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Der Prignitzer

25. September 2017 | 04:28 Uhr

Hilfe für das Oderbruch

vom

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2011 | 06:51 Uhr

Bad Freienwalde | Im Oderbruch wird an der Verstärkung des Hochwasserschutzes gearbeitet. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) betonte gestern bei einem Besuch der Region, die jüngsten Hochwasser im Sommer und Winter 2010/2011 hätten gezeigt, dass das Oderbruch noch besser vor Katastrophen geschützt werden müsse.

Der Minister besichtigte unter anderem das Wehr in Hohensaaten. Dort laufen derzeit die Vorbereitungen zum Bau einer Station, auf der im Notfall große Hochleistungspumpen installiert werden können. Über das Wehr wird das Oderbruch entwässert. Bei Hochwasser reicht die Leistung des Wehrs aber nicht aus. So soll künftig bei Bedarf ein System von sieben Pumpen von Spezialfirmen angefordert werden, um Wasser aus dem Oderbruch in die Oder ableiten zu können.

Ingenieur Wolfgang Skor vom Technischen Büro für Wasserwirtschaft betonte, das Wehr Hohensaaten regele die Vorflut für ein mehr als 2000 Quadratkilometer großes Gebiet. Es sei bereits 1913 gebaut worden. Beim Winterhochwasser im Februar flossen über das Wehr nur rund 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Nötig wäre mindestens die doppelte Menge gewesen.

Die höchste Kapazität des Wehrs liegt bei 50 Kubikmeter pro Sekunde. Die Pumpen, die das Wehr künftig in Extremsituationen unterstützen sollen, können noch einmal zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Oderbruch holen. Das Wasser wird dann über große Leitungen in die Oder gepumpt, wo es in Richtung Ostsee abfließen kann.

Außerdem werden im Oderbruch bis 2014 mit einem Aufwand von 14 Millionen Euro die wichtigsten Flutkanäle saniert. Unter anderem wird derzeit der Tornsche See entschlammt. In dem Kanal haben sich in 50 Jahren Schwimm- und Schwebstoffe abgesetzt, wie Burkhard Baer vom Gewässer- und Deichverband Oderbruch erläuterte. So habe das Gewässer kaum noch eine Wirkung als Vorfluter. Deshalb sind am Tornschen See Saugspülbagger im Einsatz, die etwa die Hälfte der rund 40 000 Kubikmeter Schlamm aus dem Kanal holen.

Problematisch ist bei der Sanierung der Kanäle die zum Teil hohe Belastung mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Oderbruch war 1945 einer der Hauptkriegsschauplätze. Allein aus dem mehr als acht Hektar großen Tornschen See hat die Munitionsbergungsfirma UAB aus Frankfurt (Oder) mehr als 300 Stück Munition geholt, bevor die Schlammbagger anrollen konnten, wie UAB-Projektleiter Wolfgang Friedrich schilderte. Auch eine mit mehr als fünf Kilogramm TNT gefüllte Mine sei im Tornschen See entdeckt und unschädlich gemacht worden. In Hohenwutzen soll unterdessen das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr zum Rettungsstützpunkt ausgebaut werden. Leiter Wolfgang Schure sagte, es seien Investitionen von 900 000 Euro geplant. So solle eine beheizbare Halle gebaut werden, in der bei Frost die Sandsäcke gelagert werden können. Außerdem solle ein Zentrum eingerichtet werden, in dem Einsatzkräfte verpflegt werden können. Woidke sagte, das Oderbruch werde künftig besser für Hochwassersituationen gerüstet sein. Das Gebiet brauche die Aufmerksamkeit des Landes. Der Landrat von Märkisch-Oderland fügte hinzu, die Hochwasserplanung sei bereits überarbeitet worden. Das Land unterstütze den Kreis. Es gebe nur noch einen Konflikt mit dem Umweltministerium: "Biber haben unserer Meinung nach nichts in Hochwasserschutzanlagen zu suchen."


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