Deichbau an der Elbe : Idylle in Neuwerben ist vorbei

Planer Daniel Wolkenstein (M.) informiert beim Bauanlauf am Elbdeich bei Neuwerben über Einzelheiten.
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Planer Daniel Wolkenstein (M.) informiert beim Bauanlauf am Elbdeich bei Neuwerben über Einzelheiten.

Zu flacher Elbdeich bei Neuwerben wird auf anderthalb Kilometern saniert. Radweg dieses und nächstes Jahr gesperrt

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06. September 2017, 20:45 Uhr

Einen Deichbruch wie 2013 bei Fischbeck soll sich nicht wiederholen. Bis 2020 will Sachsen-Anhalt alle Deiche an der Elbe normgerecht saniert haben. An der Elbe zwischen Havelberg und der Landesgrenze kommt man dabei gut voran.

Wer die Ruhe sucht, ist in Neuwerben genau richtig. Die meisten der acht Häuser sind Ferienhäuser. Ab dem 18. September ist es mit der Idylle allerdings für längere Zeit vorbei: Baufahrzeuge werden anrücken, der Elbdeich wird auf anderthalb Kilometern Länge saniert. Diese Woche fand die Bauanlaufberatung statt, Planer Daniel Wolkenstein aus Neuruppin informierte über Einzelheiten.
Bereits bei der Flut im August 2002 hatte es hier am Deich Probleme gegeben. Nach dem Extrem von 2013 wurden die Deichhöhen vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) des Bundeslandes neu berechnet: Der Wall, auf dem die Kolonie steht, ist demnach fast einen Meter zu flach. Im Bereich der Kolonie ist nur wenig Platz, weshalb der Deichkörper auf der Wasserseite um einige Meter verbreitert und entsprechend der Vorgabe erhöht wird.

Die vorhandene Straße bleibt der Kolonie erhalten, daneben steht nach Ende der Arbeiten dann ein etwa ein Meter hoher begrünter Wall. Dazwischen entsteht eine Gosse fürs Regenwasser. Natürlich erhält der Wall laut Vorschrift auch eine Dichtung aus Ton.
Der zweite Bauabschnitt befindet sich zwischen der Kolonie und dem Spülfeld vor der Wehrgruppe. Hier wird auf der Landseite des Deiches eine Berme samt 2,5 Meter breitem Asphaltweg angebaut, damit man das Areal auch bei höherem Wasserstand erreichen kann. Denn auf dieser Seite des Deiches befindet sich im Hintergrund die Havel – führt diese Hochwasser, steht hier auch das Hinterland unter Wasser.

Vorhandene Kabel wie jenes vom Wasser- und Schifffahrtsamt müssen dazu umverlegt werden. Eine Dichtung beziehungsweise Deckwerkspflaster und -steine sind in dem Bereich bereits vorhanden, nach 2002 wurde hier schon einmal saniert. Im Vorfeld fanden erste Holzungen statt, der Rest folgt im Herbst. Archäologen hatten zudem das Areal des Lagerplatzes untersucht.
Der Landesbetrieb Hochwasserschutz (LHW) als Bauherr hat Gesamtkosten von etwa vier Millionen Euro eingeplant. Da es eine Flutschadensbeseitigung ist, bezahlt die Maßnahme komplett der Staat. Die Firma Ostbau aus Osterburg hatte die Ausschreibung gewonnen, geplantes Bauende ist im Oktober kommenden Jahres. Für den Stützkörper des Deiches werden 38 000 Kubikmeter Material benötigt, insgesamt 6200 Quadratmeter werden asphaltiert. Der Bau wird zudem ökologisch betreut.
Nach Bauende sind die Arbeiten in dem Bereich Neuwerben noch lange nicht abgeschlossen. Der LHW will ab nächstem Jahr das Einlasswehr Neuwerben komplett sanieren, die Brücke wurde vor kurzem erst fertiggestellt. Dabei wurde deren Tragfähigkeit enorm erhöht, was Voraussetzung für die Baumaßnahme war. Unter anderem werden am Wehr die Schütztafeln, der Turm sowie der Zulauf- und Abströmbereich erneuert. Eine weitere Sanierung ist später auch am Deich zwischen Neuwerben und Havelberg geplant.
Für die Radler auf dem Elberadweg bedeutet dies, dass dieser in diesem und im nächsten Jahr gesperrt ist. Die Umleitung führt über Nitzow und Havelberg.

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