Dampfwochenende in Wittenberge : Historische Loks im Blickwinkel

Beliebt bei Eisenbahnenthusiasten: In der Fotostunde werden die alten Dampf- und Dieselloks so arrangiert, dass ein Super-Motiv herauskommt.
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Beliebt bei Eisenbahnenthusiasten: In der Fotostunde werden die alten Dampf- und Dieselloks so arrangiert, dass ein Super-Motiv herauskommt.

Erstmals in diesem Jahr öffnete der Lokschuppen in Wittenberge seine Tore und zog wieder Hunderte Besucher an.

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07. Mai 2017, 21:00 Uhr

Tender an Tender, die ein oder andere Dampflok unter den Wasserkran gefahren und befüllt oder unter das Schild „Lokdienstleistung gestellt – beliebte Motive, die die Enthusiasten bei der Fotostunde am frühen Sonnabendabend in ihren Blickwinkel nehmen wollten. Und die Vereinsmitglieder des Historischen Lokschuppens Wittenberge/ Dampflokfreunde Salzwedel e. V. kamen jeder Bitte nach. „Vor vier Jahren habe ich schon mal hier eine Fotostunde mitgemacht. Das ist eine tolle Sache“, sagt Joachim Möller und ergänzt: „Ich war selbst bis 1993 Eisenbahner. Es ist immer noch ein Hobby von mir.“ Genauso wie bei Christian Gorecki aus Magdeburg. „Ich war schon öfter hier im Lokschuppen. Man fährt gern die 120 Kilometer, so kann man den Verein auch unterstützen. Was in Wittenberge im Lokschuppen auf die Beine gestellt wird, ist beachtlich“, so Gorecki, der genauso gern wie die anderen Teilnehmer den Obolus für die Fotostunde bezahlte.

Doch genauso zückten die Hunderten Besucher an den beiden Tagen immer wieder ihre Kamera. Die historischen Gefährte – besonders die unter Dampf – sind immer wieder ein beliebtes Motiv. Doch da kann schon mal jemand vor die Linse laufen. Das gehört dazu wie auch das altbewährte Rahmenprogramm mit Führerstandsmitfahrt, Führung durch das Museum uvm. Erstmals stellte der Kanichenzuchtverein Wittenberge aus, was besonders die jungen Besucher anlockte.

Interessantes erfuhr man im ausgedienten Lazarettzug K14. Seit 1995 sind die drei Wagen – Maschinen-, Küchen- und OP-Wagen, im Besitz des Vereins. Björn Strähle hat dabei den Hut auf. „Dieser Wagen ist mein Hobby. Da gehört schon ein bisschen Irrsinn dazu“, meint er lachend. Insgesamt hatte die DDR 14 solcher Züge bis Ende der 70er Jahre bauen lassen. Der hier in Wittenberge steht, ist der letzte damals hergestellte. „Man erfährt viel über die technischen Daten. Aber wann oder wo er eingesetzt war, ist schwer herauszufinden. Das unterlag damals alles der Geheimhaltung und auch heute noch sagt dazu keiner was“, weiß Strähle, der viel recherchiert hat. Eines weiß das Vereinsmitglied aber: „Dieser Lazarettzug war in Jerichow stationiert.“ Und wenn man sich das Innere ansieht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Im Maschinenwagen stehen zwei Dieselaggregate, die voll betriebsfähig sind. Der Küchenwagen ist mit großen Kochmulden, Herd, Schränken, Spüle, selbst eine alte Kartoffelschälmaschine steht noch drin, Kühlräume mit fünf Kubikmeter Fassungsvermögen und einem 6000 Liter Wassertank ausgestattet. Im OP-Wagen ist zum Beispiel noch das originale Narkosegerät vorhanden. Ebenso war der Lazarettzug mit einer Heizung und Kohlekessel ausgestattet. „Diese Züge waren so konzipiert, dass man sie irgendwo im Wald abstellen konnte und die Leute sich komplett versorgen konnten ohne auf Hilfe von außen angewiesen zu sein“, weiß Björn Strähle zu berichten genauso wie, dass diese Züge unter der Befehlshoheit der sowjetischen Streitkräfte standen.

Eine interessante Geschichte, wie jedes der Dampf- und Dieselgefährte im Lokschuppen eine hat. Wer am Wochenende keine Gelegenheit hatte, dem bieten sich in diesem Jahr noch zwei Möglichkeiten: Im Juli und im Oktober. „Genaue Planungen dafür haben wir noch nicht. Aber wir werden sicher noch mal eine Hafenausfahrt machen“, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende Dennis Kathke. Er berichtet auch, dass der Verein in diesem Jahr sein Vorhaben mit der zweiten Drehscheibe auf dem Gelände voranbringen will. „Sie muss gereinigt, gestrahlt werden. Vielleicht müssen noch die Brückenträger aufgearbeitet werden. Wir arbeiten da mit der Landeseisenbahnaufsicht zusammen.

Es ist alles finanziell ein großer Aufwand“, so Kathke, der derzeit noch nicht einschätzen kann, wann die Arbeiten an der zweiten Drehscheibe abgeschlossen sein könnten.

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