Tag des offenen Denkmals : Historie zum Anfassen

Unter dem Dach des großen Speichers erklärt Wittenberges Bauamtsleiter Martin Hahn den zahlreichen Besuchern die Einbauten und die Schritte der Gebäudesicherung.  Fotos: Lars Reinhold
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Unter dem Dach des großen Speichers erklärt Wittenberges Bauamtsleiter Martin Hahn den zahlreichen Besuchern die Einbauten und die Schritte der Gebäudesicherung. Fotos: Lars Reinhold

Hunderte Besucher wandeln im Lokschuppen und in den Hafenspeichern auf den Spuren der Industriegeschichte

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14. September 2015, 08:00 Uhr

„Wie hoch befinden wir uns denn hier über der Erde?“ – „Das dürften etwa 25 bis 30 Meter sein.“ „Welchen Durchmesser haben denn die Silos?“ „Im großen Speicher an die zwei Meter, im mittleren sind es an die sechs Meter.“

Die vielen Fragen, die Wittenberges Bauamtsleiter Martin Hahn gestern bei den Führungen durch die Wittenberger Hafenspeicher, die zum Tag des offenen Denkmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden waren, beantworten musste, zeugten vom großen Interesse an den Bauten.

„Wir sind überrascht und erfreut, dass so viele Prignitzer gekommen sind und sich informieren“, sagte Hahn und verwies auf die Bedeutung des Ensembles in Städtebaulicher Hinsicht. Allerdings sprach er in seinen Führungen auch die Problematik der künftigen Nutzung an. „Durch die Siloeinbauten, die auch statische Funktionen haben und nicht ohne Weiteres entfernt werden können, ist eine Nutzung wie bei einem normalen Wohn- oder Wirtschaftsgebäude schwierig, aber wir haben da akut auch keine Not, denn die Speicher sind baulich gesichert und können so zunächst als technisches Baudenkmal dienen.“ „Das ist schon toll, wenn man mal solche Einblicke in diese Gebäude bekommt“, Nicole Voß, als sie sich die technischen Einrichtungen unter dem Dach anschaut.

Ihre Mutter Sigrid Krüger hingegen kennt die Speicher noch aus ihrer aktiven Zeit. „Ich habe hier im Verkauf gearbeitet, und zu DDR-Zeiten ging ein großer Teil des Getreides, Tatsache, nach Elmshorn, in Wittenberges Partnerstadt“, berichtet sie. „Es ist schon schön zu sehen, dass so ein Stück Geschichte für Generationen erhalten bleibt.“ Die Generationenarbeit im Denkmalschutz würdigte auch Karsten Korup, Vorsitzender der Wittenberger Stadtverordnetenversammlung, bei der Eröffnung des Denkmaltages im historischen Lokschuppen. Dabei zitierte er den Gründer der deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, mit den Worten „Denkmalschutz ist Dank an die Vergangenheit, Freude an der Gegenwart und Geschenk an die Zukunft.“ Korup würdigte das Engagement von Vereinen, Bauherren und Verwaltung, Denkmale nicht nur zu bewahren, sondern auch einer neuen Nutzung zuzuführen und verwies auf den historischen Lokschuppen als beispielhaftes Projekt. „Ein Projekt, dass über die Region ausstrahlt und vielen Wittenbergern, besonders denen, die eins hier bei der Bahn beschäftigt waren, ein Stück Identität und Selbstbewusstsein zurückgegeben hat.“

„Denkmalschutz muss mit der Zeit gehen“, betonte Burkhard Bohn, Vorsitzender der Dampflokfreunde Salzwedel, deren Technik den Lokschuppen füllt. „Die Zeiten, wo Mama und Papa über Ausstellungsstück diskutierten und der Nachwuchs beeindruckt daneben stand, sind vorbei. Heute haben alle ihr Smartphone dabei und wollen interaktiv etwas mitnehmen. Dem müssen wir als Museum uns stellen und – beim allem notwendigen Hang zur Nostalgie – entsprechende Angebote schaffen.“

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