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Der Prignitzer

22. August 2017 | 09:28 Uhr

Hier sind die Akten gut behütet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stippvisite im neuen Kreisarchiv: Cordula Benzin spricht über private Recherchen, die ältesten Dokumente und Ausbildungschancen

Das vor einer Woche übergebene neue Kreisarchiv in Perleberg zählt zu den modernsten in Brandenburg. Seit 1991 leitet Cordula Benzin das Archiv. „Prignitzer“-Redakteur Hanno Taufenbach sprach mit ihr über vergilbte Akten, Postkarten und über das Erfassen von 62 044 Karteikarten.

Frau Benzin, über wie viele Akten herrschen Sie?

Cordula Benzin: Es sind 2,5 Kilometer laufende Meter. Platz haben wir in den neuen Räumen für sechs Kilometer. Als Archivar freut man sich auch über leere Regale.

Lassen Sie uns aus diesem modernen Büro gedanklich in die Vergangenheit zu Ihrem ersten Arbeitstag reisen. Wie sah das Archiv damals aus.

1991 fing ich als einzige zuständige Mitarbeiterin an und zwar auf dem Dachboden im Haus 8 in der Berliner Straße. Dort gab es ein paar Holzregale, Akten lagen auf dem Fußboden, alles zusammen etwa 100 laufende Meter.

Haben Sie mittlerweile jede Akte einmal persönlich in den Händen gehalten?

Nein, das wäre nicht zu schaffen. Ich habe vier Mitarbeiter.

Welches sind die ältesten Akten im Kreisarchiv?

Mit der Kreisbildung 1952 wurden Akten archiviert. Von den umliegenden Kommunen haben wir aber auch ältere Dokumente. Sie beginnen um 1780. Meistens sind es Protokolle von Sitzungen oder Schriftstücke zu Grundstückseigentümern.

Was wird heute archiviert?

Jedes Sitzungsprotokoll aus der Kreisverwaltung, jeder Vorgang, der bearbeitet wird.

Wenn ich also gegen einen Bußgeldbescheid Widerspruch einlege, wird das hier archiviert?

So ist es.

Und wie lange werden die Akten aufgehoben?

Das ist unterschiedlich und klar gesetzlich geregelt. Zehn Jahre ist eine häufige Frist, Akten aus dem Jugendamt 30 Jahre nach Volljährigkeit der betreffenden Person. Register der Standesämter werden dauerhaft aufbewahrt.

Manches klingt geheimnisvoll. Dürfen Sie in alle Akten hinein schauen?

Ja, und wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Mitarbeiter des Kreises dürfen jeweils nur Akten aus ihrem eigenen Sachbereich ansehen oder bedürfen der Zustimmung des jeweils anderen Sachbereichs.

Wenn ich als Bürger Einsicht nehmen möchte. Geht das?

Sie müssen ein berechtigtes Interesse nachweisen, zum Beispiel für das Erstellen eines Stammbaumes oder Sie suchen Unterlagen zur Heimunterbringung oder ein Facharbeiterzeugnis.

Dann stellen wir Ihnen die Unterlagen zur Verfügung.

Ortschronisten, Heimatforscher, Schüler und Studenten dürfen kostenlos recherchieren, alle anderen zahlen eine Gebühr.

Lagern Sie auch Akten für Kommunen ein?

Das machen wir für Karstädt, Meyenburg, Groß Pankow, Putlitz-Berge und Gumtow. Sie haben bis jetzt kein eigenes Archiv. Pro laufenden Meter müssen die Kommunen laut Gebührenordnung dafür 600 Euro zahlen.

Wollen Sie den Bestand digitalisieren?

Vollständig ist das nicht geplant. Es gibt zur Langzeitarchivierung digitaler Daten nur wenig Erfahrung. Papier ist derzeit die sicherste Variante. Was erfassen unter anderem Herkunft und Titel der Akten und ihren Platz im Archiv.

Dadurch können wir ganz schnell jede gesuchte Akte finden. Jedes Blatt der Akte erfassen wir aber nicht. Anders ist es bei Unterlagen der Meldestellen. Für eine leichtere Recherche werden alle Daten der Familienmitglieder erfasst.

Der zeitliche Aufwand für die Erfassung muss enorm sein.

Das ist richtig. Wir haben alle Meldekarten der Bürger von 1955 bis 1990 erfasst. Das waren zum Beispiel für Perleberg alleine 62 044 Karten.

Wenn ich auf meinem Dachboden alte Dokumente finde. Was mache ich damit?

Damit kommen Sie auf alle Fälle zu mir oder gehen damit ins städtische Archiv. Wir sind immer interessiert an Schriftgut Fachbüchern, historischen Postkarten oder alten Zeitungen.

Den „Prignitzer“ haben wir zum Beispiel nur zwischen 1952 und 1970 vollständig, dann erst wieder ab 1992.

Was war das interessanteste Dokument, welches Ihnen angeboten wurde?

Bedeutende Akten eines Prignitzers, die um 1600 verfasst wurden. Sie lagen in Neustrelitz.

Frau Benzin, wer all das liest und Lust auf diese Arbeit bekommt, welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es für ihren Beruf?

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste werden in Berlin ausgebildet, in Potsdam gibt es Möglichkeiten zur Qualifizierung. Wer studieren möchte, kann das unter anderem in Potsdam und Marburg.

Danke für das Gespräch.

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von
erstellt am 27.Jun.2014 | 10:51 Uhr

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