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Der Prignitzer

19. Oktober 2017 | 18:30 Uhr

"Ich wollte nie perfekt sein"

vom

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2012 | 08:36 Uhr

Wittenberge | Katia Saalfrank kennen die meisten aus der RTL-Sendung "Die Super Nanny", in der die 40-jährige Diplom-Pädagogin Familien in Erziehungsfragen beriet. Ihre Fernsehkarriere hat sie beendet, untätig geworden ist sie jedoch nicht: Sie bietet Beratungen, Workshops und Elternkurse an und ist aktuell mit ihrem Programm "Nein, Mama!" auf Tournee. Am Donnerstag machte sie Halt in Wittenberge. Bevor sie im Kultur- und Festspielhaus auftrat, sprach "Prignitzer"-Volontärin Susann Matschewski mit ihr.

Frau Saalfrank, es gibt unzählige Erziehungsratgeber auf dem Markt. Auch Sie haben ein Buch geschrieben. Wie beurteilen Sie diese Bücherschwemme?

Katia Saalfrank: Dieses Überangebot kann ich nur bestätigen. Viele Eltern, die zu mir kommen, sind regelrecht "ratgebergeschädigt" und wollen konkrete Verhaltensanweisungen. Bei mir geht es aber mehr um Informationen über die Entwicklungsstufen eines Kindes, ich gebe keine Ratschläge. Es gibt keine Patentrezepte und allgemeine Lösungen für die Konflikte, deshalb gibt es von mir auch keine konkreten Handlungsanleitungen.

Das Betreuungsgeld ist ein großes Thema in der Politik. Wie stehen Sie dazu? Sollten Kinder aus problematischen Verhältnissen nicht besser in einer Kita statt zuhause betreut werden?

Wenn Kinder eine Kita besuchen müssen, weil sie es zuhause nicht gut haben, ist das schon mal der schlechteste Grund. Ich halte diese Reform dennoch für überflüssig, aus meiner Sicht könnte das Geld an anderer Stelle wesentlich sinnvoller eingesetzt werden. Außerdem empfinde ich es als eine Schieflage, wenn die natürliche Eltern-Kind-Beziehung versachlicht wird, mit Geld quasi "entlohnt" wird, und das wird sie mit dem Betreuungsgeld.

Ärgert es Sie, wenn Sie heute noch als "Super Nanny" bezeichnet werden?

Durch den Superlativ im Namen war ich natürlich mit sehr hohen Erwartungen an meine Arbeit konfrontiert. Ich stehe aber auf zwei realistischen Beinen, daher war es nie mein Anliegen, super oder perfekt zu sein. Der Name war für die Sendung okay, trifft es aber tatsächlich nicht so ganz.

Vermissen Sie das Format "Die Super Nanny" ?

Nein, ich bin froh, wie es ist. Was ich manchmal vermisse, ist die intensive Familienbegleitung, die so leider erstmal wegfällt. Ich war für jede Folge sechs Tage am Stück bei den Leuten zuhause. Jetzt kommen sie stundenweise zu mir in die Beratung und gehen dann wieder. Das ist ein ganz anderes Setting.

Haben Sie bei Ihrer Familienarbeit Unterschiede zwischen Ost und West feststellen können?

In der Kindererziehung nicht, aber in der institutionellen Betreuung schon, und das aus eigener Erfahrung. Als wir noch in Hessen gewohnt haben, war es unglaublich schwierig, für unsere Kinder einen Betreuungsplatz zu bekommen. Später in Berlin war es viel einfacher. Da gibt es bemerkenswerte Unterschiede.

Sie haben vier Söhne. Haben Sie sich je eine Tochter gewünscht?

Ich habe mir nie irgendetwas gewünscht. Mir war vor allem die Gesundheit wichtig. Jetzt ist es so, wie es ist, und ich bin sehr glücklich mit meinen vier Jungs.

Wie streng sind Sie gegenüber Ihren eigenen Kindern?

Das Wort "streng" ist für mich gar keine Kategorie, davon kann ich also nicht reden. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der sagt, was er fühlt und denkt, und das mache ich auch in der Beziehung mit meinen Kindern so.

Wenn Sie daran denken, wie Ihre Eltern Sie erzogen haben: Gibt es eine Sache, die Sie bei Ihren Kindern ganz anders gemacht haben?

Ach, da gibt es sicher einiges. Als ich groß geworden bin, in den 70er Jahren, war eine Ohrfeige normal, und die habe ich auch ab und zu bekommen. Das habe ich zum Beispiel nicht gemacht.

Herrscht zwischen Ihnen und Ihrem Partner immer Einigkeit, wenn es um die Erziehung geht?

Wir versuchen, wertschätzend miteinander umzugehen, so dass wir eine vertrauensvolle Beziehung untereinander und auch zu den Kindern haben können. Wir haben beide eine gute emotionale Beziehung zu den Kindern. Grundsätzlich sind wir eine lebendige, dynamische, eine ganz normale Familie.

Was ist der beste Rat, den Sie Eltern geben können?

Damit tue ich mich sehr schwer. "Ratschlag" ist auch so ein Wort, das ich lieber vermeide, weil es absolut klingt. Ich kann nur sagen, was aus meiner Erfahrung gut ist: Öfter mal einen Schritt zurückgehen, um zu reflektieren. Das bewahrt davor, in Muster ’rein zu rutschen, aus denen man nur schwer wieder herauskommt.

Was ist der größte Fehler, den Eltern machen können?

Gewalt zerstört jedes Vertrauen zwischen Eltern und Kind, daher kann sie nie die Lösung für Konflikte sein.

Können Sie Menschen verstehen, die keinen Kinderwunsch haben?

Ich habe nicht den Anspruch, dass alle Leute Kinder haben müssen oder mögen sollen. Wer keine Kinder möchte, sollte auch keine bekommen. Das Schlimmste ist es doch, wenn Eltern ein ungewolltes Kind großziehen.

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