Verhinderung von Wildschäden : Ideen für Schwarzwildjagd

Viele Jäger gehen öfter auf die Pirsch, um mehr Wildschweine zu schießen und die hohen Bestände zu senken.
Viele Jäger gehen öfter auf die Pirsch, um mehr Wildschweine zu schießen und die hohen Bestände zu senken.

Viele Anstrengungen zur Verhinderung von Wildschäden – Maisfelder erschweren Reduzierung der Bestände

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02. Januar 2018, 20:55 Uhr

Trotz hoher Abschusszahlen, die Wildschweinbestände in der Prignitz bleiben hoch. Im Jagdjahr 2016 wurden rund 4351 Stück Schwarzwild geschossen, im Ende März endenden Jagdjahr 2017 könnten es ähnlich viele sein. Angesichts von rund 1000 Jägern im Landkreis und einer Steigerung um fast 1000 Tiere gegenüber dem Jagdjahr zuvor rechnet Peter Becker, 2. Vorsitzender des Jagdverbandes Perleberg, nicht mehr mit großen Steigerungsraten.

Mit den neuen Jahr treten aber Regelungen in Kraft, welche die Jagd auf Schwarzwild vereinfachen. So dürfen Lebendfallen eingesetzt werden. Und der Landkreis befreit die Jäger bis zum 30. Juni 2018 von der Gebühr für die Trichinenschau, rund sieben Euro je Tier. Das zeige, dass der Landkreis das Problem erkannt habe und die Jäger unterstütze, so Becker.

Zudem lässt das Bundesjagdgesetz seit November künstliche Lichtquellen zur Wildschweinjagd zu. „Die Tiere sind nachtaktiv. Bei wenig Mondlicht oder Nebel hilft eine Lampe an der Waffe klarer auszumachen, ob man es mit führenden Bachen oder Frischlingen zu tun hat, die nicht geschossen werden sollen“, erläuterte Peter Becker. Auch bei der Suche nach angeschossenen Tieren helfe die Lampe, die mit Magneten an der Waffe befestigt wird.

Die Jägerschaft nehme die Verantwortung für die Regulierung der hohen Schwarzwildbestände ernst, so Marco Radloff, Vorsitzender des Jagdverbandes Perleberg.

Um die Bestände zu reduzieren, durchstreifen viele Weidmänner häufiger die Wälder. „Und wenn mehr Tiere da sind, kommt man häufiger zum Schuss“, sagte Peter Becker. Bei den Treib-, jagden der vergangenen Wochen in der Prignitz bildeten Wildschweine den wichtigsten Teil der Jagdstrecke.

Aber die Schwarzwildjagd ist kein Selbstläufer, sondern stellt hohe Ansprüche. Maisfelder bieten den Tieren ideale Nahrungsangebote und Lebensräume. Bei anhaltender Nässe wie 2017 legen sie dort auch ihre Suhlen an. Von Jägern sind sie dort nur schwer auszumachen.

Oft haben die Weidmänner kaum freies Schussfeld, weil zwischen Feldrand und Wald kaum Platz ist. Jagdgassen in Feldern und Grünränder erkennen die schlauen Tiere rasch als Gefahrenstellen und meiden sie. Auch Naturschutzbereiche an Elbe und Stepenitz, wo nicht oder nur selten gejagt werden darf, werden auf sichere Rückzugsräume angenommen.

Zusätzlichen Schutz bieten durch den Herbststurm „Xavier“ abgerissene Baumkronen und umgestürzte Bäume. Zudem müssen sich Jäger dort vorsichtig bewegen.

Das Wetter meinte es in den vergangenen Wintern gut mit den Wildschweinen. Kaum einmal gab es für einige Zeit Temperaturen von zehn Grad unter Null und tiefer oder die Kombination von Nässe und Kälte, die schwache Tiere nicht überstehen. Zudem werden seit einiger Zeit weibliche Frischlinge vom Frühjahr schon im Herbst trächtig, was die Reproduktionsrate in die Höhe schnellen lässt.

Aber an einer starken Bejagung des Schwarzwildes führt mit Blick auf die angerichteten Schäden in der Landwirtschaft kein Weg vorbei. Neben Mais- und Wintergetreidefeldern sind Wiesen und Weiden ein beliebtes Ziel der Wildschweine, die dort alles umpflügen, um Raupen und Engerlinge finden.

Für diese Schäden haften Jäger und Eigentümer der Jagdflächen.„Wenn die Jäger ihr möglichstes tun, sehen das die Agrargenossenschaften ein. Mit den meisten Betrieben gibt es gute Kontakte“, so Becker.

Völlig verhindern lassen sich Wildschäden nicht, gerade wenn eine erheblicher Teil der Jagdpacht beispielsweise aus Maisfeldern besteht. Die Prignitzer Jäger wollen es aber nicht so weit kommen lassen wie in einigen Bereichen von Mecklenburg-Vorpommern, wo Jagdreviere inzwischen wegen extremer Wildschäden nicht mehr verpachtet werden können. „5000 bis 10 000 Euro pro Jahr für Wildschäden kann dafür kaum ein Jäger aufbringen“, so Becker. Zumal die Passion ohnehin nicht unerhebliche Aufwendungen für Pacht, Versicherungen und Berufsgenossenschaft, deren Tarife jüngst explosionsartig stiegen, und für die Ausrüstung erfordern.

Die Einnahmen der Jäger sind demgegenüber sehr übersichtlich. Der Preis je Kilogramm Wildschweinfleisch halbierte sich durch die steigende Zahl geschossener Tiere auf 50 bis 60 Cent. Einiges geht in den überregionalen Wildhandel, einiges übernehmen Gaststätten und Fleischer. Einige Jäger sind zur Selbstvermarktung übergegangen und bieten Wildwurst aus eigener Produktion an.

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