Gerichtsurteil : Hohe Geldstrafe wegen Beleidigung

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Pritzwalker muss wegen rassistischer Äußerungen gegen eine junge Frau 1350 Euro zahlen

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22. September 2015, 08:00 Uhr

„Es tut mir leid. Wenn ich etwas Falsches gesagt habe, tut es mir Leid.“ In jedem zweiten Satz beteuerte Andre D. gestern im Perleberger Amtsgericht, dass seine Äußerungen gegenüber der 23-jährigen Deutsch-Marokkanerin Hanane K. im Alkoholrausch und nicht wegen einer ausländerfeindlichen Einstellung gefallen seien.

Der Fall: Am 1. September steigt Hanane K. um 20 Uhr in Wittenberge in den Zug, um nach Pritzwalk zur Arbeit zu fahren. Im Abteil sitzt auch der arbeitslose Andre D., er ist angetrunken. Als die junge Frau ein Telefongespräch mit einer Freundin beginnt, das die Frauen zum Teil auf arabisch führen, fühlt sich Andre D. dadurch gestört. Er selbst will sich an das, was er darauf hin sagt, nicht mehr erinnern können. Das Opfer hingegen beschreibt im Zeugenstand detailliert, was vor sich ging.

„Ich habe leise telefoniert, ab und zu gelacht“, sagt Hanane K. sichtlich bewegt von der Erinnerung an die Ereignisse. „Er sagte daraufhin, dass geht ihm auf die Eier, die Ausländer würden den Deutschen die Wohnung und die Arbeitsplätze wegnehmen, bekommen alles in den Hintern gesteckt.“ Danach sei er anzüglich geworden, habe sie zu sexuellen Handlungen aufgefordert. „Wir steigen ja nachher zusammen aus, da werde ich dich vergewaltigen, hat er dann gesagt. Von da an hatte ich richtig Angst, immerhin sind es vom Pritzwalker Bahnhof bis zu meiner Arbeit im Krankenhaus rund 15 Minuten Fußweg, und draußen war es dunkel.“

In Groß Pankow schaltet sich schließlich eine Schaffnerin ein, die Andre D. mehrfach auffordert, seine Füße von den Sitzen zu nehmen und sich daraufhin ebenfalls Beleidigungen anhören muss, wie der Vorsitzende Richter Manfred Weidemann den Polizeiprotokollen entnimmt. Nach deren Drohung, die Polizei zu rufen, soll der Angeklagte das Abteil gewechselt haben.

Am Ende ihrer Aussage wird Hanane K. vom Täter unter Tränen um Verzeihung gebeten. „Woher weiß ich denn, dass Sie so etwas das nächste Mal im Rausch nicht wieder tun?“, fragt sie, nimmt die Entschuldigung aber zumindest pro forma an.

Richter Weidemann greift die Frage des Opfers auf und zitiert aus D.’s Strafakte: Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung wegen gemeinschaftlichen Raubes 2007, Geldstrafe wegen versuchter Körperverletzung 2013. „Auch damals haben Sie gesagt, es tut Ihnen leid“, bemerkt Weidemann. „Wer soll Ihnen das den noch glauben?“

Schließlich lenkt der Richter die Aufmerksamkeit auf den Alkoholkonsum des Angeklagten. Der gibt zu, auch vor der Verhandlung getrunken zu haben. „Ich wollte mir Mut antrinken.“ Die fehlenden Erinnerungen an den Tattag zieht Richter Weidemann in Zweifel. „Sie sind mit 2,42 Promille zum Bahnhof gelaufen, ohne hinzufallen, Sie haben das Opfer als Ausländerin identifiziert und auf dessen Antwort, sie sei Deutsche, gekontert, dass sie nicht blond und blauäugig sei. Als sich die Schaffnerin einschaltete, sind Sie von sich aus in ein anderes Abteil gegangen, weil Ihnen ihr Verhalten bewusst war.“

Staatsanwalt Torsten Lowitsch macht in seinem Plädoyer dem Angeklagten in aller Schärfe klar, dass er mit der Beleidigung am Rande der Volksverhetzung in Tateinheit mit der Drohung einer Vergewaltigung haarscharf an einer Freiheitsstrafe vorbeigeschrammt sei und forderte 2400 Euro Geldstrafe. Der Richter blieb mit 1350 Euro Strafe darunter und hielt dem Angeklagten moralisch den Spiegel vor.

„Was haben Sie erreicht? Abgebrochene Ausbildung, keine feste Arbeit, Alkohol bereits am Vormittag. Die junge Dame hier ist nach Deutschland gekommen, hat die Sprache gelernt, eine Ausbildung abgeschlossen. Sie hat nichts geschenkt bekommen und Ihnen ganz sicher nicht den Arbeitsplatz weggenommen. Und nur, weil Sie Ihrer Aussage nach in der Schule und in der Ausbildung gemobbt wurden, haben Sie nicht das Recht, andere zu mobben. “ Das Urteil ist rechtskräftig.  

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