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Rundgang durch Bildungseinrichtung : Hier geht Sicherheit vor

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Bad Wilsnack lernen Mitarbeiter der Holz- und Metallbranche alles über Eigenschutz und Hilfe im Ernstfall

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Ein Absturz aus mehreren Metern Höhe gehört zum Albtraum jedes Monteurs von Windkraftanlagen. Im Ernstfall zählt jede Sekunde, weil die Haltegurte die Blutzufuhr in den Beinen abschnüren. „Das kann lebensgefährlich werden. Die Betroffenen verlieren schnell das Bewusstsein“, weiß Ramona Wickel, Diplom-Ingenieurin und Dozentin an der Bildungsstätte der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) in Bad Wilsnack.

Um Unfälle möglichst zu vermeiden, werden Arbeitnehmer aus der Holz- und Metallbranche für den Ernstfall geschult. Dazu dient auch ein Steigturm auf dem 25 000 Quadratmeter großen Gelände der BGHM. Jeder Teilnehmer muss nach dem Seminar die Rettung in luftiger Höhe beherrschen.

In einem der insgesamt zehn Praxisräume, der unter dem Motto „Hochgelegener Arbeitsplatz“ steht, erfahren die Kursteilnehmer, was alles zu einer persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gehört. Dabei ist der altgediente Mitarbeiter ebenso gefordert wie der unerfahrene Azubi. „Der Arbeitsschutz gehört zu den täglichen Aufgaben. Uns geht es darum, praxisnah zu zeigen, wo Gefahren lauern“, erklärt Ramona Wickel. Sie betont, dass im Ernstfall jede Sekunde zählt. „Wenn man in der Notsituation erst überlegt, wer was macht, gehen wichtige Minuten verloren.“ Das werde den Kursteilnehmern, die aus ganz Deutschland kommen, immer wieder bewusst gemacht, so Ramona Wickel.

Geradezu futuristisch mutet der Seminarraum für „Maschinensicherheit“ an. „Es geht darum, in einer brenzligen Situation den Menschen so schnell wie möglich von der Maschine zu trennen“, beschreibt Ausbildungstechniker Burkhard Fleischmann. Dabei hilft nach neuestem Technikstand ein kameragestütztes Überwachungssystem, wie es auch bei einigen Firmen eingesetzt wird. Es erkennt eine Person, wenn sie in eine Maschine läuft (siehe Foto links unten). Gerät der Mensch in den Gefahrenbereich, wird die Maschine automatisch abgeschaltet. Laut Burkhard Fleischmann ist diese Schutzvorkehrung sinnvoll. „Denn es kommt immer wieder vor, dass Leute an einer Maschine etwas ändern wollen und diese dafür nicht abschalten, um Zeit zu sparen.“ Manchmal würden die automatischen Schutzvorkehrungen sogar manipuliert.

Richtig eng ist es im Modell eines sogenannten Doppelbodens im Praxisraum „Schweißen“ im Keller der Einrichtung. „Hier wird das Schweißen auf einer Werft simuliert. Beim Schiffbau müssen die Mitarbeiter mehrere Meter in den Doppelboden kriechen und dort schweißen“, schildert Burkhard Fleischmann. Wie eine bewusstlose Person dann gerettet werden kann, wird ebenso geübt wie das möglichst feinstaubfreie Schweißen. Denn: „Auch der Schweißrauch ist Feinstaub. Seine Partikel sind nur unter dem Mikroskop zu sehen“, so Fleischmann. In den Lungen könne der, über einen längeren Zeitraum eingeatmet, zu schweren Schädigungen führen. „Deswegen ist Atemschutz und das richtige Absaugen des Schweißrauchs so wichtig.“ Generell gebe es keine zeitliche Begrenzung für einen Schweißvorgang.

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