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Spender aus Pritzwalk typisiert : „Ich bin kein Held“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mirko Meyer ließ sich bei der DKMS-Aktion im Herbst 2016 typisieren und rettete einem Patienten so das Leben.

Schon oft wurde in unserer Region die Werbetrommel für die Deutsche Knochenmarkspender-Datei (DKMS) gerührt, zuletzt für Sophie Kukuk aus Schönhagen (Stadt Pritzwalk) im Herbst vergangenen Jahres. Sie leidet an der extrem seltenen Erkrankung PNH, eine Krankheit, bei der sich die roten Blutkörperchen vorzeitig innerhalb der Blutgefäße auflösen. Eine Stammzellspende könnte ihr helfen. Derzeit wird die junge Frau mit einer alternativen Therapie behandelt. Obwohl sich Hunderte im Oktober 2016 typisieren ließen, ist ein passender Spender noch nicht gefunden.

Aktionen dieser Art haben dennoch Sinn und Ausstrahlung. Denn einem anderen schwerkranken Patienten in Deutschland konnte vor kurzem geholfen werden. Stammzellspender Mirko Meyer aus Pritzwalk wurde im Rahmen der DKMS-Aktion, die für Sophie Kukuk lief, typisiert. Bereits Ende November erhielt er die erste Vorinformation, dass er als Spender in Frage käme. Seine ganz persönliche Hilfsaktion kam dann relativ schnell in Gang: Anfang Dezember Blutentnahmen über die Hausärztin und Weiterleitung an die Entnahme-Klinik in Dresden, Mitte Januar Kontakt, Beratung und Absprachen über die DKMS sowie erste Voruntersuchung in der Dresdener Fachklinik. Am 1. Februar erfolgte die Knochenmarkspende, am 3. Februar erhielt Mirko Meyer über die DKMS die Information, für wen seine Stammzellen verwendet werden. „Das ist zunächst einmal aber anonymisiert. Ich weiß nur, dass es ein 44-jähriger Mann ist, der die Spende am 2. Februar in Frankfurt/Main erhielt“, berichtet Mirko Meyer.

In seinem Umfeld werde er seither als „Held“ gefeiert. „Ich sehe mich selbst aber absolut nicht so“, stellt der Pritzwalker im Gespräch mit dem „Prignitzer“ fest. Für ihn ist eine solche Hilfeleistung selbstverständlich, „im Prinzip von dem Moment, an dem man sich typisieren lässt. Sonst braucht man es ja nicht zu tun.“ Die Entnahme des Knochenmarks aus dem Beckenkamm erfolgt unter Vollnarkose. „1,37 Liter wurden entnommen“, so Meyer. Ein Eingriff, der sicher nicht ganz so klein ist. „Für mich gibt es aber keinerlei Grund, das nicht noch mal zu machen. Wenn es mir selbst so erginge, würde ich mir auch wünschen, dass es eine lebensrettende Stammzellspende gäbe“, sagt der 41-Jährige. Mirko Meyer ist jetzt erst einmal zwei Jahre lang für „seinen“ Stammzellempfänger „reserviert“, sollten für den Patienten weitere Spenden nötig sein. Nach einer Frist von zwei Jahren wird die Anonymität aufgehoben, könnte Mirko Meyer – wenn alles optimal läuft – also denjenigen kennen lernen, dem er möglicherweise im Februar 2017 das Leben rettete.

Auf einen passenden Spender wartet Sophie Kukuk noch immer. Die sprichwörtliche Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen läuft. Zwischenzeitlich wird ihr Immunsystem mit der sogenannten Pferdeserums-Therapie aufgebaut. In ganz kleinen Schritten geht es voran. Mit einer Knochenmarkspende wäre ihr schnell und nachhaltig geholfen. „Aber die Gefahr der Abstoßung ist eben groß, wenn nicht alle Parameter perfekt zueinander passen“, sagt die Schönhagenerin. Ihre Immunsystem-Werte befinden sich nach wie vor weit unterhalb des Normbereiches. Bis die alternative Therapie jene Werte annähend auf Normalniveau bringt, kann es ein Jahr dauern, kann es immer wieder Rückschläge geben. Inzwischen ist die junge Frau aus der stationären Behandlung am Uni-Klinikum Kiel nach Hause entlassen, sie muss jedoch nach wie vor regelmäßig bei den Spezialisten in Kiel vorstellig werden. Etwa alle drei Wochen werden ihr rote Blutkörperchen von außen zugeführt. Ihren ursprünglichen Plan, das Maschinenbau-Masterstudium im April in Hannover aufzunehmen, legte sie vorerst auf Eis. Nächstes Ziel ist jetzt Oktober. Und möglicherweise eben doch noch die perfekt passende Stammzellspende.

Fälle, die regional eine derartige Aufmerksamkeit erregen, wie der von Sophie Kukuk, sind es unterdessen, die Menschen, wie z. B. Mirko Meyer bewegen zu helfen. Der Pritzwalker Lebensretter sagt. „Ich habe mich selbst gefragt, warum ich mich eigentlich erst jetzt typisieren ließ. Aber, es ist einfach dieser Fall vor Ort, mit dem ich konfrontiert wurde. Ich hatte mich vorher damit, ehrlich gesagt, nicht beschäftigt, vieles auch einfach nicht gewusst.“ Die Begleitung und Unterstützung seitens der DKMS lobt Meyer sehr. Denn, Ängste seien vor einem solchen Eingriff schon vorhanden und auch sicher auch völlig normal, macht der Vater einer 13-jährigen Tochter deutlich. Sowohl die DKMS-Mitarbeiter als auch die Fachleute in der Dresdener Klinik nehmen diese Ängste jedoch, das Prozedere sei absolut professionell.

Für das „Glückskind“ Sophie Kukuk – so bezeichnet sie sich selbst – ist das alles sicher erst einmal nur ein schwacher Trost. Aber, Beispiele wie dieses zeigen, dass Hilfe doch möglich ist, dass Rettung unverhofft und aus nicht vermuteter Richtung schnell kommen kann. Möglicherweise profitiert die junge Prignitzerin also demnächst von einem anderen Fall, der irgendwo in Europa regional Aufmerksamkeit erregt. Und von Menschen wie Mirko Meyer, für die Helfen selbstverständlich ist.


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