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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 07:57 Uhr

Ihre Mimik lässt die Zuschauer lachen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Jörg Jüsche und Matthias Hille treten seit Jahren als Pantomimen-Duo bei den Elblandfestspielen auf / Kleine Geschichten auf großer Bühne

von
erstellt am 15.Jul.2016 | 11:13 Uhr

Interview mit zwei Pantomimen. Herzlichen Glückwunsch. Das kann ja heiter werden, um nicht zu sagen ziemlich lautlos. Immerhin ist es für die Zeitung, und nicht fürs Radio. Jörg Jüsche und Matthias Hille sitzen uns gegenüber als Sherlock Holmes und Dr. Watson. Der legt sein Notizblock auf den Tisch. Schreibt er uns Antworten auf? Watson lächelt, blickt zu Holmes, zu uns und sagt: „Pantomimen wissen alles, und wenn sie die Bühne verlassen, quatschen sie ohne Punkt und Komma.“ Na dann mal los.

Sie machen keine Comedy, sind aber Komödianten. Sie bringen keine Kalauer, aber das Publikum zum Lachen. „Dafür brauchen wir auf der Bühne Zeit, doch die haben wir nie.“ Ob als Chaplin und Polizist, als Kellner und Künstler oder jetzt als Holmes und Watson: „Wir haben meist wahnsinnig viele Ideen für die Elblandfestspiele.“

Im Frühjahr treffen sie sich in einem Berliner Café mit dem Regisseur Peter Fabers, sprechen über ihre Ideen. Dabei bleiben sie nicht sitzen. Sie springen auf, laufen umher, machen Verrenkungen, ziehen Grimassen. „Die anderen Gäste müssen denken, dass die drei eine Macke haben“, sagt Matthias Hille.

Er liebte schon früh Theater, verpasste kein Puppenspiel. Letztlich verhalf der Zufall ihm zum Pantomimentheater Prenzlauer Berg. Ausbildung und Artistenschule folgten. Bei Hille war es ähnlich. Der wollte Bauingenieur werden und spielte eher zufällig vor seinen Kameraden in der Armee ein wenig Theater. „Du musst auf die Bühne“, rieten sie ihm. In Prenzlau lernten sie sich kennen, sind seitdem beruflich oft gemeinsam unterwegs.

Dass Hille damals Chaplin spielen musste, war klar bei seinem Aussehen. Die Rolle von Holmes war ähnlich schnell vergeben. Jüsche sei der intellektuelle Typ: „Irgendwo taucht in meiner Ahnengalerie der Name Holmes auf.“ An Watson nervt ihn: „Er ist so kleinlich, seine Gedanken unorthodox.“ Und Watson nervt an Holmes, dass dieser ihm ständig die Welt erklären will.

Wenn sie heute Abend gemeinsam auf der Bühne stehen, werden sie nicht nur mit den Augen rollen. „Pantomime ist viel mehr, etwas mit Herz und Gefühl, wir erwecken unsere Rollen zum Leben. Sie sehen sich als Begleiter der Solisten. „Dabei geht es nicht um unseren Gag. Wir wollen den Künstler noch pushen, er steht im Mittelpunkt.“

Gehört ihnen die Bühne dann doch einmal allein, bleibt ihnen ganz wenig Zeit. „Eine Minigeschichte ohne Worte, auf großer Bühne, vor 1000 Leuten, die die Zuschauer auch noch in der letzten Reihe erreichen soll, das ist eine echte Herausforderung“ sagen sie. Es sei faszinierend, die große Welt in ihrer kleinen Welt einzufangen, dabei eine scheinbare Naivität zu erzeugen, hinter der sich jedoch viel mehr versteckt.

Watson steckt sein Notizblock ein, lächelt, blickt zu uns, zu Holmes. Sie stehen auf, nicken uns zu. Die Bühne ruft. 

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