Laaslich : Hier ist Weihnacht Frauensache

Gemeinsam wird gesungen, geplauscht und auf den Weihnachtsmann gewartet.
Gemeinsam wird gesungen, geplauscht und auf den Weihnachtsmann gewartet.

Laaslicherinnen treffen sich alle Jahre wieder zu „Stille Nacht“ – Rauschebart ist dann der einzige Mann in der Runde

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18. Dezember 2017, 12:00 Uhr

„Oh, du fröhliche“ – in Laaslich ist Weihnachten Frauensache. Das möchte man angesichts der Einladung zur Frauenweihnachtsfeier meinen. Es ist aber vielmehr eine Tradition aus DDR-Zeiten, die man sich einfach bewahrt habe und auch heute keiner missen möchte. Auch wenn die Runde an diesem Abend recht überschaubar ist, so Rita Zuther. „Sie hat den Hut auf, schließlich ist sie unsere Bürgermeisterin“, klingt es aus der illusteren Runde. „Ortsvorsteherin“, sorgt jene gleich für den richtigen Zungenschlag. „Egal, wie das Kind heißt, du bist unsere Bürgermeisterin“, folgt prompt die Antwort. Auch eine Tradition, wie man der Dorfchronik entnehmen kann. Denn seit den 60er Jahren lenkt stets eine Frau im Dorf die Geschicke, ob als Bürgermeisterin oder eben Ortsvorsteherin.

An diesem Abend traf sich im Gasthof des Dorfes die holde Weiblichkeit, zumindest all jene, die es gesundheitlich und zeitlich einrichten konnten. Seit 1957 wohnt Anneliese Dierks in Laaslich, ist mit ihren 86 Lenzen die Älteste in der Runde, und so lange sie zurückdenken könne, gab es im Dorf immer eine Frauenweihnachtsfeier, damals vom DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschland). Sich treffen, gemeinsam für einpaar Stunden den Alltagsstress hinter sich lassen, es sich einfach gut gehen zu lassen und das bei leckerem Essen und Kultur – so begann alles. Und vieles davon habe man sich erhalten, nur etwas kleiner, fügt Rita Zuther an. Die Kultur wird heute selbst gemacht, Weihnachtsgeschichten werden vorgelesen oder aber Weisen aus dem Liederheft von anno dazumal gemeinsam angestimmt, bevor dann der Weihnachtsmann in die Gaststube poltert. Übrigens der einzige Mann in der Runde. Später zum Essen gesellen sich dann noch einige Vertreter des starken Geschlechts dazu.

Auch das sei Tradition – jeder packt ein Päckchen und die werden dann auch in aller Öffentlichkeit ausgepackt. „Es ist einfach immer wieder schön“, gesteht Anneliese Alexy. Vor über 20 Jahren ist sie aus Witten nach Laaslich gezogen. „So etwas kannte ich nicht. Aber man bekam so gleich das Gefühl, dass man willkommen ist in der Gemeinschaft, dass man dazu gehört.“

Am Sonnabend dann gab es ein weihnachtliches Stelldichein des Dorfes an der Kirche. Bei Kesselgulasch und wärmenden Getränken lauschten Groß und Klein den Weisen, die Laaslicher für Laaslicher erklingen ließen. Und der Nachwuchs stimmte dabei instrumental voll mit ein. Das Highlight waren natürlich die Weihnachtspakete. 24 an der Zahl hatte der Kulturverein gepackt und die waren für die „Bravsten“ aus dem Dorf bestimmt, wie die Ortsvorsteherin schmunzelnd berichtet.

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