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Weniger Prignitzer krank : Hirndoping im Job greift um sich

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

DAK stellt eigenen Gesundheitsreport 2015 für die Prignitz vor. Seelische Erkrankungen werden zu immer größerem Problem

In der Prignitz waren 2014 weniger Menschen krankgeschrieben als noch ein Jahr zuvor. Laut DAK-Gesundheitsreport lag der Krankenstand im vergangenen Jahr bei 5,1 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als noch 2013.

Trotz dieses Rückgangs bestehe aber kein Grund zur Freude. „Die Prignitz liegt deutlich über dem Bundestrend. Hier lag der Krankenstand 2014 bei 3,9 Prozent“, sagte DAK-Prignitz-Chef Benjamin Wiersch gestern in Perleberg.

Generell beobachte die DAK seit Jahren ein Gefälle zwischen Ost und West. Lag der Krankenstand in den östlichen Bundesländern im vergangenen Jahr bei 4,8 Prozent, rangierte dieser im Westen bei 3,8 Prozent. Ursächlich für diese gegensätzliche Entwicklung sei zum einen eine divergierende Wirtschaftsstruktur. Im Osten gebe es mehr Arbeiter zum Beispiel im Baugewerbe und in der Logistikbranche als im Westen. Dies führe zu einer stärkeren körperlichen Beanspruchung. Zum anderen gebe es in den neuen Ländern mehr Vollzeitbeschäftigte als im Westen. Dort arbeiten vor allem Frauen in Teilzeit, erklärte Wiersch.

Bezogen auf Krankheitsbilder führten in der Prignitz am häufigsten Probleme des Muskel-Skelett-Systems, Unfallverletzungen sowie psychische Erkrankungen zu Ausfalltagen.

Gerade seelische Störungen nähmen immer mehr zu. „Die Zahl der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen ist im Zeitraum von 2000 bis 2014 um 194 Prozent angestiegen“, betonte Wiersch. Diese Entwicklung habe auch etwas mit dem merklich gestiegenen Arbeitsdruck der vergangenen Jahre zu tun. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement könne dieser Entwicklung entgegenwirken, sagte Wiersch.

Die Untersuchungen zum Report hätten auch noch ein ganz neues Problem zu Tage gefördert – Hirndoping im Job. Arbeitnehmer versuchten mit Hilfe von verschreibungspflichtigen Medikamenten, sich zu mehr Leistung zu pushen oder das psychische Wohlbefinden zu verbessern. „Gemeint ist also der Missbrauch bestimmter Medikamente, die nur zur Therapie spezifischer Krankheiten zugelassen sind“, so Wiersch. In diesen Kreis gehörten Stimulanzien, die im Zusammenhang mit ADHS verabreicht werden, Antidementiva und -depressiva sowie Betablocker.

DAK-Berechnungen gehen davon aus, das fast jeder zehnte Brandenburger Arbeitnehmer schon einmal Hirndoping ausprobiert hat. Das beträfe in etwa 105 000 Märker. Für gut 19 000 Erwerbstätige gehöre der regelmäßige Griff zur Tablette mittlerweile zur Tagesordnung. Am häufigsten würde zu angstlösenden Medikamenten gegriffen. Danach folgten Stimmungsaufheller, Aufputschmittel, blutdrucksenkende Substanzen sowie ADHS-Medikamente wie Ritalin. Zumeist kämen die Arbeitnehmer ganz legal über ihre Hausärzte an die Mittelchen. „Ich kann nur davor warnen.“ Es sei nicht selten, dass Psychosen durch die unkontrollierte Einnahme ausgelöst würden, sagte Benjamin Wiersch.

 

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