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Ausverkauf : Henwi: „Alles muss ’raus!!!“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kaufhaus in der Prignitz-Galerie schließt

von
erstellt am 08.Sep.2014 | 18:07 Uhr

Gestern früh in der Bahnstraße: Vor Henwi steht eine kleine Menschentraube, wartet darauf, dass das Kaufhaus öffnet. Ein solcher Andrang hier ist ungewöhnlich. Hat es sich so schnell herumgesprochen, dass Henwi an diesem Mittwoch mit dem Räumungsverkauf beginnt, weil das Kaufhaus schließen will? „Nein, wir wären sowieso gekommen. Es ist Zufall“, sagen bis auf zwei Frauen alle in der Schlange. Diese beiden Damen sind extra aus Perleberg angereist. Sie haben gestern früh im „Prignitz-Express“ per Anzeige vom Räumungsverkauf erfahren.


„Wir haben enorme Verluste“


Die Henwi-Nord GmbH mit ihrem Geschäftsführer Ralf Hensgens hatte es bis gestern weitgehend verstanden, die beabsichtigte Schließung ihrer Wittenberger Filiale unter der Decke zu halten. Erst am Dienstagabend nach der regulären Öffnungszeit ließ das Unternehmen Plakate anbringen, die den totalen Ausverkauf ankündigen. Auch die Mitarbeiter, aktuell 15, seien erst Anfang dieser Woche, so Hensgens, über die Entwicklung informiert worden.

Die Henwi-Nord GmbH hat nach den Worten ihres Geschäftsführers zum Jahresende gekündigt. Er klagt: „Wir haben in Wittenberge enorme Verluste.“ Grund seien die Umsätze, die nicht den Erwartungen entsprachen bzw. entsprechen. In diesem Zusammenhang erhebt der Geschäftsführer heftige Vorwürfe gegenüber dem Immobilieneigentümer und der Managementfirma, die die Ansiedlung von Henwi vor zwei Jahren in der Wittenberger Prignitz-Galerie begleitete. „Es wurde mit falschen Zahlen gearbeitet“, begründet Hensgens seine Vorwürfe.

Vorhaltungen dieser Art wies gestern die Eigentümerin der Prignitz-Galerie, die gebürtige Österreicherin Monika Riecker, im Gespräch mit dem „Prignitzer“ energisch zurück. Die Kaufhauskette habe sich im Zuge der Vermietung umfassend, auch beim Vormieter, über alle relevanten Zahlen kundig machen können und es ihres Wissens auch getan. Wichtig ist Monika Riecker die Feststellung, dass das Sonderkündigungsrecht zum Jahresende, von dem Henwi Gebrauch machen will, so nicht greift.


Gegenseitige Vorwürfe


Sie habe, so die Unternehmerin, erst vor zwei, drei Wochen von der Schließabsicht erfahren. „Ich war auf einem Messetermin im Ausland, als mich der Anruf erreichte und muss Ihnen sagen, ich weiß bis heute eigentlich nicht mehr als Sie“, sagte sie gestern im Gespräch mit der Redaktion.

Der Geschäftsführer der Kaufhauskette hingegen wundert sich, „dass wir bis heute gar keine Reaktion der Eigentümer bei uns vorliegt“. Allerdings, das sagte er auf Redaktionsnachfrage, hätte das an der Absicht, sich von Wittenberge zu verabschieden, auch nichts geändert. Hensgens scheint verärgert. Aus seiner Sicht würde die Immobilienfirma sich mit dem Verweis auf den Denkmalschutz nicht an Absprachen halten, die beispielsweise die Senkung der Energiekosten betreffen.

Monika Riecker ihrerseits verweist „auf die halbe Million Euro, die wir als Vermieter in den Hausumbau gesteckt haben, um dem Mieter entgegen zu kommen. Wir sind ihm sogar weitestgehend entgegengekommen.“

Die Henwi-Nord GmbH hat vor fast zwei Jahren, am 27. September 2012, ihre hiesige Filiale eröffnet. Groß war die Freude, als es gelungen war, mit ihr in der Prignitz-Galerie wieder ein Kaufhaus anzusiedeln, nachdem der Vormieter seinen Pachtvertrag nicht verlängert hatte. Denn ein Kaufhaus gilt für eine Innenstadt als Käufermagnet. Der Interessenring WIR hatte, wie die Stadtpolitik insgesamt, große Hoffnungen mit der Ansiedlung verbunden. Verständlich, wie WIR-Chef Rainer Woitke gestern reagierte: „Ich bin erschüttert und traurig. Wir haben uns so viel von dem Kaufhaus versprochen für die Innenstadt.“

Er verstehe nicht, so Woitke, wieso das Haus augenscheinlich nicht so angenommen wird, wie erwartet. „Das Kaufhaus hat ein vernünftiges Angebot. Ich weiß nicht, warum nicht mehr Wittenberger dort einkaufen.“ Woitke sagt unumwunden: „Es ist schlimm, dass das Haus jetzt krachend voll ist, wo der Ausverkauf begonnen hat.“


Eigentümerin: Guter Standort


Und wie geht es weiter? Die Galerie-Eigentümerin positioniert sich, Wittenberge sei nach wie vor ein guter Standort. Man werde Lösungen finden.


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