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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 00:34 Uhr

Bad Wilsnack : Hoch zu Ross in die Kurstadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Andreas Fritz Frädrich pilgerte mit seiner Stute Marika zur Wunderblutkirche

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Als Ende August der Hauptzug zum 12. Pilgerfest durch Bad Wilsnack startete, war zum ersten Mal ein Pferd mit dabei (wir berichteten). Dessen Besitzer, der gelernte Journalist und Pferdewirt Andreas Frädrich, leitet den kleinen Schlossreitstall in Berlin-Tegel und ist zum ersten Mal in die Kurstadt gepilgert.

Durch Zufall erfuhr der 46-Jährige von der im Mittelalter sehr bedeutsamen Route von der Berliner Marienkirche zur Wunderblutkirche. Dann fand er heraus, dass der Garten des Schlosses, in dem er arbeitet, genau auf der ursprünglichen Strecke liegen müsse. „Man fühlt sich wie ein kleiner Geschichtsforscher. Den Jakobsweg kennt jeder. Dieser aber ist nicht so bekannt. Ich fand es konsequent, die Verbindung mit dem Pferd auszuprobieren.“

Die 120-Kilometer-Tour, die auf eine Woche angelegt war, habe viel Vorbereitungszeit benötigt, so Frädrich. So müsse man die Tagesetappen von ca. 20 bis 30 Kilometern gut planen, damit das Pferd am Abend eine passende Anlaufstation mit Stall bekommt. Zudem wollte er punktgenau zum Pilgerfest ankommen. Auf seiner mit 22 Jahren sehr betagten Holsteiner Stute Marika ist er dabei kaum wirklich geritten: „Ich habe Marika oft geführt und bin den Großteil der Strecke zu Fuß nebenher gelaufen. Das Schlimmste waren die Blasen an den Füßen.“

Dafür spielte das Wetter mit. Noch eine Woche zuvor herrschten Temperaturen um die 35 Grad, das sei unzumutbar für Mensch und Tier. Frädrich schwärmt viel von seinen Erlebnissen auf dem Pilgerpfad, aber auch einiges zum Schmunzeln war dabei. Besonders im sogenannten „Luch“ zwischen Kremmen, Linum und Fehrbellin sei das Mobilfunknetz immer wieder ausgefallen. In der Stille sprach er öfters mit seiner tierischen Begleiterin. „Um ihr Mut zuzusprechen, aber auch, um mich nicht so einsam zu fühlen.“

Die Rückreise war für Ross und Reiter dann deutlich entspannter. Im Auto samt Pferdeanhänger ging es nach dem Pilgerfest zurück nach Berlin. Marika habe danach übrigens zwei Wochen Urlaub bekommen.

Pferde sind nicht nur seine Leidenschaft, sondern seit langem auch sein Beruf. Vor zwei Jahren gab Andreas Fritz Frädrich ein Buch mit dem Titel „EssParcour“ heraus. Darin verraten professionelle Reitsportler ihre liebsten Kochrezepte. Seit einigen Jahren ist er zudem ehrenamtlich tätig als Landesbeauftragter im Kuratorium für therapeutisches Reiten, darf in Berlin und Brandenburg sogar Betriebe zertifizieren, die Pferde-Therapien anbieten wollen.

Obwohl Frädrich sich durchaus in der christlichen Kultur verwurzelt sieht wie er sagt, habe der spirituelle Aspekt
bei seiner Pilgerreise nicht im Vordergrund gestanden. Ursprünglich war es rein als Experiment mit offenem Ausgang geplant. Nun ist der Wahl-Berliner sehr positiv überrascht. „Es gibt wirklich tolle Ecken in Brandenburg. Die Strecke ist meines Erachtens einmalig in Deutschland. Ideal, um Verlangsamung in unserer hektischen Zeit zu finden.“ Inzwischen hat er an seinem Berliner Reitstall einen Hinweis auf den Pfad angebracht und Flyer ausgelegt. Andreas Fritz Frädrich möchte auch andere Menschen für diese Art des Pilgerns begeistern und hilft Interessenten gerne, mit seinen neu gewonnenen Erfahrungen unter Tel. 030/20054050 weiter.

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