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Der Prignitzer

20. November 2017 | 20:15 Uhr

Heute backt die Zeitung den Kuchen

vom

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erstellt am 29.Feb.2012 | 08:26 Uhr

Wittenberge | Nicht mit Stift, Block und Kamera, sondern in Küchenschürze steht "Prignitzer"-Redaktionsleiter Hanno Taufenbach in der Wittenberger Awo-Begegnungsstätte. Gemeinsam mit Geschäftststellenleiterin Isabel Beckmann rührt er Teig für einen Selterskuchen an. Kaum kommt der aus dem Ofen, steht der noch warme Kuchen zusammen mit dem Backwerk der echten Hausbäckerin Gisela Gedickes auf dem gedeckten Tisch.

Eingeladen waren gestern ehrenamtliche Gruppenleiter der Awo und die staunen. Überraschung gelungen, denn eingeweiht in unsere neue Aktion "Prignitzer Kaffeeplausch" war nur die Awo-Ortsvorsitzende Gisela Littmann. Sie und unsere Zeitung möchten den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz danken. Deren Freude ist groß.

Zum ersten Mal kommen alle zusammen

"Das ist das erste Mal, dass wir in so großer Runde gemeinsam an einem Tisch sitzen", sagt Gisela Littmann - seit fast 22 Jahren die gute Seele der Wittenberger Awo. Kaum sind die ersten Stücke Kuchen verputzt, weicht die anfängliche Zurückhaltung. Eine lebhafte Diskussion über die Tageszeitung und die ehrenamtliche Arbeit mit all ihren Freunden und Nöten beginnt. Die Leiter und Verantwortlichen der unterschiedlichen von der Awo betreuten Bereiche nutzen die Gunst der Stunde, um Fragen und Wünsche, aber auch Lob und Kritik zum "Prignitzer" zu äußern.

Dass die Begegnungsstätte gerne besucht und für Treffen genutzt wird, bestätigen viele von ihnen. Gisela Schepetzki, Leiterin des Awo-Seniorenchores Elbaue, fühle sich in der Einrichtung pudelwohl: "Die Betreuung ist ganz toll, wir haben hier jedes Mal viel Spaß und auch der Partnerchor aus Lüchow kommt gerne hierher", schwärmt die Chorleiterin, die einmal in der Woche mit den Sängern in der Einrichtung probt. Auch Ingeburg Haase, die seit 1998 dem Romméclub vorsteht, weiß nur Positives zu berichten: "Hier ist einfach immer etwas los. Das macht den Anreiz aus."

Viele von ihnen haben schon die 70 überschritten, zeigen aber trotz ihres hohen Alters vollen Einsatz. Für Richard Liermann, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins, entstand seine ehrenamtliche Tätigkeit aus der eigenen Betroffenheit heraus. "Man hat das Bedürfnis, Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen", sagt er. Das bestätigt auch Walter Jünemann, der seit elf Jahren die Tinitusgruppe leitet: "Ich bin auch Betroffener und wollte nicht die Hände in den Schoß legen und warten, bis andere sich um die Belange der Hörgeschädigten kümmern."

Aber natürlich sei auch der Spaß an der Arbeit eine Motivation, wie Hans-Joachim Wuttke, Leiter der Rheumaliga, erzählt. "Und man wird gefordert", fügt der Hinzdorfer hinzu.

Bei vielen ein Problem: Der fehlende Nachwuchs

Ein anderer Grund, weshalb manche sich bis ins hohe Alter ehrenamtlich engagieren sei, dass der Nachwuchs fehle. Manche würden gerne das Zepter übergeben, doch es fehlen junge Menschen, die es übernehmen. Und aufgeben und damit das Angebot sterben lassen, nein, das gehe nicht, sagen sie.

Handarbeit, Sport, Sonntagstanz - für viele Senioren seien es oft die einzigen Angebote, ein Fixpunkt in ihrem Leben, der Abwechslung bedeutet. Und doch droht mittelfristig das Aus. In vielen Bereichen, dazu zählt etwa der Blinden- und Sehgeschädigten-Verein, kämen kaum neue Mitglieder dazu, berichtet Richard Liermann: "Wir haben 32 Mitglieder. Gerade junge Sehgeschädigte bleiben weg. Aber wenn doch mal jemand neu dazu kommt, dann bleibt der auch", sagt er. Und noch etwas liegt ihnen am Herzen: Sie machen die Arbeit gerne und das ohne jegliche Aufwandsentschädigung. Ein Aspekt, der häufig übersehen werde.

Für Gisela Littmann ist die Awo-Begegnungsstätte das erste Zuhause, wie sie selbst sagt. Sie liebt den Trubel und hat es am liebsten, wenn das Haus voll ist: "Es ist schön zu sehen, wenn die Leute mit Leidenschaft bei der Sache sind. Der beste Tag ist Sonntag, dann ist hier besonders viel los." Es sind Kleinigkeiten, die auch Ingeburg Haase immer von Neuem faszinieren, etwa, wenn jemand beim Preisskat gewonnen hat: "Wenn dann die Augen leuchten und man ihm die Freude richtig ansieht, das ist das Schönste."

Zum Schluss sind sie sich sich einig: Einen solchen Nachmittag in gemütlicher Runde soll es auch künftig geben. Gisela Littmann regt alle drei Monate ein Treffen an.

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