die nummer im notfall : „ICE“, „IN“ oder der gute alte Zettel

Kennzeichnungen wichtiger Kontakte in Telefonnummernspeichern können im Notfall hilfreich sein, sind aber bei Rettungskräften umstritten

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05. März 2014, 12:00 Uhr

Die Meinungen gehen auseinander: Soll man vor wichtige Rufnummern in seinem Telefonnummernspeicher das Kürzel „ICE“ (für engl.: in case of emergency – im Notfall) setzen? Es gibt Hilfsorganisationen und -vereine, die das empfehlen – ebenso viele lehnen dies aber aus guten Gründen auch ab.

Mit dem Kürzel „ICE“ kann man die Rufnummern von Angehörigen abspeichern, die in einem Notfall benachrichtigt werden sollen. Im deutschsprachigen Raum wird alternativ auch das Kürzel „IN“ für „Im Notfall“ verwendet. Damit sollen Rettungskräfte in die Lage versetzt werden, nahestehende Personen eines akut erkrankten Menschen oder eines Unfallopfers bei Bedarf telefonisch erreichen zu können, sofern der Betroffene keine andere Information in Form beispielsweise eines Notfallpasses oder Ähnlichem bei sich trägt bzw. nicht ansprechbar ist. „Aus Sicht des Rettungsdienstes stehen wir diesem System skeptisch gegenüber, da in erster Linie die Behandlung der Notfallpatienten und nicht die Benachrichtigung von Angehörigen im Vordergrund steht“, konstatiert René Glaeser, Werkleiter Rettungsdienst beim Landkreis Prignitz auf Nachfrage unserer Redaktion. Hinzu käme, dass der Zugriff auf die Daten der Angehörigen durch Dritte nicht ausreichend geschützt sei. „Das heißt, wenn der Rettungsdienst die Angehörigen anrufen kann, dann könnte das auch jeder andere, der in den Besitz eines solchen Telefons gelangt.“ Aus Sicht des Datenschutzes sehe der Rettungsdienst in diesem System einige Lücken.

Lutz Dieckmann vom Notärzteverein Prignitz, zugleich ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, findet die Kennzeichnung wichtiger Telefonkontakte im Rufnummernspeicher durchaus sinnvoll. Das könne in bestimmten Fällen eine deutliche Hilfe sein. Aber: „Die Bedingungen müssen stimmen und in diesem Zusammenhang sind auch Fragen des Datenschutzes zu klären“. Auf jeden Fall müsse der Telefon- bzw. Handybesitzer die Kennzeichnung in seinem Gerät selbst vornehmen und die Kontakte, die er gekennzeichnet habe, auch darüber in Kenntnis setzen. Pin-Codes, mit denen viele ihre Telefone sichern, verhinderten den Zugriff natürlich auch für Rettungskräfte. Somit greife das System von vornherein nur eingeschränkt. Nach Lutz Dieckmanns Erfahrungen haben gerade ältere Menschen die wichtigsten Infos – auch zur Benachrichtigung Angehöriger im Notfall – meistens bei sich und zusammen mit dem Personalausweis verwahrt. Bei jüngeren Leuten sei das weniger verbreitet. „IN“ bzw. „ICE“ vor einer zugänglichen Telefonnummer – besser aber noch der gute, alte Zettel – können im Ernstfall jedem gute Dienste leisten.


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