Heimtückisch, aber nicht tödlich

Der Perleberger Chefarzt Marco Petrick informiert über die Multiple Sklerose.
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Der Perleberger Chefarzt Marco Petrick informiert über die Multiple Sklerose.

Kreiskrankenhaus informiert über Multiple Sklerose / Chefarzt Marko Petrick spricht von Fortschritten in der Behandlung

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04. November 2014, 18:24 Uhr

Multiple Sklerose (MS) gilt als eine heimtückische und als eine der häufigsten Nervenerkrankungen. Das Kreiskrankenhaus in Perleberg widmet der MS jedes Jahr einen Tag, um Patienten über Besonderheiten und neue Behandlungsmethoden zu informieren. Anlässlich des gestrigen MS-Tages sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit Marko Petrick, Chefarzt der Neurologie.

Jährlich ein MS-Tag, warum widmen Sie der Multiplen Sklerose diese Aufmerksamkeit:

Marko Petrick: Es ist eine wirklich häufig auftretende Krankheit, von der viele Menschen betroffen sind und es gibt immer wieder neue Behandlungsmöglichkeiten.

Gibt es eine Statistik zur Zahl der Erkrankten in unserer Region?

Nein, die gibt es nicht.

Sprechen wir bei MS von einer typischen Alterskrankheit?

Das Gegenteil ist der Fall. Am häufigsten tritt MS zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. In seltenen Fällen schon im Kindesalter und mittlerweile sind auch Fälle bekannt, wo die Krankheit erst nach dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde.

Ist die Diagnose ein Todesurteil?

Das ist sie nicht. Zwar ist MS bis heute nicht heilbar, aber es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten.

Nennen Sie uns bitte einige.

Da MS weltweit so häufig vorkommt, wird intensiv geforscht. Fast jährlich kommen ein bis zwei neue Medikamente auf dem Markt. Darüber hinaus können wir je nach Art der MS individuelle Behandlungsmethoden anbieten.

Multiple Sklerose verläuft also recht unterschiedlich?

So ist es, und auch die Schwere des Verlaufs ist sehr unterschiedlich. Sie kommt in Schüben, die zu Symptomen wie Gleichgewichtsstörung führen können. Das hängt davon ab, in welchem Teil des Gehirns oder Rückenmarks die Entzündung auftritt. Dementsprechend wird behandelt, zum Beispiel mit Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie.

Auch kognitive Einschränkungen wie Konzentrationsschwächen treten oft auf. Das ist unser heutiges Thema.

Was sind häufig die ersten Anzeigen der Krankheit?

Eine Entzündung des Sehnervs. Betroffene blicken wie durch einen Nebel. Auch Kribbeln oder Taubheit in einem Körperteil sind möglich.

Können mit der Behandlung diese Symptome behoben werden?

Oft ja, aber nicht immer. Dank neuer, starker Cortison-Präparate ist es aber möglich, bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen ein Zurückgehen der Symptome zu erreichen.

Teilweise ruht die Krankheit über Jahre, selbst im MRT sind dann keine Krankheitsaktivitäten nachweisbar. Das gelingt uns aber nicht immer.

Worauf müssen sich Patienten einstellen, bei denen der Verlauf schwerer ist, die Behandlung nicht so gut anschlägt?

Symptome bilden sich nicht vollständig zurück, neue kommen durch Schübe dazu. Mit zunehmenden Alter und dem Fortschreiten der Krankheit kann die Gehbehinderung so sehr zunehmen, dass ein Rollstuhl unausweichlich ist.

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