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Prignitzer Tafeln : Hilferuf der Tafel: Brauchen alles

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Asylbewerber machen allein schon 121 Bedarfsgemeinschaften in Perleberg aus / Verständigung ist das größte Problem

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 08:00 Uhr

„Nur mit Eisbergsalat retten wir auch nicht die Welt.“ Resignation klingt aus den Worten von Marlies Müller, Vereinsvorsitzende der Prignitzer Tafeln. „Nein, wir resigniere nicht“, doch ein wenig allein gelassen fühle man sich schon. Inzwischen gibt es allein in Perleberg 121 Bedarfsgemeinschaften nur von Asylbewerbern. Dahinter stehen 241 Erwachsene und 136 Kinder. Und täglich werden es mehr. „Doch wir haben nicht mehr zum Verteilen“, so die Vereinsvorsitzende. Zwischen 50 und 60 Leute stehen täglich vor der Tür, wenn die Lebensmittelausgabe öffnet. Dabei achte man schon darauf, dass Alleinstehende nur zweimal, Paare dreimal die Woche einkaufen können. Einzig Familien können die ganze Woche über sich hier in der Schlange anstellen, sich ein Zubrot abholen – „für mehr reicht unsere Ware gar nicht“, sagt Marlies Müller und deutet auf das fast leere Brotregal. „Dank unserer Bäcker Eichler, Buchholz, der aus Quitzow und einiger Märkte ist das nicht jeden Tag so.“ Aber eben auch nicht die Ausnahme.

Ob Mehl, Zucker, Salz Obst und Gemüse: „Wir brauchen einfach alles“. Entweder Blumenkohl, Porree oder Paprika – es gebe immer nur eins, „weil es einfach nicht für eine Gemüsesuppe reicht“. Etliche Kleingärtner hätten schon Äpfel und anderes Obst vorbei gebracht, was man dankbar abnehme. Für die tafeleigene Küche bleibe da längst so gut wie nichts mehr übrig, alles gehe sofort in die Lebensmittelausgabe.

Was man bis dato noch an Lebensmitteln von der Berliner Tafel bekam, das gehe jetzt in die Erstaufnahmestelle nach Eisenhüttenstadt. „Nur zu verständlich“, betont die Vereinsvorsitzende.

Aber nicht nur Lebensmittel seien alles andere als üppig. „Neulich hatten wir 15 Bratpfannen. Noch am selben Tag waren wir sie alle los.“ Haushaltswaren aller Art, aber eben auch Bekleidung für ganz klein bis XXL werde benötigt. „Wir haben keine Kleiderkammer, aber wollen zumindest mit dem helfen, was möglich ist“, betont Marlies Müller mit Blick auf die kalte Jahreszeit. Und jene, die es bekämen, seien überaus dankbar, ergänzt Gabriele Mebes. Ehrenamtlich leitet sie die Perleberger Tafel.

Bei allen Problemen, das größte sei aber die Verständigung. Aus 15 Ländern kommen die Menschen, die hier vor der Tür stehen. „Zumeist haben sie einen Zettel dabei mit unserer Adresse und das Meldeformular als Asylbewerber, mehr nicht “, berichtet Marlies Müller. Mit Händen und Füßen versuche man sich verständlich zu machen, doch auch das klappt nur bis zu einem gewissen Grad. Insofern setzt sie große Hoffnung darauf, dass jemand bereit ist, ehrenamtlich als Dolmetscher zu fungieren und zumindest über Englisch oder Französisch zu vermitteln. „Auch im Hinblick auf unsere Kinderweihnachtsfeier“, ergänzt die Vereinsvorsitzende. Denn der Nachwuchs jeder Bedarfsgemeinschaft, egal, welche Sprache er spricht, solle dazu eingeladen werden. In diesem Jahr finden diese wieder dezentral statt, in Perleberg im „Stadt Magdeburg“.

Auch in punkto Essen und Kochen gebe es sicher noch viele Berührungspunkte, aber „man muss sie kennen“. Ohne Dolmetscher schwierig.

Auch würde man sich freuen, die Bürgermeisterin mal in der Tafel begrüßen zu können. „Wir sind nicht der Nabel der Welt, auch andere haben viele Probleme, doch bei uns stehen sie täglich vor der Tür“, so die Vereinsvorsitzende.  

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