"Ihr könnt mich jetzt gern buchen"

<strong>Sommerfest im Knirpsenland</strong> und Monika Schatkowski, hier mit dem Steppke auf dem Arm, in ihrem Element. <foto>Doris Ritzka</foto>
Sommerfest im Knirpsenland und Monika Schatkowski, hier mit dem Steppke auf dem Arm, in ihrem Element. Doris Ritzka

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13. Juli 2012, 11:32 Uhr

Perleberg | Freitag, der 13. - "Nimm’ es einfach als gutes Ohmen", so die Kollegen aus der Kita "Knirpsenland". Leichter gesagt, als getan für Monika Schatkowski. 42 Jahre war sie Erzieherin, und das mit Leib und Seele. Jetzt geht sie in die Altersteilzeit. "Vor zwei Jahren und acht Monaten habe ich noch Hurra gerufen, mich gefreut, es bald geschafft zu haben. Je näher der Tag kommt, um so sensibler reagiere ich auf das Thema Abschied", gesteht die Perlebergerin offen ein. Zwar in Sachsen geboren, ist seit 1961 die Rolandstadt ihr Zuhause, "damals war ich neun Jahre", überschlägt sie.

Inzwischen kennt sie ganze Generationen in der Stadt. "Als Kindergärtnerin keine Kunst", fügt sie schmunzelnd an und erinnert sich, wie ihr Mann beim Stadtbummel immer sagte - "dich kennt auch Gott und die Welt".

Dabei wollte Monika Schatkowski eigentlich nicht Kindergärtnerin werden, richtiger gesagt, sie wusste nicht, was sie überhaupt beruflich machen wollte. So bewarb sie sich für eine Ausbildung bei der Post und als Kindergärtnerin. Und für beides erhielt sie eine Zusage. Die Qual der Wahl nahm ihr also niemand ab. Monika Schatkowski entschied sich für eine Zeit als Schlossgeist im Schweriner Schloss, denn hier war damals die Fachschule für Kindergärtnerinnen.

Am 1. August 1970 war ihr erster Arbeitstag und der Kindergarten in der Koloniestraße ihr erster Arbeitsplatz. 13 Jahre war sie hier, dann ging es für drei Jahre in die Kombi 1 in der Friedenstraße und anschließend für ein halbes Jahr in den Quitzower Kindergarten. "Wo Not am Mann war, da musste man eben hin." Eine schöne Zeit waren auch die Jahre in dem kleinen Kindergarten in der Jahnstraße. Als der dann geschlossen wurde, kam Monika Schatkowski ins Knirpsenland im Akazienweg. Und das ist nun auch schon wieder an die 15 Jahre her.

Als Kindergärtnerin hatte sie die Drei- bis Sechsjährigen in ihrer Obhut, am liebsten aber die ganz Kleinen. Mit ihren großen Augen entdecken sie täglich was Neues und wollen zugleich aber noch betuttelt werden. Beides ist Monika Schatkowski sprichwörtlich auf den Leib geschneidert - den Steppkes die große, schöne Welt entdecken zu helfen und sie dabei auch einfach lieb in den Arm zu nehmen, vor allem wenn der Weltschmerz sie übermannt.

Und doch hatte sie die letzten zehn, elf Jahre die Großen, die Vorschulkinder. Ein Jahr blieb ihr, um sie kennen zu lernen, sie auf einen völlig neuen Lebensabschnitt vorzubereiten. "Manchmal war die Zeit auch einfach zu kurz", gesteht sie. An einen Jahrgang erinnert sie sich noch besonders gern. Kulleraugen blickten sie an, fragten förmlich, was sollen wir nun alles lernen? Ein ganzes Jahr hatte sich Monika Schatkowski jeden Tag etwas Neues auszudenken, "die Kinder waren so neugierig auf das Leben, wollten immer mehr wissen."

Der schönste Lohn ist natürlich, wenn aus der Schule kommt: Ihr habt eine tolle Arbeit geleistet, eure Kinder sind mit die Besten. Und wenn dann Eltern auf der Straße stehen bleiben, von ihren Kindern und manchmal auch schon von ihren Enkeln erzählen, dann sagt sich Monika Schatkowski mit recht: "Wir haben wohl doch vieles richtig gemacht."

Heute ist nun ihr letzter Arbeitstag, offiziell. Und auf Letzterem liegt hier bewusst die Betonung, denn ihren Kollegen hat sie versprochen, immer mal wieder vorbei zu schauen. "Ihr könnt mich jetzt gern buchen", sagt sie scherzhaft. Sie singe viel und spiele Gitarre und komme gern, um mit den Kindern neue Lieder zu lernen oder Bewegungsspiele. Ansonsten warten zuhause auch noch die Enkel auf Oma, die mit dem Jüngsten, zweieinhalb Jahre alt, immer wieder gern eine kesse Sohle aufs Parkett legt.

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