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Blindes Stacheltier erweicht die Herzen : Igel Paul kuschelt so gern

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"Na komm her, Paul", ruft Gudrun Glafenhein. Und schon ist der Komposthaufen, an dem Paul gerade schnüffelt, nicht mehr so wichtig. Der Vierbeiner folgt der sanften Stimme.

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erstellt am 05.Jul.2013 | 07:03 Uhr

Wittenberge | "Na komm her, Paul", ruft Gudrun Glafenhein. Und schon ist der Komposthaufen, an dem Paul gerade schnüffelt, nicht mehr so wichtig. Der Vierbeiner folgt der Stimme. Gudrun Glafenhein streicht ihm über den Rücken. Das Tier streckt sich, genießt augenscheinlich die Streicheleinheiten, genießt es, gekuschelt zu werden. Und dann ist es genug. Paulchen startet zu seiner nächsten Tour über den grünen Hof.

Das alles wäre normales tierisches Verhalten, wäre Paul ein Hund oder eine Katze. Ist er aber nicht. Paul ist ein Igel und hat sei drei Wochen sein Zuhause bei Familie Glafenhein im Grapen weg. Gudrun Glafenhein sagt, sie sei sich durchaus dessen bewusst, dass Igel Wildtiere sind, sie also ohne Kompromiss in die freie Natur gehören. Aber Paulchen ist ein Sonderfall. Der junge Igel ist blind. Allein auf sich gestellt, würde das Tier nicht überleben können.

Gudrun Glafenhein erzählt: "Eine Bekannte hat mir den Igel gebracht. Er war ihr aufgefallen, weil er an einem Auge etwas Weißes hatte und es so verschwollen aussah." Von Grudrun Glafenhein ist bekannt, dass sie untergewichtigen Igeln über den Winter hilft, sich mit den Stacheltieren auskennt. "Igelmutter" Glafenhein nahm sich des Tieres an. "Der Igel musste zum Tierarzt, das war mir klar", sagt sie. Dr. Peters untersuchte den Igel. Die Vermutung liegt nahe, dass das eine Auge irgendwie so stark beschädigt wurde, dass es verloren ging. Auf dem noch vorhandenen kann der stachlige Geselle auch nicht (mehr?) sehen. Die Tierärztin kümmert sich um die Entzündung, befreit den Igel von Zecken und anderem Ungeziefer, entwurmt ihn.

Wie soll es aber mit ihm weitergehen?

Der Perleberger Tierpark sah sich auf Nachfrage nicht in der Lage, den Igel aufzunehmen. "Also habe ich ihn wieder mit nach Hause genommen. Mein Mann hat noch eine Igelkiste gebaut. Wir haben ein Stück Gelände für ihn eingezäunt." Diese Lösung schien Paulchen aber nicht zu gefallen, laufend stieß er gegen das Gitter. Heute läuft Igel Paul frei auf dem Hof umher, mittlerweile kann er sich trotz seiner Blindheit orientieren. Seine Schnuppernase ist ständig im Bewegung.

Sein Futter kann er allerdings nicht allein suchen. Abends gegen 18 Uhr gibt es Katzenfutter. Paulchen frisst es mit Begeisterung. Dann dreht er seine Runden über den Hof, um schließlich die Laube anzusteuern, in der sich auch seine Igelkiste befindet. Jetzt ist Gudrun Glafen hein wieder gefordert. Sie hockt sich hin, Paul schnuppert, findet sie, versucht auf ihre Knie zu krabbeln, saugt und knappert an ihren Fingern, lässt sich streicheln. Als Gudrun Glafenhein die Laube verlässt, schnüffelt der Igel ihr nach und tapst dann, vorsichtig den Weg suchend, hinter ihr her.

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