Bürgermeisterwahl Karstädt : Ich halte Windkraft für Irrweg

Will ins Bürodes Bürgermeisters der Gemeinde Karstädt einziehen: Der AfD-Kandidat Jean-René Adam aus Blüthen.
Will ins Bürodes Bürgermeisters der Gemeinde Karstädt einziehen: Der AfD-Kandidat Jean-René Adam aus Blüthen.

AfD-Kandidat Jean-René Adam aus Blüthen im Interview zu seinen Ideen, was er als Verwaltungschef der Gemeinde Karstädt verändern will.

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13. August 2019, 20:00 Uhr

Wenn am 1. September die Brandenburger Bürger den neuen Landtag wählen, sind die Einwohner der Gemeinde Karstädt zeitgleich aufgerufen, auch ihren hauptamtlichen Bürgermeister zu wählen. Zur Wahl stellt sich auch Jean-René Adam aus Blüthen, der für die Alternative für Deutschland antritt. Mit dem 54-jährigen gelernten Instandhaltungsmechaniker, jetzt als Kraftfahrer im Familienbetrieb tätig, sprach Redakteurin Martina Kasprzak über seine Kandidatur, seine Ideen, was er in der Gemeinde verändern möchte.

Herr Adam, Sie haben bei der Kommunalwahl als AfD-Kandidat für das Gemeindeparlament Karstädt die zweitmeisten Stimmen aller Kandidaten erhalten. Und Sie sind zudem in den Kreistag eingezogen. Hat Sie dieses Ergebnis dazu bewogen, auch für das Amt als hauptamtlicher Verwaltungschef in Karstädt anzutreten?
Jean-René Adam: Ich hatte auf viele Stimmen gehofft, aber das sehr gute Ergebnis hat mich schon etwas überrascht. In Vorbereitung der Landtagswahlen sollte ich für die AfD in der Prignitz als Direktkandidat antreten, nachdem ein weiteres Mitglied sich für dieses Mandat bewarb, zog ich meine Kandidatur zurück und wurde zum Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Karstädt gewählt, für mich die bessere Entscheidung, da das Bürgermeisteramt mir mehr liegt und ich vor Ort etwas bewegen möchte.

Inwieweit werden Sie vom Kreisverband und auch vom Landesverband Ihrer Partei bei der Kandidatur unterstützt?
Ich bin im Kreisverband nicht ganz unumstritten, aber ein großer Teil der Mitglieder unterstützt mich. Ich bevorzuge eher die ruhigen Töne und eine sachliche Auseinandersetzung, meine Argumente muss ich nicht lautstark untermauern.
Vom Landesverband erhalte ich große Unterstützung, gerade von Herrn Kalbitz.


Herr Kalbitz ist doch aber gerade eher ein Lautsprecher…
Ja, das ist er zwar, aber er weiß auch, wovon er spricht.

Wo stehen Sie innerhalb der AfD?
Ich lasse mich von keiner Strömung vereinnahmen und gehöre eher dem bürgerlich-konservativen Lager an.

Inwiefern und wo haben Sie sich in der vergangenen Zeit über die Entwicklungsprozesse der Gemeinde Karstädt informiert?
Ich verfolge das Geschehen über die Zeitung und das Amtsblatt. An Sitzungen in der Gemeinde konnte ich nicht teilnehmen, da ich beruflich gerade in den Abendstunden unterwegs bin.

Inwieweit sind Sie mit den Bürgern der Gemeinde vernetzt oder im Dialog?
Gerade durch die Bürger-Dialoge in Postlin, die wir regelmäßig veranstalten, bin ich recht gut über bestehende Probleme informiert. Bürger sprechen mich auch auf der Straße an oder klingeln bei mir an der Haustür.

Wie schätzen Sie die Arbeit der letzten Gemeindevertretung ein?
Erst einmal muss ich sagen, dass ich bei der konstituierenden Sitzung nach der Kommunalwahl sehr freundlich aufgenommen wurde.
Ich habe das Gefühl, dass in den vergangenen Jahren viel Stillstand herrschte, es entwickelte sich kaum etwas weiter. Das ist mein persönlicher Eindruck, aber das höre ich auch von Einwohnern. Die Gemeindevertretung bestand zu etwa 70 Prozent aus CDU-Vertretern, da ist es nicht ungewöhnlich, dass das zu einer gewissen Stagnation führt.

