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Der Prignitzer

18. November 2017 | 22:50 Uhr

"Ich habe Krieg vor meiner Haustür"

vom

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2012 | 05:30 Uhr

Schönfeld | Ein Leben mit dem Blitzer - seit die Geschwindigkeitsmessanlage an der B 5 am Abzweig nach Schönfeld steht, kann Jürgen Kiencke Geschichten darüber erzählen. Er ist Eigentümer eines Grundstücks, das direkt an den Blitzer grenzt. Zeuge des Verkehrsunfalls am Dienstag mit tödlichem Ausgang war er nicht, aber der 54-Jährige sagt: "Ich habe Krieg vor meiner Haustür."

"Es war nur eine Frage der Zeit, dass etwas Schlimmes passiert. Doch ist es mehr als traurig, dass erst ein Mensch sterben muss, ehe etwas geschieht, Maßnahmen sind längst überfällig", erklärt der Schönfelder. Eigentlich hätten nach einem Unfall mit einem Opel Vectra bereits Maßnahmen eingeleitet werden müssen, als drei junge Männer mit dem Auto auf sein Grundstück "geflogen" waren, meint er. Das Auto war Schrott, die jungen Leute zogen sich nur leichte Verletzungen zu.

Aus Richtung Quitzow sollte eine einseitige Sperrlinie auf der Fahrbahn aufgebracht und ein Überholverbotsschild aufgestellt werden, fordert Kiencke. Denn Überholen trotz Gegenverkehr sei auch die Ursache des Unfalls vom Dienstag gewesen (der "Prignitzer" berichtete gestern). "Auch müsste die Polizei mehr kontrollieren, denn wenn die Beamten hier stehen, läuft alles wunderbar ruhig", so seine Erfahrung.

Zu gering seien die Strafen für Geschwindigkeitsverstöße in Deutschland, die Verkehrssünder daher locker wegstecken, meint der Schönfelder und verweist auf Norwegen. Wer dort eine Begrenzung von 70 km/h mit 20 km/h überschreite, müsse 480 Euro zahlen, bei 36 km/h mehr seien 1200 Euro fällig und der Führerschein weg.

"Wenn sich alle an die 70 halten würden, bräuchte man keinen zusätzlichen Druck, doch viele Kraftfahrer halten sich nicht daran", sagt Kiencke. Ganz schlimm sei das Ausscheren auf die linke Fahrbahn. "Ich könnte Namen nennen, die rüber fahren, um dem Blitzer auszuweichen. Das sind Ortskundige."

Wie gefährlich so etwas werden kann, veranschaulicht Kiencke am Beispiel eines weißen Scirocco, der vor wenigen Tagen mit vollem Speed ein vor ihm fahrendes Auto in Blitzerhöhe überholen wollte, nach links ausscherte, dann aber eine Vollbremsung machen musste, dass es nur so quietschte. Im Gegenverkehr kam ihm ein Erntetraktor entgegen.

Gegenseitige Rücksichtnahme werde zur Nebensache, überspitzt er. "Vor unserem Grundstück befindet sich eine Haltestelle mit Bustasche. Ein Bus hielt an, eine Person stieg aus. Eine Frau im Pkw musste jedoch trotz Gegenverkehr überholen, schildert er einen weiteren Vorfall. Bremsspuren auf dem Asphalt verursachen nicht nur Pkw, um in letzter Sekunde dem Blitzer zu entgehen, sondern auch Lkw, so der Schönfelder.

"Dabei besagt die Straßenverkehrsordnung, dass Lkw über 7,5 Tonnen nur auf Autobahnen und speziellen Kraftfahrstraßen schneller als 60 km/h fahren dürfen." Um in Schönfeld geblitzt zu werden, müssen sie schon schneller als 80 km/h sein. Und das waren in diesem Jahr bis zum 31. Juli rund 120 Lkw über 7,5 Tonnen, informiert der Landkreis.

Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 1 103 548 Durchfahrten, 7486 geblitzte Fahrzeuge, davon erhielten 5429 ein Buß- bzw. Verwarngeld. Im Vorjahr gab es 1 012 545 Durchfahrten und 9211 geblitzte Fahrzeuge, von denen 7078 ein Buß- bzw. Verwarngeld erhielten.

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