Schauspieler aus Leidenschaft : Humor und Heiterkeit sind Trumpf

Ingolf Drescher als Richter Adam in „Der zerbrochene Krug“.  Fotos: torsten Gottschalk
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Ingolf Drescher als Richter Adam in „Der zerbrochene Krug“. Fotos: torsten Gottschalk

Ingolf Drescher aus Wootz schlüpft seit knapp 15 Jahren in verschiedene Rollen – und will noch lange weiter machen

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31. Juli 2014, 12:00 Uhr

„Im Fernsehen gibt es viel zu viel Mord und Totschlag. Da bin ich kein Freund von“, sagt Ingolf Drescher aus Wootz. „Die sollten doch mehr lustige Sachen zeigen. Da stehe ich eher drauf.“ Denn Humor und Heiterkeit sind bei Maurermeister Drescher Trumpf. Nicht nur beim Skatspiel. Der 56-Jährige ist einer von 15 Himmlischen Laienspielern aus der Lenzerwische, die das Prignitzer Publikum mit ihren heiteren Theaterstücken immer wieder begeistern. In den Wintermonaten steht der Chef einer kleinen Baufirma zudem als Sänger und Büttenredner beim Lenzener Karneval auf der Bühne.

Dabei wurde Dreschers schauspielerisches Talent eher zufällig entdeckt. „1999 drohte das Krippenspiel zum Heiligen Abend auszufallen. Wir hatten keine Konfirmanden mehr“, erinnert er sich. „Wir haben uns dann im Kirchenrat überlegt, was wir denn tun können. Das Krippenspiel sollte ja unbedingt stattfinden. Da hat Helga Bethmann ganz trocken gemeint: Dann machen wir das halt mal selbst.“ Gesagt, getan. Das Weihnachtsfest war gerettet und die Theatergruppe geboren. „Seitdem machen wir das Krippenspiel jährlich. Das hat sich sogar soweit entwickelt, dass wir nicht nur einmal, sondern zwei- und dreimal auftreten. Heiligabend in Kietz und Mödlich und meistens den Sonntag davor noch in Eldenburg oder anderswo.“

Ingolf Drescher und seine Mitstreiter fanden Gefallen am Bühnenleben. Die Idee, ein richtiges Theaterstück aufzuführen, entstand während der Vorbereitungen der 650-Jahrfeier von Kietz. Mit Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ gelang der Theatergruppe dann ein sensationeller Erfolg. Allein zur Uraufführung kamen rund 250 Zuschauer in die Kietzer Kirche. Drescher glänzte in der Rolle des Richters Adam. Mit der Komödie „Die Pferdekur“ („Die haben wir elf- oder zwölfmal aufgeführt.“) etablierte sich das Ensemble der Hobbydarsteller in der hiesigen Kulturszene weiter. Nicht minder erfolgreich ist derzeit der dritte „Streich“ der Himmlischen Laienspieler.

Bei der Premiere des Lustspiels „Oma Gretchens neue Stiefel“ – Ingolf Drescher mimt hier den Verehrer Karl – anlässlich des Wootzer Wischefestes im vergangenen Jahr lockte die Theatergruppe über 200 Gäste an. „Das Klönen im Vorfeld und bei den Proben macht besonders Spaß“, freut sich Drescher jedes Mal aufs Neue auf die Zusammenkünfte mit den Mitstreitern aus den verschiedenen Orten der Lenzerwische.

Dem Mitwirken beim Lenzener Carnevals-Club (LCC) seit 2011 verdankt er eher dem Zufall und „meiner großen Schnauze. Euern Karneval kann man doch nebenbei machen“, hatte er damals großspurig gegenüber einem leidenschaftlichen Karnevalisten verlauten lassen. Der Diskussion folgte prompt eine Einladung zur Probe. „So bin ich dort hängen geblieben.“ Bei den Karnevalssängern nahm man die Verstärkung gerne an. „Ingolf hat Humor, ist sehr kreativ, hat immer gute Ideen. Und Lampenfieber kennt der auch nicht.“ Denn Maurermeister Drescher sieht den Auftritten stets gelassen entgegen: „Was soll schon passieren? Es gibt immer zwei Möglichkeiten. Entweder die Leute pfeifen oder klatschen. So einfach ist das.“

Vor kurzem hatte der Wootzer auch einen Gastauftritt bei den Aufzeichnungen zu Po.W.E.R., dem letzten Akt des futuristischen Langzeittheaterprojekts „Die Welt ohne uns“ des Künstlerkollektivs BBM (Beobachter der Bediener von Maschinen) im Kraftwerk Hannover-Herrenhausen. In diesem Stück versuchen intelligente, selbstlenkende Maschinen 10 000 Jahre nach Verschwinden der Menschheit diesen historischen Wendepunkt zu rekonstruieren. „Ich war das Hologramm Heizung. Das hat schon Spaß gemacht. Aber zwei Tage volles Programm waren schon ziemlich anstrengend.“

Bei den Dreharbeiten zu Til Schweigers neuem Film „Honig im Kopf“ mit Dieter Hallervorden kürzlich auf dem Kietzer Friedhof suchte man Ingolf Drescher am Set aber vergeblich. „Ich habe mich nicht beworben, hatte keine Zeit. Eine wichtige Baustelle musste unbedingt fertig werden. Die Arbeit geht nun mal vor, damit verdiene ich mein Geld und nicht mit der Schauspielerei. Außerdem hatte ich keine Lust auf den Dreh. Das ist mir alles viel zu hektisch.“

Große Lust auf Auftritte auf den hiesigen Bühnen hat der Wootzer aber noch immer. An einen baldigen Abgang denkt Ingolf Drescher jedenfalls noch nicht. „Solange ich gesund bleibe, werde ich noch weitermachen.“ Die Himmlischen Laienspieler und Karnevalisten wird’s freuen.

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