Diskussion um Brunnenwasser : Hohe Nitratwerte in den Brunnen

Harald Gülzow (r.) im Gespräch mit einer Brunnennutzerin
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Harald Gülzow (r.) im Gespräch mit einer Brunnennutzerin

In vielen Prignitzer Brunnen werden die Grenzwerte laut Analysen des Verein VSR-Gewässerschutz deutlich überschritten

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06. August 2016, 04:45 Uhr

Brunnenwasser in der Prignitz weist oftmals eine zu hohe Nitratkonzentration auf. Das hat eine Untersuchung des Vereins VSR-Gewässerschutz aus dem nordrhein-westfälischen Geldern ergeben. Im Juni machte dessen Labormobil Station in der Prignitz. Einwohner gaben Wasserproben ihrer heimischen Brauchwasserbrunnen zur Bestimmung durch das Mobilteam ab (wir berichteten). Nun liegen die Ergebnisse vor und der Verein warnt.

Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 54 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge analysiert. In jeder siebten untersuchten Probe habe dabei die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen, teilt Harald Gülzow, Sprecher des Vereins, mit.

Der Verein fand bei der Untersuchung zum Beispiel 133 Milligramm Nitrat pro Liter in der Probe aus einem privat genutzten Brunnen in Schmolde (Meyenburg). Weitere mit Nitraten belastete Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Perleberg mit 72 Milligramm pro Liter (mg/l), in Neuhausen (Berge) mit 110 mg/l, in Karstädt mit 119 mg/l, in Laaslich mit 70 mg/l und in Wootz-Kietz mit 114 mg/l fest. Laut Gülzow schränken solche Konzentrationen die Nutzung des Wassers stark ein. „Besonders wichtig ist, dass derart belastetes Wasser nicht mehr zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser muss man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt“, meint Gülzow. Hauptverursacher ist nach Ansicht der VSR der Düngemittel-Eintrag durch die Landwirtschaft. Dringend sei daher eine Düngeverordnung nötig, um die Belastungen in der Region schnellstmöglich zu verringern.

Gefahr für das Trinkwasser bestehe nicht. Die Ergebnisse als Warnsignal für eine sinnvolle und nachhaltige Landwirtschaft zu betrachten, findet Bernd Lindow, Sachbereichsleiter Natur- und Gewässerschutz des Landkreises, zwar durchaus plausibel. Um einer falschen Panikmache zu entgehen, müssen man sich jedoch ansehen, was mit dem Brunnenwasser gemeint ist. Ein Glas Brunnenwasser schade sicher nicht, aber es sei insgesamt nicht zum Verzehr geeignet. „Bei diesen Haus- und Gartenbrunnen handelt es sich vermutlich um solche, die nicht zur Trinkwasserversorgung dienen sollen und dürfen. Es gibt einen Anschluss- und Benutzungszwang, der besagt, dass man sein Trinkwasser aus dem Hauptnetz nehmen muss“, so Lindow. In der Prignitz sind 99 Prozent aller Haushalte angeschlosse. Dass Brauchwasserbrunnen ein Problem mit Nitraten bekommen können, liege daran, dass sie sehr flach sind. Das Wasser werde aus maximal acht Metern Tiefe gefördert. Ein Nitrateintrag durch das Oberflächenwasser bilde sich in diesen geringen Tiefen relativ schnell ab.

„In den eigentlichen Trinkwasserbrunnen der Prignitz hingegen wird aus Tiefen von 20 bis 80 Metern gefördert. Das sind bedeckte Grundwasserleiter, da befinden sich Sperrschichten wie Ton und Lehm drüber, die von dem Sickerwasser nicht durchdrungen werden“, erklärt Lindow. Daher seien die Nitratwerte im öffentlichen Trinkwassernetz immer ein Vielfaches unter dem Grenzwert.

Dass die Nitrate in Gartenbrunnen aus der aktuellen Landwirtschaft stammen, sei zudem nicht ausgemacht. „Es kann auch vom eigenen Grundstück kommen. Wenn ich heute den Garten dünge, ist das Nitrat nicht morgen im Grundwasserleiter. Die Einträge haben diffuse Ursachen und es handelt sich um Langzeiteffekte. Aktuelle Nitratwerte können auch noch Auswirkungen aus der durchaus intensiven Landwirtschaft zu DDR-Zeiten sein“, meint Lindow. Denn während sich die Nitrate - die eigentlich wichtige Nährstoffe für Pflanzen sind - bei einer Algenblüte im Teich abbauen, können sie sich in tieferen Erdschichten dauerhaft anreichern.

Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Prignitz, sieht schon auf Basis bestehender Vorschriften und aus ökonomischen Gründen nicht, dass Landwirte absichtlich zu viel düngen und ergänzt: „Sicherlich steuern wir dagegen, wenn zu hohe Nitratwerte bekannt sind. Mit den Düngemitteln wird aber verantwortungsvoll umgegangen. Da gibt es Bestimmungen, zum Beispiel wie weit entfernt von Gräben gedüngt werden darf. Das wird protokolliert und ist auch nachweisbar“, so Stettin.

Wer den Termin des Labormobils verpasst hat, kann dem Verein eine Brunnenwasser-Probe auch per Post zuschicken. Informationen zu dem genauen Verfahren gibt es auf der Homepage www.vsr-gewaesserschutz.de.

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