Herrenlose Handtasche auf dem leeren Bahnsteig

Was tun, wenn kein Ansprechpartner in Sicht ist, man aber helfen will? / „Der Prignitzer“ fragte nach

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01. Juli 2014, 09:37 Uhr

Wenn einer Reise macht, dann kann er was erzählen. Elisabeth Topp auf jeden Fall. Am 19. Juni startete sie mit ihrem Mann gen Österreich. Nein, nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn. Gegen 7.30 Uhr warteten die beiden auf ihren Zug, der in den nächsten Minuten im Wittenberger Bahnhof einfuhr. Ungeduldig schweiften ihre Blicke umher. Da erspähte die Perlebergerin urplötzlich eine Handtasche auf dem Bahnsteig – herrenlos oder richtiger gesagt frauenlos. Denn wie sich herausstellte, gehörte sie offensichtlich einer älteren Damen. „Portemonnaie mit Inhalt und Ausweispapiere, alles steckte drin“, berichtet Elisabeth Topp und stellte sich vor, wie die Seniorin völlig aufgelöst nach ihrer Handtasche gesucht haben wird, als sie deren Verlust bemerkte.

Was aber tun mit der Fundsache auf dem menschenleeren Bahnhof und im Wissen, dass der eigene Zug in wenigen Minuten einfährt. Kurzentschlossen schnappte sich die Perlebergerin die Handtasche und wollte sie im Kiosk eingangs des Bahnhofes abgeben. Doch die ansonsten recht nette Bedienung weigerte sich, sie anzunehmen. „Irgendwie kann ich sie ja verstehen“, räumt Elisabeth Topp ein, „sie steht den ganzen Tag hinterm Verkaufstresen und muss anschließend dann auch noch zusehen, dass das Fundstück wieder seine rechtmäßige Besitzerin findet.“

Zweiter Versuch: Elisabeth Topp fragt einen Taxifahrer vor dem Bahnhof. Die Reaktion ist die gleiche – ein freundliches, dennoch bestimmtes Nein. In der Not, der Zug kommt, stellt sie die Tasche im Kiosk im Blickfeld der Bedienung ab. „Was soll man denn auch tun in einer solchen Situation? Wir reden immer so viel, dass man sich nicht nur um sich selbst kümmern sollte, so nach der Devise, was gehen mich die Nöte anderer an.“ Wo beginnt das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen? Wie handelt man richtig? Der „Prignitzer“ fragte nach bei Dörte Röhrs von der Pressestelle der Polizeidirektion Neuruppin. Sie könne die Zwangslage verstehen, in der sich Frau Topp befand. Die Tasche einfach stehen zu lassen, wäre aber sicher der verkehrteste Weg. Vergessen oder verloren habe bestimmt jeder schon mal etwas. Und jeder hoffe da auch, auf ehrliche Finder. Denn oftmals handele es sich um sehr persönliche Dinge. Neue zu besorgen, sei meist mit vielen Laufereien verbunden, wie bei Dokumenten oder auch nur der Brille. Andere um Hilfe zu bitten, sei eine Möglichkeit. Die bessere und sichere aber, sich an offizielle Personen zu wenden, wie in diesem Fall an einen Zugbegleiter. Er kann kurz die Personalien des Finders notieren und über Funk den Fund melden.

Und es gibt auf dem Bahnhof Wittenberge auch noch ein Revier der Bundespolizei, im Volksmund Bahnpolizei, unweit des Kiosks. Das ist täglich von 6 bis 15 Uhr besetzt, ergab die Recherche des „Prignitzers“.

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