zur Navigation springen

Bad Wilsnack : „Ich winkte Stauffenberg zu“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Helmut Penkert (83) erinnert sich, wie er als Kind dem Hitler-Attentäter gegenüber stand.

von
erstellt am 01.Aug.2017 | 11:50 Uhr

Als sich der Jahrestag des Hitler-Attentats am 20. Juli jährte, las Helmut Penkert mit Interesse unsere Berichterstattung darüber. Denn der 83-Jährige war dem wohl bekanntesten Attentäter einst persönlich begegnet: Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

„Als Junge habe ich ihn gesehen und einige Male zugewunken“, erzählt der Rentner, der heute im Awo-Seniorenzentrum lebt. Stauffenberg habe sogar reagiert. „Er grüßte meine Freunde und mich und sagte: ,Na Jungs, wie geht’s?“ Das war im Sommer 1942 oder 1943, so genau weiß Helmut Penkert das nicht mehr. Damals lebte er mit seinen Eltern und den drei jüngeren Geschwistern in Langenbrück (Ostpreußen). „Dort richtete die Wehrmacht auf einem Acker nahe unseres Dorfes eine Stellung ein, alles war voller Militär. Das hat uns als Jungs natürlich interessiert.“ Irgendwann kam dann auch Stauffenberg nach Langenbrück. „Ein großer, schlanker Mann mit einer sehr besonderen Ausstrahlung“, erinnert sich Penkert. Sein Onkel war Mitglied des Stabs der schweren Artillerie in Rastenburg und berichtete seinem Neffen ebenfalls von einigen Aufeinandertreffen mit dem späteren Hitler-Attentäter.

An das Datum, an dem Helmut Penkert und seine Familie ihre Heimat verlassen mussten, kann sich der gelernte Traktorist und Maschinist noch genau erinnern. „Es war der 26. Januar 1945. Wir haben die Pferde vor einen Wagen gespannt und sind vor der Roten Armee geflohen. Die Stellung nahe unseres Dorfes wurde von der Wehrmacht gesprengt.“ Letztlich kam die Familie in einem Keller in Heilsberg unter. „Insgesamt 60 Leute waren wir da, Frauen, Kinder.“ Als die Sowjets dann den Ort erreicht hatten, wurden Penkerts nach drei Tagen wieder nach Hause geschickt. „Doch wir konnten nicht in unser Haus. Dort wohnten schon Polen. So sind wir bei einer Nachbarin untergekommen“, schildert Helmut Penkert. Die Zeit war hart, Lebensmittel wurden rationiert.

Bis 1963 lebte Hartmut Penkert unweit seines Geburtsorts. Er hatte eine Frau aus dem Nachbardorf geheiratet und lebte in ihrem Haus gemeinsam mit der Schwiegermutter. „Sie wollte dann in die DDR ziehen, weil dort ein Teil der Familie lebte. So gingen wir mit. Dafür mussten wir aber einen Ausreiseantrag stellen.“ 1963 kamen sie am Berliner Ostbahnhof an. Erst arbeitete Penkert in Magdeburg, dann der Einschnitt: Seine Frau ließ sich 1970 scheiden. „Ich zog nach Berlin, wo ich als Kran- und Gabelstaplerfahrer tätig war.“ Dann kam das Liebesglück zurück. 1980 lernte Hartmut Penkert seine zweite Frau kennen, die zwei Töchter hatte. „Sie hatte eine Zeitungsannonce geschaltet und ich habe geantwortet“, sagt er schmunzelnd. Penkert zog zu seiner Partnerin nach Rathenow. Es sei eine sehr glückliche Zeit gewesen. Bad Wilsnack war den beiden im Lauf der Zeit wegen der Therme ein Begriff. Als Rentner wollten sie in die Kurstadt ziehen. „Meine Frau starb vor 17 Jahren.“ So wagte Penkert 2011 allein den Schritt – und hat ihn nicht bereut. „Hier habe ich alles. Ich fahre regelmäßig nach Wittenberge oder Perleberg. Ich fühle mich wohl.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen