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Hubert Mackel: "Ich bin mit Leib und Seele Wittenberger"

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erstellt am 18.Dez.2012 | 11:06 Uhr

Wittenberge | 22 Jahre lang hat Hubert Mackel, bevor er am 1. Dezember in den Vorruhestand ging, als stellvertretender Bauamtsleiter und in den letzten vier Jahren als Chef des städtischen Bauamts die Entwicklung Wittenberges nicht allein begleitet, sondern kreativ vorangebracht. Seine Spezialstrecke: Stadtumbau und Stadtplanung. In den Jahren nach der Wende gewannen sie zunehmend an Bedeutung für die von Betriebsschließungen und Einwohnerschwund gebeutelte Stadt.

Der "Prignitzer" sprach mit Hubert Mackel über Erwartungen, Entwicklungen und Erfahrungen.

Sie wechselten zu einer Umbruchszeit ins Rathaus. Mit welchen Erwartungen traten Sie Ihr neues Amt an?

Es war die Zeit, in der alle davon sprachen, dass vieles anders werden muss, auch hier in der Stadt. Und ich habe mir damals gesagt, dass ich dazu auch beitragen will. So habe ich mich entschieden, als stellvertretender Bauamtsleiter ins Rathaus zu gehen. Im September 1990 habe ich begonnen. Ich kam aus dem Wohnungsbaukombinat Schwerin, aus einer zu der Zeit noch gesicherten Stellung, denn der Betrieb bestand ja noch eine ganze Weile nach der Wende. Meinen Chef, Bauamtsleiter Ulrich Siodla, kannte ich von der Zusammenarbeit mit dem HAG (Hauptauftraggeber), wo er vorher war. Ich wusste, dass die Zusammenarbeit klappen kann.

Wir waren fast alle Neueinsteiger im Bauamt. Sicher, die Verwaltungsarbeit war neu. Aber das lernte man. Das Schöne an der neuen Tätigkeit war, dass wir sehr konstruktiv arbeiten konnten. Wir mussten viel Neues in Angriff nehmen. Die Entwicklung für die nächsten Jahre war in Gang zu bringen.

Haben sich Erwartungen und Ansprüche erfüllt?

Ganz ehrlich: Ja. Die Arbeit hat alle Jahre Spaß gemacht. Es waren 22 Jahre voller spannender Aufgaben. Stadtsanierung und Stadtumbau zählten von Anfang an neben Bauleitplanung und Hochbau zu meinen Aufgabenbereichen. Gleich nach der Wende haben wir angefangen, die Altstadt auf Vordermann zu bringen. Sie wurde Sanierungsgebiet. Die Instandsetzung von Häusern und Straßen war sehr dringend, wenn das älteste Stadtgebiet von Wittenberge nachhaltig gerettet werden sollte. 1992 begann dann die Zusammenarbeit mit dem Sanierungsträger. Damit kam der Architekt Wolf Kaufmann nach Wittenberge. Er war, wie man landläufig sagt, Wessi, wir Ossis. Aber Ost-West-Spannungen gab es nicht. Wir haben sehr konstruktiv an einem Strang gezogen. Dazu gehörte auch die sensible Zusammenarbeit mit Hauseigentümern. Mancher hatte gleich nach der Wende negative Erfahrungen gemacht, war auch schon mal einem unseriösen Versprechen aufgesessen. Nun kamen wir, stellten Fördermittel in Aussicht, versprachen den Bauherren Hilfe und Unterstützung.

Ich muss sagen, ab 1992 lief es richtig gut. Was aus der Altstadt geworden ist, sieht man heute. Millionen an Fördergeld sowie privaten wie öffentlichen Geldern sind in das Quartier geflossen. Nach gut 20 Jahren haben wir die Stadt jetzt sozusagen geheilt aus dem Sanierungsstatus entlassen. Selbstverständlich hat das nur funktioniert, weil die Abgeordneten mit dem jeweiligen Bürgermeister und der Kämmerin bzw. dem Kämmerer die finanziellen Mittel gefunden und bereitgestellt haben, damit wir die Projekte überhaupt in Angriff nehmen konnten.

Eine wichtige Weiche haben wir auch gleich Anfang der 90er gestellt, als die Abgeordneten einen Flächennutzungsplan auf den Weg gebracht haben. Damit hatten wir als Stadt relativ früh so ein wichtiges Dokument.

Warum ist ein Flächennutzungsplan so wichtig?

Die Kommune verfügt damit über ein grundsätzliches Planungsdokument, auf dessen Grundlage beispielsweise Bebauungspläne aufgestellt werden.

Sie haben in den gut zwei Jahrzehnten im Rathaus ungezählte Projekte begleitet. Welche waren Ihnen am liebsten?

Es gibt nicht ein Lieblingsprojekt. In Erinnerung geblieben ist mir die Sanierung der Alten Burg in der Putlitzstraße. Das Land hatte eine Hüllenförderung bewilligt. Weil damit der Eigenanteil der Kommune so hoch war - wir haben ja das gesamte Haus instandgesetzt - gab es innerhalb des Hauses auch Stimmen, die rieten, wir sollten als Stadt das Projekt gar nicht erst anpacken.

