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Der Prignitzer

20. August 2017 | 23:15 Uhr

Helfer trainieren Katastrophenfall

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Feuerwehr, DRK und Ärzte bauen zu Übungszwecken Behandlungsplatz für bis zu 50 Patienten auf

Tote und Schwerverletzte. Dunkelheit, unbekanntes Gelände, Zeitdruck. Ob Zug-, Busunglück oder eine Massenkarambolage auf der Autobahn – im Katastrophenfall müssen Prignitzer Rettungskräfte schnell und kompetent handeln können. Eine Übung am Wochenende sollte helfen, sie auf den Ernstfall vorzubereiten.

Mehrere Feuerwehren aus dem Landkreis, das DRK, Notfallseelsorger und Notärzte bauten in Perleberg den Behandlungsplatz 25 auf, erweiterten ihn auf eine Kapazität für 50 Patienten. Mehrere Zelte und Technik mussten in der richtigen Reihenfolge am richtigen Platz eingerichtet werden. „Wir machen das heute zum ersten Mal und es ist nicht einfach“, sagt Frank Borchert, Wehrführer aus Bernheide.

Zusammen mit vier Kameraden vertritt er das Amt Lenzen-Elbtalaue. „Wir haben den einzigen Mannschaftstransporter, würden deshalb zuerst im Katastrophenfall aus unserem Amtsbereich angefordert werden“, erklärt Borchert. Die Übung hält er für absolut sinnvoll. Die gesamte Technik ist in einem Container verstaut, der in Wittenberge stationiert ist. Wenn man nie die Handgriffe geübt hat, nicht weiß, wo sich was befindet, wäre der Aufbau im Ernstfall äußerst kompliziert, so Borchert.

Der leitende Notarzt Lutz Dieckmann und René Glaeser, Leiter Rettungsdienst, überprüfen den Aufbau, geben Hinweise. „Im Ernstfall stehen alle unter enormem Zeitdruck. Die Verletzten sind ja schon da und warten auf Hilfe“, sagt Dieckmann. Notstrom und Licht werden benötigt. Rettungsfahrzeuge brauchen eine freie Zufahrt. „Und wir müssen davon ausgehen, dass wir in der Regel nicht so viel Platz wie hier zur Verfügung haben. Dann werden wir improvisieren müssen“, ergänzt Glaeser.

Vier Zelte farblich unterschiedlich gekennzeichnet gibt es. Priorität habe das für die lebensbedrohlich Verletzten. Dort werde auch die meiste Medizintechnik wie Beatmungsgeräte benötigt. Ein Zelt dient im Ernstfall für die Aufbewahrung der Toten und Sterbenden. „Wir sind in erster Linie für die rettbaren Menschen zuständig“, sagt Dieckmann. In so einem Katastrophenfall werde man Entscheidungen treffen und Prioritäten setzen müssen. Ethisch sei das eine schwierige Situation und einige Fragen seien in diesem Zusammenhang noch zu beantworten.

Ausdrücklich belehrten Dieckmann und Glaeser die Einsatzkräfte über die Patientendokumentation. Jeder Verletzte werde registriert, erhalte eine Mappe mit den wichtigsten Daten zugewiesen. „Diese Karte darf nie vergessen werden, kein Patient wird ohne Zustimmung des leitenden Arztes verlegt“, mahnt Lutz Dieckmann. Das sei enorm wichtig, um den Überblick zu behalten, um zu wissen, welche Patienten in welche Klinik kommen. Einerseits dürfen die Kliniken nicht überlastet werden, andererseits muss man den Angehörigen darüber zuverlässig Auskunft geben können.

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit hätten gezeigt, wie schnell so ein Katastrophenfall eintreten kann. Lutz Dieckmann nannte eine Hausexplosion in Schleswig-Holstein, einen schweren Unfall auf der A 12 bei Berlin und erinnerte an die Massenkarambolage während der Sandsturms auf der A 19 bei Rostock.


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erstellt am 07.Apr.2014 | 10:47 Uhr

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