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Zahnradwerk : Hilfe-Bündnis für Zahnradwerker

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Transfergesellschaft und weitere Partner wollen ehemalige Mitarbeiter der insolventen Firma vermitteln

von
erstellt am 16.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Akademiker, Meister, Konstrukteure, aber auch Facharbeiter, Techniker und Verwaltungsmitarbeiter: Die 56 Angestellten des insolventen Pritzwalker Zahnradwerks, die nun in der Transfergesellschaft betreut werden, kommen aus allen Unternehmensbereichen und Altersstrukturen. „Für uns als Stadtverwaltung ist es wichtig, dass sie nach Möglichkeit auch zukünftig hier in der Region arbeiten können, eine neue Aufgabe in anderen Unternehmen finden und ihren Lebensmittelpunkt mit ihren Familien weiterhin hier in Pritzwalk haben können“, sagt Dr. Ronald Thiel, stellvertretender Pritzwalker Bürgermeister.

Thiel saß mit in der Runde, als die BOB Transfer GmbH aus Essen ihre Pläne und Vorstellungen für den Umgang mit den ehemaligen Mitarbeitern des Zahnradwerkes vorstellte (wir berichteten). „Unsere Aufgabe ist es, zunächst den Leuten zu helfen, den Schock zu verdauen“, sagt deren Geschäftsführer Wolfgang Köbernik. Denn für viele ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie mit dem Problem Arbeitslosigkeit konfrontiert seien.

Finanziert wird die Transfergesellschaft durch das Pritzwalker Zahnradwerk. 250 Euro zahlt das insolvente Unternehmen pro Monat und Mitarbeiter an die Transfergesellschaft, zusätzlich 200 Euro für die Weiterbildung der Mitarbeiter, um sie für einen neuen Job fit zu machen. „Ich möchte nie wieder in meinem Leben in eine solche Situation kommen, um über das Schicksal meiner Kollegen mitentscheiden zu müssen“, sagt Betriebsrat Rüdiger Jach in der Runde. „Sie haben schon einige schlaflose Nächte bei dem Gedanken, wen sie in die Arbeitslosigkeit schicken und wen nicht. Das waren für mich sehr harte Tage und ich drücke meinen Kollegen die Daumen, dass sie einen Neuanfang schaffen werden“, so Jach.

In der Transfergesellschaft werden zunächst Stärken und Schwächen der Mitarbeiter ausgelotet, anschließend soll geprüft werden, in welche Richtung diese sich selbst entwickeln möchten. Unterstützung gibt es dabei von der Agentur für Arbeit. „Wir brauchen Bewerbungstrainings. Die Mitarbeiter sind zum Teil mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Wir müssen ihnen vermitteln, wie sie ihre Stärken und Kompetenzen bei Vorstellungsgesprächen mit potenziellen Arbeitgebern herausstellen und sich selbst empfehlen können“, sagt Ina Kaiser-Hagenow von der Agentur für Arbeit.

Eng ist dabei die Zusammenarbeit mit der Pritzwalker Bildungsgesellschaft, die Schulungen vornehmen wird. „Allein in der Prignitz haben wir im Bereich Metall mehr als 70 offene Stellen. Die Chancen für die 56 Zahnradwerker, eine neue Beschäftigung zu finden, sind also sehr gut“, sagt Kaiser-Hagenow.

Man wolle aber nicht in blinden Aktionismus verfallen, sondern die Menschen gut vorbereitet auf einen neuen Lebensweg schicken. „Uns liegen Nachfragen von Unternehmen vor, ebenso gibt es Anfragen bei der Agentur für Arbeit und der Bildungsgesellschaft. Wir werden in den nächsten Wochen schauen, welcher Deckel auf welchen Topf passt und entsprechend vermitteln. Denn eines wollen wir nicht: Dass die Mitarbeiter bei einem Vorstellungsgespräch ein zweites negatives Erlebnis durchmachen müssen“, sagt Wolfgang Köbernik von der BOB Transfergesellschaft.

Unterdessen sind die Perspektiven für das Zahnradwerk selbst recht gut, sagt Geschäftsführer Maximilian van de Loo. Es gebe Gespräche mit Investoren, die sowohl das Zahnradwerk als auch Pricogear übernehmen wollen. Die Auftragslage sei zunehmend besser, das Vertrauen der Kunden sei immer noch recht hoch und alle Aufträge werden erfüllt, versichert van de Loo. Man hoffe Ende Februar einen Investor präsentieren zu können und so auch den verbliebenen Mitarbeitern eine Perspektive bieten zu können.

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