Rohstoff ist begehrte Ware von Langfingern : Holzdiebe meiden die Prignitz

Wer in der Prignitz Holz aus den Wäldern holt, handelt zumeist legal. Diebstähle in größerem Umfang sind im Kreis selten.
Wer in der Prignitz Holz aus den Wäldern holt, handelt zumeist legal. Diebstähle in größerem Umfang sind im Kreis selten.

Der heimische Kamin bietet die günstigere Alternative zum Heizen. Doch das treibt die Preise nach oben und lockt Diebe an. In der Prignitz ist die Situation jedoch entspannt. Professionellen Langfingern fehlt der nahe Autobahnanschluss zum schnellen Abtransport des Diebesgutes.

svz.de von
10. Dezember 2013, 00:37 Uhr

Die ersten Nachtfröste, am Wochenende der erste Schnee – die Heizsaison hat begonnen. Um die eigene Wohnung mollig warm zu halten, müssen Prignitzer ihre Heizungen aufdrehen. Viele von ihnen mit einem flauen Gefühl im Magen, schließlich sind die Kosten für Öl und Gas in den letzten Jahren förmlich explodiert. Im Vorteil sind diejenigen, die mit Holz heizen. Das treibt die Preise nach oben, lockt Diebe an. In der Prignitz ist die Situation jedoch entspannt.

Der heimische Kamin bietet die günstigere Alternative. Zu ihm kehren immer mehr Menschen zurück, was die Nachfrage nach Holz und damit auch seinen Preis erhöht. Bundesweit hat diese Entwicklung zuletzt zu einem massiven Anstieg der Meldungen über Forstdiebstahl geführt. Der Rohstoff Holz ist zur begehrten Ware von Langfingern geworden.

Nicht so im Landkreis Prignitz. Hier ist die Zahl der Diebstähle sogar leicht rückläufig, wie die Polizeiinspektion Prignitz auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Im ersten Halbjahr dieses Jahr registrierte sie lediglich sechs Fälle von Holzdiebstahl. Im gesamten Jahr 2012 zählte sie noch 22 solcher Anzeigen.

„Es handelt sich um keinen besonderen Schwerpunkt in der Prignitz“, sagt Pressesprecher Toralf Reinhardt. Zu einem ähnlichen Fazit kommt Holger Galonska, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz. Er bewirtschaftet in der Prignitz 5 500 Hektar Waldfläche und vermarktet jährlich 50 000 Kubikmeter Holz. „Es kommt im Kleinmaße vor, dass sich Leute mal den Kofferraum befüllen. Mit ganzen Lkw kommen sie aber nicht“, erklärt er. Dies liege insbesondere an der dezentralen Lage des Landkreises. Die professionellen Diebe seien bei ihren Beutezügen auf die Nähe zur Autobahn und dem Ausland angewiesen.

Präventiv lasse sich gegen sie jedoch kaum vorgehen. „Man erwischt sie nie auf frischer Tat“, so Carsten Sander, Oberförster aus Gadow. Auch die anschließenden polizeilichen Ermittlungen gestalteten sich schwierig. Die Aufklärungsquote von Holzdiebstählen lag im vergangenen Jahr unter 30 Prozent. „Das Holz wird in der Regel zeitnah weiterverarbeitet oder verwertet. Daher ist eine zweifelsfreie Zuordnung nur selten beziehungsweise gar nicht mehr möglich“, erklärt Toralf Reinhardt.

Bei der Aufklärung helfen könnten Wildkameras, die in den Wäldern der Prignitz installiert wurden. „Sie machen alle 30 Sekunden ein Bild und sind so eingestellt, dass sie dabei auch den Wald erfassen“, berichtet Holger Galonska. Eigentlich als Fotofalle für die Tiere gedacht, würden sie mögliche Diebe ablichten können.

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