Hohe Warnstufe in den Forsten

Dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehren blieben die Schäden durch Waldbrände in den vergangenen Jahren gering.
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Dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehren blieben die Schäden durch Waldbrände in den vergangenen Jahren gering.

Waldbrandrisiko durch anhaltende Trockenheit und Wind hoch / Fünf Überwachungskameras im Kreis / Feuerwehren gut gewappnet

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10. Juni 2015, 22:00 Uhr

Hohe Temperaturen, kaum Niederschlag und örtlich eine steife Brise – unter diesen Bedingungen reicht eine aus dem Auto geworfene Zigarettenkippe, um ein Inferno zu verursachen. Seit Tagen gilt auch im Landkreis Prignitz die höchste Waldbrandwarnstufe 5.

„Das im vergangenen Jahr eingeführt neue System der Waldbrandwarnstufen hat für uns als Feuerwehren keine direkten Auswirkungen“, sagt Volker Lehmann, stellvertretender Kreisbrandmeister. Neu sei, dass die Stufen bisher zumeist sukzessive erhöht oder abgesenkt wurden, jetzt mitunter Stufen übersprungen würden. „Früher reichte die Skala von 0 bis 4, heute von 1 bis 5. Und da unsere Wehren ohnehin permanent in Bereitschaft sind, können wir auch bei Waldbränden schnell reagieren.“

Tatsächlich haben weder die Feuerwehren noch die Forstverwaltung Einfluss auf die aktuellen Waldbrandwarnstufen. „Verantwortlich ist der Deutsche Wetterdienst“, erklärt Hans-Ulrich Seifert, Leiter der Oberförsterei Bad Wilsnack. „Die Berechnung erfolgt auf der Grundlage stündlicher Zeitreihen. Dabei werden die variable Lufttemperatur, relative Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsrate bzw. Schneemenge sowie die kurz- und langwellige Strahlung der Atmosphäre nach bestimmten Formeln zusammen gebracht und daraus die Waldbrandwarnstufe errechnet“, erklärt Seifert.

Bislang dienten die Daten der Wetterstation Marnitz, gelegen im Südosten des Landkreises Ludwigslust-Parchim, als Grundlage. Seit diesem Jahr fließen zusätzlich die Daten der Stationen Lenzen, Seehausen und Kyritz in die Berechnungen des Wetterdienstes für die Prignitz ein.

In den Wäldern des Landkreises, die mit 49  500 Hektar knapp ein Viertel des gesamten Territoriums ausmachen, brannte es in den vergangenen Jahren trotz regelmäßiger Trockenperioden nur selten. „2012 waren es vier Brände mit 1,28 Hektar Flächenverlust, 2013 fünf Brände mit 0,29 Hektar und 2014 drei Brände mit 0,07 Hektar Flächenverlust“, sagt Förster Seifert. 2015 habe es bislang nur einen Waldbrand gegeben. Insbesondere das schnelle Erkennen der Feuer und ihre effektive Bekämpfung durch Wehren habe die Schäden gering gehalten.

Was die Feuerüberwachung angeht, ist der Landkreis an das Waldbrandfrüherkennungssystem „Fire Watch“ angeschlossen. In ganz Brandenburg überwachen 109 spezielle Kameras die insgesamt 1,1 Millionen Hektar Wald. Fünf Kameras sind in der Prignitz stationiert, und zwar in Meyenburg, Tüchen, Roddan, Kuhblank und Nausdorf. „Ihre Reichweite beträgt rund 10 bis 15 Kilometer. Die Auswertung erfolgt am Kamerastandort in Karnzow durch geschulte Waldarbeiter des Landesforstbetriebes“, erklärt Hans-Ulrich Seifert.

Auf der Internetseite des Landesbetriebes heißt es, jede Kamera nehme in sechs Minuten einen vollständigen Rundumblick. Die Sensoren erkennen die typischen Grauwerte einer Rauchwolke in der Frühphase eines Waldbrandes, detektieren automatisch kritische Situation und senden online einen Alarm an die nächste Waldbrandzentrale. Dort erfolgt eine erneute Prüfung durch Forstmitarbeiter, bevor die Meldung an die Leitstellen der Feuerwehren weitergeleitet wird.

Müssen die Feuerwehren tatsächlich ausrücken, sei die Prignitz gut aufgestellt, wie Volker Lehmann beruhigt. „Wir haben an insgesamt 50 Standorten mehr als 60 wasserführende Fahrzeuge mit je 500 bis 9000 Litern Löschwasser stationiert, können alles in allem rund 110  000 Liter an die Brandherde bringen, bevor eine Wasserversorgung aufgebaut ist“, so der stellvertretende Kreisbrandmeister weiter. Auch durch den zunehmenden Ersatz der meist geländegängigen DDR-Löschfahrzeuge wie W50 und Robur LO sei bei Waldbränden nicht mit Problemen zu rechnen. „Auch viele modernere Fahrzeuge sind geländegängig, und ein Teil der Waldwege ist gut genug ausgebaut, um auch Fahrzeuge mit Straßenfahrwerk einzusetzen.“

Reichten die eigenen Kräfte nicht aus, würden Wehren aus benachbarten Kreisen angefordert und das Aufgebot gegebenenfalls um Bundeswehr und Bundespolizei, die aus der Luft Hilfe leisten können, ergänzt. „Dazu gibt es regelmäßig Übungen. Wir sind also gut vorbereitet“, so Lehmann.

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