Hier entsteht ein touristischer Magnet

Bereits Anfang des Jahres hat Marko Koch von der Beuth Hochschule Spezialaufnahmen in der Grabkammer gemacht. Im Sommer soll en Laserscanmessungen folgen. Foto: Petra Ferch
Bereits Anfang des Jahres hat Marko Koch von der Beuth Hochschule Spezialaufnahmen in der Grabkammer gemacht. Im Sommer soll en Laserscanmessungen folgen. Foto: Petra Ferch

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24. Mai 2013, 07:05 Uhr

Seddin | Über die nächsten geplanten archäologischen Untersuchungen und die anstehenden Bauarbeiten zur touristischen Erschließung des Königsgrabes von Seddin wurden Anwohner und Interessierte Donnerstagabend umfassend informiert. In der Debatte ergaben sich drei strittige Punkte: die geplanten Bänke, die Durchforstung und die Sprachsäulen.

Der am Grabhügel angrenzende Wald wurde bereits durchforstet. "Es gab keinen Kahlschlag, aber der Wald ist lichter geworden", sagte Jürgen Hinze vom zuständigen Ingenieurbüro. Dadurch sei der Grabhügel besser zu erkennen. Zwei Bäume wurden direkt auf dem Hügel gefällt, da sie drohten, das Grab zu beschädigen. Weitere Fällungen sind angekündigt, betroffen sind voraussichtlich sechs Bäume, die krank seien. An anderen Bäumen soll Totholz entfernt werden. "Wir werden keine markanten Einzelbäume, auch keine Eichenbestände fällen", versprach Bauamtsleiter Halldor Lugowski.

Einigen Bürgern geht das zu weit. Sie fordern, dass alle Bäume erhalten bleiben, das sie erst dem Grab seinen eigentlichen Zauber verleihen würden. In einer Petition, die im Internet gestartet wurde, fordern gar mehr als 400 Unterzeichner einen sofortigen Stopp der Fällungen. Einige von ihnen leben in der Schweiz. Ob sie die konkrete Situation vor Ort kennen, sei dahingestellt.

Dr. Franz Schopper, Direkter des Archäologischen Landesmuseums, hat eine ganz andere Sicht auf diesen Aspekt: Die behutsame Durchforstung stelle bereits einen Kompromiss dar. Ursprünglich war das Grab frei von Bäumen. Das sei auch im Sinne des Königs gewesen, schließlich sollte der imposante Hügel gesehen werden. Auch etwa 100 Jahre alte Fotos von den ersten Grabungen zeigen einen baumlosen Hügel. Der Wald ist danach gewachsen. An die Verkehrssicherungspflicht erinnerte Halldor Lugowski: Kranke Bäume müssen auch künftig abgenommen werden.

Ein missmutiges Raunen ging durch die Besucherreihen, als Jürgen Hinze die Bänke ansprach. Favorisiert werde eine bronzefarbene Edelstahlvariante, die lange haltbar sei und nicht gepflegt werden müsse. Hierfür gab es gar keinen Zuspruch, auch keine Kompromissbereitschaft der Anwesenden. Die gezeigten Musterbeispiele wirkten abschreckend. Haltbarkeit dürfe nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Holz- oder Feldsteinbänke seien eine Alternative. Gutes Eichenholz halte ebenfalls sehr lange, hieß es. Notfalls könne die Sitzfläche nach zehn Jahren um zwei Millimeter abgehobelt werden. Egal wie, die Edelstahlvariante sollte ernsthaft überdacht werden, lautete die einhellige Meinung. Jürgen Hinze betonte, dass noch nichts entschieden sei, die Ausschreibung im Juni folgt. Ab nächster Woche beraten Gemeindeausschüsse zu den Details, müssen die Gemeindevertreter abstimmen. Sie sollen über die Vorschläge informiert werden, so Lugowski.

Kritisch hinterfragten mehrere Gäste die zwei geplanten Sprachsäulen. Sie sind ebenfalls aus Edelstahl und etwa kniehoch. Müssen sie wirklich sein? Reichen Infotafeln allein nicht aus? Sie müssen sein, lautete die klare Antwort der Experten. Dr. Schopper und auch der Gebietsarchäologe Jens May betonten, dass erst durch die sprachlichen Informationen ein reelles Bild vom Grab für die Besucher vorstellbar wird. Sprachinformationen seien heutzutage Standard in Ergänzung zu Infotafeln. Uwe Neumann verwies als Geschäftsführer des Tourismusverbandes auf sehbehinderte Besucher, die beispielsweise darauf angewiesen seien. Auch für Kinder sei das faszinierend.

Abgesehen von den geschilderten strittigen Punkten ergab der Abend grundsätzliche Zustimmung zu den Plänen. Die Bauarbeiten sollen zwischen August und Oktober laufen. Am Hügelfuß wird ein barrierefreier Rundweg angelegt, auf dem Hügel soll es einen kleinen Aussichtspunkt geben. Zwischen der Spurbahnstraße und dem Grabhügel entsteht ein neuer, wassergebundener Weg.

Besonders interessant dürfte künftig die Veranschaulichung der von den Archäologen entdeckten Feuergrubenreihe sein. 70 Feuergruben werden direkt an ihrem historischen Fundort oberirdisch nachgebildet. "In ovalen Flächen bauen wir ebenerdig Feldsteine ein", schilderte Jürgen Hinze das Vorhaben. Grundlage für die Platzierung sind die gemessenen Koordinaten der Gruben.

Das gesamte Vorhaben zu verschieben, bis die Archäologen ihre Untersuchungen beenden, sei nicht sinnvoll, wurde ein Vorschlag abgelehnt. Seit zehn Jahren werde intensiv geforscht und es sei an der Zeit, die Ergebnisse sichtbar zu machen, so Dr. Franz Schopper. Geplante Grabungen würden die neuen Anlagen nicht beschädigen und könnten für Besucher sogar besonders interessant sein. "Außerdem werden die Forschungen noch lange andauern, wird es immer wieder neue Erkenntnisse geben", so Schopper.

In diesem Jahr sind Laserscanmessungen vorgesehen, kündigte Jens May an. Die Grabkammer soll noch exakter erfasst werden mit dem Ziel, ein dreidimensionales Modell zu erstellen in das die Grabungsfunde hinein projiziert werden. 450 genommene Erdproben werden auf ihren Phosphatgehalt untersucht. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss darüber, wie die Fläche genutzt wurde. Fettuntersuchungen sollen klären, was in den Feuergruben gebrannt hat. "Darüber rätseln wir noch", sagt Jens May.

Für das nächste Jahr ist erstmalig ein Grabungsschnitt im Grab selbst geplant. Die Archäologen erhoffen sich, Aschereste vom verbrannten Leichnam zu finden, die bei der altersmäßigen Datierung helfen sollen. Bisher gibt es nur eine einzige Messung nach der Radiocarbonmethode. Nach dieser wird das Königsgrab auf 830 vor Christus datiert.

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