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DDR Geschichtsmuseum : „Hier läuft kein Hass, keine Rache“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hans-Peter Freimark spricht über das DDR-Geschichtsmuseum, dessen Besucher, Exponate und über das Desinteresse an der DDR

von
erstellt am 01.Okt.2014 | 16:37 Uhr

Am Tag der Deutschen Einheit sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit Hans-Peter Freimark über sein DDR-Geschichtsmuseum, über Vorbehalte gegenüber der Ausstellung und über das Desinteresse an der DDR.

Gestern war Feiertag. Was bedeutet Ihnen der Tag der Deutschen Einheit?

Hans-Peter Freimark: Eine ganze Menge. Damit verbinde ich Freiheit, Meinungs- und Reisefreiheit. Viele wissen das nicht zu schätzen. Auf den heutigen Luxus hingegen hätte ich verzichten können.

Auch freie Wahlen gehören zu den Errungenschaften der Wende, doch immer weniger machen davon Gebrauch. Wie erklären Sie sich das?

Bei den Nichtwählern schwingt viel Protest mit und klar muss man einräumen, dass heute nicht alles gut ist. Aber dagegen kann man etwas machen. Man muss sich zur Wahl stellen und in Vertretungen mitwirken. Dann erreicht man auch etwas. Das habe ich als Stadtverordneter selbst erfahren. Ebenso muss man kritisch bleiben, denn davon lebt die Demokratie.

Was hat Sie bewogen, dieses DDR-Geschichtsmuseum aufzubauen?

Ich habe in der DDR viel erleben müssen, rund 50 Stasi-Leute waren auf mich angesetzt. Schon damals habe ich gesagt, all dieses eines Tages dokumentieren zu wollen. Das mache ich jetzt.

Reden wir denn von einem Stasi-Museum?

Nein, das ist nur ein Bestandteil der Ausstellung, die mittlerweile 30 Räume umfasst, tausende Originaldokumente beherbergt. Wir sind auch kein Nostalgiemuseum und wenn es jemandem bei uns nicht gefällt, darf er das im Gästebuch formulieren.

Woher stammen all diese vielen Exponate?

Ab 1980 begann ich privat Originale aus der DDR zu sammeln. Meine Mutti wurde 99 Jahre alt, hatte eine Menge. Wir profitierten von Haushaltsauflösungen, von Schenkungen und 1989/90 war ich auf Müllkippen unterwegs.

Überblicken Sie diesen Fundus?

Nicht vollständig, nach und nach archivieren wir vor allem den Aktenbestand.

Wer wie Sie in der DDR Bedrohendes erlebte, kann der ohne Rachegedanken ein Museum über diese Zeit gestalten?

Hier läuft kein Hass, keine Rache ab. Wir kommentieren nicht, stehen aber für Gespräche zur Verfügung und machen auf Wunsch Führungen.

Wenn Sie die Ausstellung nicht kommentieren, wie sollen Besucher lernen und Zusammenhänge einordnen?

Die Originale im Museum überzeugen. Gerade unser Film über das Grenzregime löst Betroffenheit aus.

Wer sind Ihre Besucher?

Gäste aus allen Kontinenten. Letztens war jemand aus Dubai hier. Viele Dänen und Belgier kommen, internationale Medien berichten über uns. Es kommen Vertreter der 68er Generation und von der Deutschen Kommunistischen Partei.

Wo bleibt die Jugend?

Wir haben häufig Schulklassen zu Gast, und in diesem Jahr war jeder dritte Besucher ein Kind oder Jugendlicher.

Wie erklären Sie sich das mangelnde Interesse an der DDR, was so häufig beklagt wird?

In Familien wird über den Alltag gesprochen und nicht über die DDR. Wir haben ausreichend Probleme in der Gegenwart und in der DDR war nicht alles schlecht.

Was sagen Sie denjenigen, die das Museum meiden, weil sie meinen, hier wird die DDR verteufelt?

Bitte komm’ und sieh.

Danke für das Gespräch.

 

 

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