Gern erinnere ich mich auch an die Bestandssicherung der Ölmühle, weil wir damit für die derzeitige Entwicklung Grundlagen geschaffen haben. Es war nicht einfach, die Fördermittel für die Dach- und Giebelsicherung und den Rückbau der Dachtürmchen, also für eine umfassende Bestandssicherung zu bekommen. Damals haben wir nicht im Traum daran gedacht, dass sich durch die Genesis in ihrer heutigen Struktur so schnell eine sinnvolle Nutzung für die Gebäude und das gesamte Areal auftun wird. Ich erinnere mich noch gut daran, dass sogar die Aufführungen der Elblandfestspiele aus Sicherheitsgründen in Frage standen, weil die Ecktürmchen abzustürzen drohten. Das sind zwei von einer Vielzahl von Projekten, die erwähnt werden müssten. Es fällt mir als hervorhebenswert auch das Theodor-Körner-Haus in der Burgstraße ein. Ein Wittenberger hat es gerettet.

Das letzte große von Ihnen begleitete Projekt war die Reaktivierung eines Bw-Teils als Eisenbahnmuseum. Man sagt in Wittenberge, das sei weitgehend Ihre Idee und Ihr Projekt.

Eine Einzelperson kann selbst nicht so viel bewegen. Erfolg hat bekanntlich viele Väter. So ist es auch in diesem Fall.

Was muss in Wittenberge unbedingt in Angriff genommen bzw. weiter verfolgt werden?

Das Leerstandsproblem wird uns in Wittenberge noch lange verfolgen. Eine Reihe von Häusern wird rückgebaut werden müssen. Andere, die wichtig für das Stadtbild sind, müssen aus meiner Sicht zumindest konserviert werden, um sie erst einmal zu erhalten für eine mögliche spätere Perspektive. So verfuhren wir in diesem Jahr beispielsweise mit der Rudi-Breitscheid-Straße, dem großen Eckhaus Heinrich-Heine-Platz 1 und der Ernst-Thälmann-Straße 3. Und es ist ganz bedeutsam, dass neben der Wohnungsbaugesellschaft vor allem auch Privatinvestoren Geld in die Hand nehmen, um, unterstützt mit Fördergeld, Häuser zu modernisieren. Ein Weg ist mit Sicherheit auch die Privatisierung von Gebäuden. Die WGW kann den Stadtumbauprozess nicht allein schultern. Allerdings, auch das muss man sagen, ist es für Privatinvestoren nicht einfach, sie müssen, bis das für sie in Frage kommende Darlehnsprogramm greift, einen längeren finanziellen Atem aufbringen.

Was fällt Ihnen beim Stichwort Stern ein?

Was lange währt, wird gut. Ich beziehe das auf den hängenden Garten mit dem Bild darüber und der davor gestalteten Fläche mit Bänken und Hochbeeten. Das Engagement der Lebenshilfe an der Ecke zur Perleberger Straße war eine wichtige Voraussetzung für dieses im wahrsten Sinne des Wortes ansehnliche Ergebnis.

Die Grundlage für diese Entwicklung war der städtebauliche Wettbewerb mit bekannten Architekturbüros vor sieben, acht Jahren, wie man den Stern gestalten könnte. Ich weiß nicht, wer sich noch daran erinnern kann. Aber zuvor hatte es eine Umfrage unter Wittenbergern gegeben, wo sie den Mittelpunkt ihrer Stadt sehen. Die Antwort: der Stern. Zu den Architektenvorschlägen gab es dann heiße Diskussionen. Viele Leute haben sich eingebracht. Das war gut. Das heutige Ergebnis kann sich sehen lassen.

In welchen Quartieren sehen Sie in nächster Zukunft die größten Probleme auf uns zukommen?

Wenn die Stadt sich mit Rückbau unter Berücksichtigung des demografischen Wandels befasst, dann wird man sich meiner Meinung nach mit dem Allende-Viertel beschäftigen müssen. Dort haben wir zwei Eigentümer, die Wohnungsbaugesellschaft und die Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom". Ich bin davon überzeugt, dass die Stadt steuernd eingreifen muss, natürlich immer unter Beachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse beider Eigentümer und der berechtigten Interessen der Bewohner.

Ein kurzes Wort noch zur A 14. Über Jahre haben Sie aus Wittenberger Sicht die Trassenfindung begleitet, halten die jetzige Lösung, die schnelle Piste so dicht an der Stadt entlang zu führen, nicht für optimal, wenn es um die Entwicklungsmöglichkeiten für Wittenberge geht.

Das stimmt. Acht Jahre beschäftigt uns jetzt die Verlängerung der A 14. Ich bin davon überzeugt, dass die Autobahn kommt. Wann genau hier bei Wittenberge, will ich nicht bewerten. Denn noch ist ja wegen naturschutzrechtlicher Belange nicht klar, wie die Linien- bzw. die Trassenführung im Raum Lindenberg und vor allem Bentwisch verlaufen soll. Ich persönlich wünsche den Bentwischern, dass es bei der derzeitigen Trasse bleibt. Ansonsten wären die Belastungen für die Siedlungen dort und das Dorf riesig.

Außerdem müssen die Stadt und die Abgeordneten die Dammlage und den Lärmschutz im Auge behalten. Es geht um die Belastung für die Wittenberger.

Sie sind kein Wittenberger, haben sich aber über Jahrzehnte für die Stadt engagiert....

Ich bin gebürtiger Prignitzer, stamme aus Boberow. Als ich nach dem Studium nach Wittenberge sollte, habe ich das fast als Strafversetzung empfunden.

Ich glaubte, dass man in Städten wie Schwerin oder auch Potsdam leben sollte. Das hat sich total gewandelt. Ich bin mit Leib und Seele Wittenberger, bleibe in der Stadt, bin hier angekommen. Die Elbe würde mir am meisten fehlen.

Vielen Dank für das Gespräch

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