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Internationale Archäologenrunde : Hinz-Grab: Korrekt ohne Bäume

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Internationale Expertenrunde formulierte in Seddin eigene Gedanken zum bedeutsamen Königsgrab / Touristische Erschließung geht weiter

von
erstellt am 20.Jun.2014 | 12:00 Uhr

„Wir haben in den vergangenen zehn Jahren viele neue Erkenntnisse über das Königsgrab in Seddin gewonnen, wollen diese nun international auswerten und mit anderen Archäologen teilen“, sagt Jens May, Landesdenkmalpfleger und fast schon in der Prignitz zu Hause. Deshalb trafen sich vorgestern Archäologen vornehmlich aus dem skandinavischen Raum, um sich zum einen über diese Erkenntnisse zu informieren und zum anderen vom Königsgrab und seiner Umgebung selbst ein Bild zu machen.

Christian Christiansen war Landesarchäologe in Dänemark. Heute lehrt er an einer Universität in Göteborg. „Interessant ist, dass der König Hinz zu den ersten Königen gehört, die wir überhaupt hatten. Er ist der Reihe der nordischen Könige zuzuordnen und man kann sagen, das Seddin der südlichste Außenposten dieser nordischen Könige ist“, sagt Christiansen. In Dänemark habe man festgestellt, dass zum Beispiel in dortigen Königsgräbern gefundene Kleidungsreste aus Österreich und dem Alpenvorland stammen. „Es könnte gut sein, dass König Hinz hier auch die Handelsrouten absichern sollte“, mutmaßt Christiansen. Sicher sei, dass es zwischen den Königen in Deutschland und Skandinavien Allianzen gab, die nicht selten durch Vermählungen besiegelt und gestärkt wurden.

Ortrud Effenberger von der Denkmalbehörde des Landkreises zeigte den internationalen Gästen auf, wie am Beispiel Seddin Landkreis, Denkmalpflege und Tourismusverband gemeinsam mit der Gemeinde versuchen, das Königsgrab Seddin touristisch zu nutzen und den Besuchern zugänglich zu machen. So wurden bereits einige Bäume entfernt, um den Grabhügel besser sichtbar zu machen. Außerdem wurde ein Rundweg angelegt und eine ganze Reihe Feuerstellen am Rande des Grabhügels ebenerdig sichtbar gemacht. Allerdings gab es auch Kritik von den internationalen Gästen: „So ein Königsgrab sollte ja die Macht des Königs weithin sichtbar demonstrieren. Deshalb müssen im Grund die Bäume vom Königsgrab entfernt werden. Archäologisch korrekt wäre ein komplettes Freilegen des Grabhügels damit er wieder so ein Monument wird, wie er einstmals war“, macht Prof. Christian Christiansen von der Göteborger Universität deutlich. Außerdem, so ergänzt der ehemalige dänische Landesarchäologe, würden die Wurzeln der Bäume das einzigartige Denkmal schädigen. „Diese Grabhügel sind auch im skandinavischen Raum nicht bewaldet. Früher wurden sie mit Schafen beweidet, um keinen hohen Bewuchs wie Bäume aufkommen zu lassen. Das hatte unter anderem zur Folge, dass sich hier auch ganz alte Pflanzenarten halten und vermehren konnten, die es sonst nirgends mehr gab. Sozusagen archäologischer Bewuchs“, erklärt Christiansen.

Nach neuesten Erkenntnissen, erläuterte Landesarchäologe Jens May, habe man herausgefunden, dass der Grabhügel selbst wie eine Torte aufgebaut sei: Schicht für Schicht habe man hier große Feldsteine und Sand übereinander gestapelt. Man müsse dabei davon ausgehen, dass der Grabhügel ursprünglich mindestens 150 Zentimeter höher war.

Die Gemeinde Groß Pankow werde gemeinsam mit dem Landkreis und der Denkmalpflege das Königsgrab Seddin weiter touristisch entwickeln, erklärt Halldor Lugowski von der Groß Pankower Gemeindeverwaltung. So soll neben dem geschaffenen Rundweg und Granitbänken eine Audiosäule über da Königsgrab informieren, außerdem seien Erläuterungstafeln geplant. Überdies soll der Ort Seddin direkt an das Königsgrab angebunden und zusätzlich an der Stepenitz eine Anlegestelle für Kanufahrer geschaffen werden. Neben dem Königsgrab möchte man gern in Form eines Gittergestelles das Ausmaß des Königsgrabes und auch sein Innenleben als begehbaren Grabhügel darstellen, so Lugowski. In der Runde betonten die Archäologen aus den skandinavischen Ländern noch einmal, wie bedeutend dieses Königsgrab für den nordischen Kulturkreis sei und sich nahtlos in die Reihe der Königsgräber dort integriere.


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