haaren feiert : Hymne und Verse zum Jubiläum

Der Wilsnacker Chor Amicitia (l.) und Haarener singen vor der Mühle gemeinsam eine Dorfhymne. Fotos: Hanno taufenbach (2)
Der Wilsnacker Chor Amicitia (l.) und Haarener singen vor der Mühle gemeinsam eine Dorfhymne. Fotos: Hanno taufenbach (2)

Haaren feiert 700 Jahre und begrüßt Gäste aus allem Himmelsrichtungen

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27. Juni 2016, 12:00 Uhr

Die Hitze erdrückend, die Wolken teils tief schwarz, die Pappteller am Kuchenbüfett vergriffen, ein Mikro streikt und eine Windbö lässt die Sonnenschirme bedrohlich wackeln. Doch all das bringt in Haaren niemanden aus der Ruhe. Zur 700- Jahrfeier am Sonnabend hatte das Dorf eingeladen und die Gäste kamen aus allen Himmelsrichtungen.

Einen kurzen Weg hatte Christoph Rechberg. Er lebt seit 15 Jahren in direkter Nachbarschaft in Plattenburg und als Nachbar kommt man nicht mit leeren Händen: „Wir Plattenburger schenken ein Gedicht, dessen Strophen noch in Holz geschnitzt werden“, sagt er. „Aus dem Rauch der Gasse, aus der Stadt heraus, fern dem Lärm der Masse, bau ein kleines Haus“, lautet die erste Strophe. „Das passt wunderbar zu unseren beiden Dörfern“, meint Rechberg.

Gut möglich gar, dass die Verse vom bekannten Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811) stammen. Dessen Familie besaß unweit von Haaren ein Jagdhaus. „An der Terrasseninnenseite habe ich die Zeilen entdeckt“, sagt Christoph Rechberg. Nach seinen Recherchen taucht ihr Wortlaut in Schriften von Kleist auf. Das sei zwar nur ein Indiz, aber selbst wenn sie nicht von Kleist selbst stammen, bleiben es schöne Verse. An einer hölzernen Schautafel sollen sie direkt neben dem Gedenkstein in Haaren ihren Platz finden.

Etwas länger dauerte die Anreise von Burkhard Dierker. Er ist der Sohn des ältesten Einwohners und in dem Dorf aufgewachsen. 1977 hat er es verlassen, lebt heute vor den Toren Berlins.

„Mit meinen zwei Schwestern, den Enkeln und Urenkeln treffen wir uns oft in unserem Elternhaus“, erzählt er. Da sei es ja keine Frage, dass er sich zur Jahrfeier die Zeit nahm und in die Prignitz fuhr. „Die Haarener sind eine verschworene Gemeinschaft, wir haben uns nie aus den Augen verloren“, sagt er über seine Heimat. Der studierte Bauingenieur ist unter anderem an einem der größten Bauprojekte der Bahn in Brandenburg beteiligt: am Neubau der Oder-Eisenbahnbrücke nach Küstrin.

„Unser Berliner Ingenieurbüro hat die Ausschreibung für die Gestaltung der Brücke gewonnen“, erzählt Burkhard Dierker. Das 1926 errichtete Bauwerk wurde im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach repariert. Ab 2018 will die Bahn mit dem Bau der Brücke an der historischen Strecke der Ostbahn von Berlin nach Königsberg beginnen.

Aus Wittenberger kam die Brassband des Gymnasiums mit ihren Musikern und Gesangssolisten, aus Bad Wilsnack der Männerchor Amicitia. Er singt unter anderem gemeinsam mit den Gastgebern eine Dorfhymne.

Aus Bad Wilsnack ist auch Bärbel Mann gekommen. Sie hat aktiv an einem Geburtstagsgeschenk der besonderen Art mitgewirkt: „Ich habe ein kleines Theaterstück geschrieben“, verrät sie. Die Haarener hätten sie angesprochen. „Sie wollten etwas Witziges, nichts Langatmiges“, sagt Bärbel Mann. Sie erfüllte diesen Wunsch und schrieb eine Geschichte, die sich an der Gründung des Dorfes orientiert. Ein Müller ließ sich hier mit seiner Familie nieder. Die Tochter wird schwanger, ihr Papa ist alles andere als begeistert …

Mit Silke Lehmann, Irmgard Schulz, Manfred Sindulka, Burkhard Ryll und Toralf Hirsch fanden sich fünf Einwohner, die nur zu gern die Rollen übernahmen. Ihre Kostüme stammen aus dem Fundus der Wilsnacker Pilgergeschichten. Für das jährliche Fest schreibt Bärbel Mann ebenfalls Theaterstücke. In diesem Jahr wird es die Aufführung am 20. August geben. „Unsere Proben haben begonnen, wir treffen uns mittwochs“, sagt Bärbel Mann. Aber heute wird erst einmal in Haaren gespielt, bevor der DJ zum Tanz auflegt.  

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