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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 13:22 Uhr

Herz und Seele im Blickpunkt

vom

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erstellt am 17.Dez.2012 | 06:02 Uhr

Prignitz | Aus einem anderen Blickwinkel als sonst betrachtet der DAK-Gesundheitsreport für den Landkreis Prignitz und das Land Brandenburg die Trends des Jahres 2011. In den Fokus rückt die Krankenkasse dieses Mal die Zusammenhänge zwischen Herzinfarkt und Arbeitsstress. Die Arbeitsausfälle wegen Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems sind in der Prignitz leicht rückläufig und im Ranking der häufigsten Erkrankungen bei Erwerbstätigen befinden jene sich "nur" auf Rang sechs hinter Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, Verletzungen, Atemwegserkrankungen, sowie Erkrankungen des Verdauungssystems und der Psyche. Aber: Von der koronaren Herzkrankheit - die Hauptursache von Herzinfarkten - sind vielfach bereits Menschen jüngeren Lebensalters betroffen. Der Herzinfarkt wiederum ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Wie Benjamin Wiersch, Bezirksleiter der DAK, gestern beim Pressegespräch zum Gesundheitsreport im Kreiskrankenhaus Prignitz deutlich machte, müsse man seinen Blick über die klassischen Risikofaktoren hinaus weiten. Der immer noch starke Anstieg psychischer Erkrankungen mache deutlich, dass psychosoziale Ursachen - beispielsweise auch für Herz-Kreislauferkrankungen - eine nicht unwesentliche Rolle spielen. "Arbeitsbedingter Stress als Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen stand bisher nicht so stark im Fokus", verdeutlichte Benjamin Wiersch. In diesem Kontext untersuchte die DAK einen bislang nicht so populären Risikofaktor: die berufliche Gratifikationskrise. Personen in dieser Krise tragen ein doppelt so hohes Risiko, an einem Herz-Kreislaufleiden zu erkranken. Das treffe auch auf Menschen zu, die keine klassischen Risiken, wie Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck, in sich tragen.

Gratifikationskrisen beschreiben ein Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung. Vermehrtes Arbeitsvolumen oder hohe Verantwortung stehen beispielsweise fehlender Anerkennung bzw. einem nicht sicheren Arbeitsplatz gegenüber. Mit anderen Worten: Die Betriebe sind gefragt, in sich "hinein zu horchen", Prävention und Gesundheitsförderung beginnt bestenfalls bereits im Job - nicht erst in der vielfach knapp bemessenen Freizeit. Traditionell kommen zur Auswertung des DAK-Gesundheitsreportes für die Prignitz auch Vertreter aus der Wirtschaft zu Wort.

Gestern schilderten die Geschäftsführer des CJD Prignitz, Lutz Behrendt, der Wolfshagener Draht- und Metallverarbeitungs GmbH (WDM), Ernst Hüffmeier, sowie der Bildungsgesellschaft Pritzwalk mbH, Werner Schulze, ihre Erfahrungen im betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Innerhalb von rund drei Jahren habe man es beim CJD geschafft, knapp 70 Prozent der Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. "Vor drei Jahren hatten wir einen Krankenstand von über acht Prozent. Hauptsächlich waren es Erkrankungen des Bewegungsapparates", sagte Lutz Behrendt. Das Gesundheitsmanagement werde nicht von oben "aufgedrückt", so Behrendt. Mitarbeiter aus den eigenen Reihen konnten als Moderatoren gewonnen werden, ein Pädagoge koordiniere das Ganze. "Untersucht wurden unter anderem die Arbeitsorganisation und -situation, wir haben Dokumentationen rationalisiert, Schichtübergaben optimiert", so Behrendt. Die Gesundheit der Mitarbeiter ist auch für WDM ein so wichtiger Produktionsfaktor, dass man sich - seit das Unternehmen stark gewachsen ist - dieses Aspektes sehr viel stärker annehme, verdeutlichte Ernst Hüffmeier. Die Zusammenarbeit mit einem Betriebsarzt und einer Sicherheitsfachkraft sei selbstverständlich. "Wir setzen aber auch selbst Akzente, zahlen Prämien - und hinterfragen Führungsqualitäten von Mitarbeitern", so Hüffmeier. Wichtig sei für die Mitarbeiter aus seiner Sicht, dass sie sich bei einem Vorgesetzten gut aufgehoben fühlen, skizziert er einen psychosozialen Faktor, auf den das Unternehmen Wert legt. Bei der Bildungsgesellschaft wiederum spielen Sportangebote eine große Rolle in der Prävention, wie Werner Schulze umriss.

Den Erfahrungen der DAK zufolge, nimmt der Anteil der Prignitzer Unternehmen, die sich ernsthaft mit betrieblicher Gesundheitsprävention auseinandersetzen, stetig zu. "Wir selbst kooperieren derzeit mit zehn größeren Firmen", so Wiersch. Der finanzielle Aufwand für den Betrieb amortisiere sich innerhalb kurzer Zeit. Bereits in naher Zukunft werde dies ein nicht unwesentlicher Standortfaktor sein. Arbeitsbedingungen spielten aus seiner Sicht inzwischen eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Bezahlung, wenn man junge Fachkräfte in die Prignitz holen und hier halten wolle.

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