In Corona-Zeiten : Heiraten nur zu zweit

Im Februar fand auf der Ölmühle noch die Hochzeitsmesse statt, jetzt werden hier nicht mal mehr welche gefeiert.
Im Februar fand auf der Ölmühle noch die Hochzeitsmesse statt, jetzt werden hier nicht mal mehr welche gefeiert.

Seit Montag sind bei Hochzeiten Gäste und Trauzeugen nicht mehr erlaubt / Kaum Absagen beim Standesamt, aber bei der Location

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28. März 2020, 12:00 Uhr

Keine Trauzeugen, keine Gäste. Wer sich derzeit das Ja-Wort gibt, muss allein vor den Standesbeamten treten. Seit Montag gilt in Brandenburg aufgrund der Corona-Krise die Weisung, dass Gäste sowie Trauzeugen bei der Eheschließung nicht zugelassen sind. Kinder des Brautpaares nur, wenn sie nicht betreut werden können. „Erwachsene Kinder sind auch nicht erlaubt“, sagt Bernd Hartwig, Standesbeamter in Wittenberge.

Dennoch berichtet er von keinen Absagen. „Wir haben im Augenblick kaum Hochzeiten“, sagt Hartwig. Am vergangenen Freitag hatten sie die letzte Trauung, „da waren noch Trauzeugen erlaubt“. Eine findet noch am 4. April statt. Die nächsten sind erst für Mai geplant. „Mal gucken, was dann ist“, sagt Hartwig.

In Perleberg wird am kommenden Montag und Freitag geheiratet. „Diese waren eh nur kleine Trauungen, wo nur das Brautpaar kommen wollte“, sagt Standesbeamtin Marina Gleiß, „die nächsten Großen stehen im Mai, Juni an.“ Dass die Gäste das Brautpaar nicht vor dem Standesamt empfangen dürfen, sei schade.

Absagen gab es aber bisher keine. „Anrufe hatten wir genug, die sich erkundigt haben“, sagt Gleiß. Die meisten Trauungen sind im Juni und Juli geplant. „Da denken viele, dass es vorbei ist.“ Dennoch rät die Standesbeamtin: „Wer eine schöne Hochzeit haben will, sollte aufs nächste Jahr verschieben.“ Wie lange Gaststätten geschlossen bleiben oder Einreiseverbote für Gäste gelten, ist noch nicht absehbar.

Das bekommt Jan Lange von der Wittenberger Ölmühle, einer beliebten Hochzeitslocation, zu spüren. „Wir haben 60 Prozent Stornierungen“, sagt er. Derzeit dürfen sie eh keine Hochzeiten stattfinden lassen. „Bevor die Corona-Krise kam, waren wir im normalen Rhythmus“, sagt er. Seit Februar werden bei ihnen Hochzeiten gefeiert, zwischen 55 und 65 im Jahr. „Normalerweise eine Hochzeit am Wochenende.“ Viele seiner Kunden fragen nun nach Ersatzterminen im Oktober und November. Die hauseigene Floristin und Hochzeitsplanerin ist derzeit in Kurzarbeit.

Dass die Hochzeit auch jetzt ein toller Tag wird, dafür sorgen die Standesbeamten. „Eine Rede halten wir trotzdem“, sagt Hartwig. „Schöne romantische Musik, Kerzenschein“, ergänzt Gleiß. „Wir werden Worte auf den Weg geben, die die aktuelle Zeit vergessen lassen.“ Ihr Motto: „Wir machen aus jeder Hochzeit das Schönste.“ Auf den Sicherheitsabstand achten sie bewusst, unterlassen das Händeschütteln. In Wittenberge wird jetzt im kleinsten Trausaal geheiratet. Marina Gleiß sagt zu ihrem in Perleberg: „Unser Trausaal ist so schön, da kommt man sich nicht verloren vor.“

Bis Juni nimmt das Perleberger Standesamt keine Termine mehr an. Auch Hartwig sagt für Wittenberge: „Wir nehmen jetzt keine Hochzeiten an. “ Im Schnitt haben beide Standesämter 80 Hochzeiten im Jahr. Ob sie das auch 2020 erreichen, bezweifelt Marina Gleiß.

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