohnt sich das?“, fragt sich nicht nur Silvia Klann. Sie kündigt für die nahe Zukunft im Versorgungsgebiet verstärkte Plausibilitätsprüfungen an, bei denen Wasserverbrauch und die Menge des Abwassers miteinander verglichen werden. Auf diesem indirekten Weg hofft man, weiteren „Wassersündern“ auf die Spur zu kommen.

 

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