Fischsterben im Rudower See : Hunderte Silberkarpfen verendet

Manfred Ihl (r.) und Dieter Rosenthal vom Kreisanglerverband mit Kadavern der mehr als zehn Kilo schweren und über einen Meter langen Silberkarpfen.
Manfred Ihl (r.) und Dieter Rosenthal vom Kreisanglerverband mit Kadavern der mehr als zehn Kilo schweren und über einen Meter langen Silberkarpfen.

Angler haben seit Anfang Mai rund eine Tonne Fischkadaver aus dem Rudower See geborgen

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02. Juni 2017, 21:00 Uhr

Es stinkt derzeit gewaltig am Ufer des Rudower Sees bei Lenzen. Freiwillige Helfer des Kreisangelverbands und der Ortsgruppe Lenzen haben seit einem Monat hunderte verendete Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix), auch Silberamur genannt, aus dem Wasser geborgen. Erst am Freitag waren Petrijünger unterwegs, um etliche der übel riechenden Kadaver aus dem Schilfgürtel zu holen und zu entsorgen.

Rätselhaft sei, dass es sich bei den verendeten Fischen, bis auf wenige Ausnahmen, nur um ältere, kapitale Silberkarpfen von einer Größe von gut einem Meter und einem Gewicht jenseits der Zehn-Kilo-Marke handelt. Rund eine Tonne Fischkadaver der eigentlich aus Ostasien stammenden Art haben die Angler bisher aus dem See gefischt, so die Schätzung von Ralf Behrens von der Lenzener Ortsgruppe.

Laut Manfred Ihl, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes (KAV) Prignitz, sei die Untere Fischereibehörde des Landkreises bereits über das Phänomen informiert. Ihl selbst sieht das Fischsterben vorrangig als „Resultat einer verfehlten Bewirtschaftung des Sees in der Vergangenheit. Der Landesangelverband als Pächter des Sees muss sich nun mit den Folgen des damaligen Besatzes herumschlagen. Wir werden aber unserer Verantwortung aus dem seit 2006 bestehenden Pachtvertrag nachkommen und sind dabei, den Schaden in Grenzen zu halten.“

Noch zu DDR-Zeiten waren die Silberkarpfen im größten See der Prignitz ausgesetzt worden. Es wird vermutet, dass die Karpfen ursprünglich zur Algenbekämpfung eingesetzt wurden. Für die Angler selbst ist der Fisch auch wegen seiner dicken Fettschicht eher uninteressant. „Silberkarpfen ernähren sich von Plankton und Mikroorganismen und sind deshalb schwer an die Angel zu bekommen“, erklärt KAV-Geschäftsführer Dieter Rosenthal und fügt hinzu: „Weil es ihnen hier zu kalt ist, vermehren sie sich nicht.“

Warum die Silberkarpfen so plötzlich und in Massen im Rudower See verendeten, ist unklar. Das könnte nach Meinung der Angler das Zusammenspiel vieler Dinge sein. Das beträchtliche Alter der Fische gehöre ebenso dazu, wie auch die durch den starken Nährstoffeintrag aus dem Rambower Moor beeinträchtigte Wasserqualität. „Irgendwas ist hier aber nicht in Ordnung“, meint Ralf Behrens vielsagend. Die schlechte Wasserqualität des Rudower Sees bereitet Umweltschützern, Politik und Verwaltung seit geraumer Zeit Sorgen.

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