Sicherheitskonferenz der Prignitz : Hier kracht es besonders häufig

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Personen nahm in der Prignitz ab.
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Die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Personen nahm in der Prignitz ab.

Der Landkreis spricht von sieben Schwerpunkten, allein drei bei Perleberg. Die steigende Zahl an Wildunfällen vermiest die Unfallbilanz.

svz.de von
26. April 2017, 12:00 Uhr

Die Prignitzer Unfallkommission hat das vorjährige Verkehrsgeschehen im Landkreis aufgearbeitet und vier Trends festgestellt: 51,6 Prozent der Unfälle geschehen innerorts. Bei langjährigen Hauptursachen für Kollisionen wurden zum Teil deutliche Rückgänge verzeichnet. Es gab weniger Karambolagen durch Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit sowie weniger Probleme mit jungen Fahrern durch intensive Nutzung des begleiteten Fahrens ab 17 Jahren. Auch an Bäumen endeten weniger Fahrten. Aber 1054 Wildunfälle trüben erheblich das Bild und führten dazu, dass die Gesamtzahl der Unfälle trotz der Rückgänge in vielen Teilbereichen im Vorjahr um 5,7 Prozent auf insgesamt 2808 stieg.

Der Zuwachs von 150 Wildunfällen im Vorjahr macht damit statistisch gesehen die Erfolge bei vielen anderen Unfallursachen zunichte. Insgesamt entwickelte sich das Unfallgeschehen positiver als im Land, in vielen Bereichen sogar entgegen dem Brandenburger Trend. Einzig bei den Unfällen mit Fahrrädern, die Radler waren zumeist die Verursacher, und bei Vorfahrtsverstößen gab es einen Zuwachs. So wurden weniger häufig Unfälle registriert, bei denen Menschen verletzt wurden, auch die Schwere der Folgen nahm ab. Und nur ein Menschen starb bei einem Zusammenstoß gegenüber elf im Jahr zuvor.

34 Prozent der Unfälle in der Prignitz sind Wildunfälle, im Landesdurchschnitt sind es nur etwas mehr als 20 Prozent. Sogar 70 Prozent der Unfälle außerhalb von Ortschaft sind im Landkreis inzwischen Wildunfälle, zumeist aber nur mit Sachschäden. Die Obere Jagdbehörde Brandenburgs gehe zudem davon aus, dass nur ein Drittel der Wildunfälle gemeldet würden, sagte Anja Autzen, Sachgebietsleiterin Ordnung, Verkehr und Bußgeldstelle der Kreisverwaltung. Trotz vieler Ansätze sei der Stein der Weisen bei der Vorbeugung noch nicht gefunden worden. Das Wild gewöhne sich nach einer Zeit an alle Abschreckungsmaßnahmen von zusätzlichen Geräuschquellen bis zu blauem Licht. In den letzten 25 Jahren sei in der Prignitz vieles versucht worden, aber ohne den großen dauerhaften Erfolg.

Polizei und Unfallkommission haben im Landkreis sieben Unfallschwerpunkte identifiziert. Gleich drei davon liegen in Perleberg. Das sind die nördliche und südliche Abfahrt B 5/B189 sowie der Kreisverkehr.

Häufiger als üblich kracht es in Wittenberge an den Kreuzungen Perleberger- und Karl-Marx-Straße sowie Park- und Wilhelm-Külz-Straße, wobei die Ursachen noch unklar sind. Beide sind gut ausgebaut und es passieren verschiedene Arten von Unfällen zu verschiedenen Tageszeiten, ein Muster ist noch nicht erkennbar. Auffällig ist nur, dass in erhöhter Zahl Radfahrer betroffen sind. Weitere Unfallschwerpunkte sind der Kreisverkehr der B 5 in Karstädt sowie die B 189 zwischen Groß Pankow und Pritzwalk. Die Prignitzer Unfallkommission hat alle sieben Orte genauer analysiert und versucht, durch Änderungen an Spurenführung und Aufstelllinien sowie zum Teil andere Beschilderungen diese Bereiche zu entschärfen.

Mit 176 Kilometern hat die Prignitz das zweitlängste Alleennetz Brandenburgs nach Märkisch-Oderland. Im Landkreis wurde seit 2011 kontinuierlich der Alleenerlass des Landes mit 34 Einzelprojekten umgesetzt, an gefährlichen Abschnitten Tempolimits eingerichtet, Schutzplanken aufgebaut und regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Das führte zu deutlich weniger und auch weniger schweren Unfällen, betonte Lutz Mattheus vom Führungsdienst der Polizeiinspektion Prignitz. In Umsetzung des neuen Alleenerlasses will das Brandenburger Infrastrukturministerium mit verdeckten Messanlagen überprüfen, wie die Kraftfahrer auf die Beschränkungen reagieren. Derzeit prüfen die Prignitzer Unfallkommission und die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises, wie dieses Konzept mit Fördermitteln umzusetzen ist, wie und wo Messanlagen installiert werden können, sagte Autzen.

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