Was wollen Sie in der und für die Gemeinde verändern?
Ich möchte hier nur auf einige Fakten hinweisen. Die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten muss noch weiter verbessert werden, um Fehlentwicklungen und Probleme vor Ort noch schneller zu erkennen und eine Lösung zu finden. Wir müssen endlich etwas gegen den mangelhaften oder gar nicht vorhandenen Mobilfunkempfang unternehmen. Ein ernsthaftes Problem ist das zum Beispiel in Blüthen, Nebelin oder Postlin. Von Seiten der Gemeinde muss man aktiv werden, was das Ensemble bei Kik und Penny betrifft. Da stehen viele Läden leer und der Wochenmarkt, der auf dem dortigen Parkplatz stattfindet, ist den Namen nicht wert. Da müssen Konzepte her, z B. mit nur noch einem Frühlings- und Herbstmarkt. Stichwort Kultur. Warum nutzt man nicht die Nähe zur Lotte-Lehmann-Akademie in Perleberg oder zur Kammeroper nach Rheinsberg, um Klassik nach Karstädt zu holen? Ein Veranstaltungsort könnte zum Beispiel die Freilichtbühne in Karstädt sein, nach einer Sanierung.

Was möchten Sie fortführen?
Die solide Haushaltsführung will ich fortsetzen, es wurde sehr gut gewirtschaftet. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz besonders bei den kompetenten und höflichen Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung bedanken.

Die Gemeinde setzte in der Vergangenheit auf den Bau von Windrädern. Wie stehen Sie dazu?
Ich bin gegen Windkraft. Und beim Abbau der geplanten Anlagen für das Repowering werde ich genau darauf achten, dass auch alles restlos entsorgt wird.

Bei dem beschlossen Windkraft-Euro sehe ich keinen finanziellen Zugewinn für die Gemeinde, man wird die Windmühlen einfach außerhalb der „kostenpflichtigen“ drei Kilometer Zone errichten. Ich halte die Windkraft für einen Irrweg, nicht zuletzt wegen des Vogel- und Insektensterbens und der negativen Auswirkung auf die Gesundheit der Anwohner, ganz zu schweigen von dem Wertverlust von Immobilien, die in der Nähe solcher Anlagen stehen. Es ist unsere Heimat, die verschandelt wurde und wird, wovon nur wenige etwas haben.

Was wäre Ihnen noch wichtig?
In puncto Sauberkeit/Winterdienst in Karstädt sind noch Reserven.

An Kreuzungen und Überwegen müssen die Bordsteine abgesenkt werden und beim Netto- Markt ist ein gesicherter Übergang wichtig, beides gerade für unsere Senioren. Ich bin gegen eine Mülldeponie im Bereich Groß Warnow/Pinnow.
Inwiefern sind Sie im Landkreis, Land vernetzt, um daraus auch als Bürgermeister für die Gemeinde Karstädt profitieren zu können?
Meine Kontakte auch im Landkreis muss ich sicher noch ausbauen. Da möchte ich erst einmal die Kontakte meiner Partei nutzen.

Sie müssen aber auch über den Tellerrand der Gemeinde blicken, die Mitglied im Regionalen Wachstumskern ist. Wie schätzen Sie die Arbeit des RWK ein?
Im Großen und Ganzen fehlt mir da derzeit der Einblick. Ich habe manchmal das Gefühl, man beweihräuchert sich da selbst. Für mich sind Perleberg und Wittenberge auch erst einmal nur sekundär. Herrn Hermann habe ich noch nicht kennengelernt. Frau Jura stehe ich skeptisch gegenüber, nicht zuletzt durch ihre Äußerungen zum AfD-Sommerfest.
Die Gewerbeansiedlung an der B5/A14 sollte jetzt langsam vorangehen. Unbedingte Voraussetzung dafür ist aber der Breitbandausbau. Schnelles Internet ist für eine erfolgreiche Gewerbeansiedlung eine Grundbedingung. Mit der Autobahnanbindung sind ja verkehrstechnisch hervorragende Bedingungen bereits gegeben.

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