Weihnachten : Heiligbabend im Kinderheim

Erzieherin Jennifer Schmidt verbringt Heiligabend mit Gunnar und zwei weiteren Jugendlichen im Kinderheim in Sigrön.
Erzieherin Jennifer Schmidt verbringt Heiligabend mit Gunnar und zwei weiteren Jugendlichen im Kinderheim in Sigrön.

Gunnar feiert Heiligabend im Kinder- und Jugenddorf Sigrön. Zu seiner Mutter wird er erst am nächsten Tag fahren können. Die Vorfreude ist groß.

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26. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Ein skeptischer Blick durch die offene Tür. Gunnar schüttelt kaum sichtbar seinen Kopf. Nein, es ist nicht der Weihnachtsmann. Aber seine Enttäuschung hält sich in Grenzen, es ist ja erst vormittags 10 Uhr. Wir sind Heiligabend zu Besuch im Kinder- und Jugenddorf Sigrön. „Komm 'rein“, sagt der zehnjährige Gunnar. Vom kleinen Flur zweigen mehrere Zimmer ab. In einem deckt Jennifer Schmidt den großen Esstisch. Gefaltete Servietten liegen auf den Tellern. Sie ist Erzieherin, betreut die Wohngruppe „Schwäne“. Nebenan im Wohnzimmer hören Dominik und Chantal laute Musik. Die 14-Jährigen interessieren sich nicht für den Besuch.


Ganz anders Gunnar. Er ist aufgeregt, plappert pausenlos. „Wasser mit oder ohne Sprudel?“, fragt er und gießt eine Tasse voll ein. „Morgen früh fahre ich zu meiner Mama, sie wohnt bei Rathenow. Wir müssen noch den Koffer packen“, sagt er an Jennifer Schmidt gewandt. Um 17 Uhr fährst du erst los, korrigiert sie ihn. Kurz ist es still im Raum. „Oh, erst abends“, meint Gunnar traurig, doch sie tröstet ihn: „Du bleibst ja für zwei Nächte bei deiner Mama.“ Das hilft, die gute Laune kehrt zurück.


Seine Mama habe ein ganz großes Geschenk eingepackt. Er habe sich ein Walki Talki gewünscht und weil das ja klein sei, müsse in dem großen Paket noch viel mehr drin sein, erklärt er. Hier in Sigrön bekomme er auch ein Geschenk. Das wisse er ganz genau, schließlich wohne er schon einige Jahre hier. „Gewünscht habe ich mir Lego.“ Jennifer Schmidt schmunzelt. „Abwarten“, meint sie. Bis zur Bescherung sei ja noch Zeit.


Zuvor gibt es Kartoffelsalat. „Den habe ich selbst gemacht“, verrät die 24-Jährige Erzieherin. Auch Hähnchenkeulen mit Rotkohl und Klößen wird sie kochen. Das hat sich Dominik gewünscht. „Ich koche gerne und in meinem Beruf muss man das auch können“, sagt sie. Seit Oktober ist sie im Kinderdorf angestellt, hatte hier zuvor zwei Jahre lang Praktika absolviert. „Einfach ist der Job nicht, aber er macht mir Spaß und die Kinder geben mir das Gefühl, gebraucht zu werden.“
Gunnar fallen bei diesen Worten gleich mehrere Ideen ein. „Spielen wir heute noch etwas zusammen?“ Jennifer Schmidt nickt. „Kniffel“ oder „Mensch ärge dich nicht“ schlägt der Junge vor, flitzt hinauf in sein Zimmer. Mit dem Kniffelspiel kommt er wieder herunter. In der anderen Hand hält er mehrere DVDs, darunter Star Wars. Aber noch bevor er den Wunsch aussprechen kann, schüttelt die Betreuerin den Kopf. „Den Film mag ich gar nicht.“ Heimkino wird es Heiligabend also wohl nicht geben.


Stattdessen plant Jennifer Schmidt einen Ausflug an die Elbe. Mit dabei sein wird ihr kleiner Hund Fynn, in den hier alle ganz vernarrt sind und der Vierbeiner genießt die vielen Streicheleinheiten. Vielleicht fahren sie auch in den Kurpark nach Bad Wilsnack. Dort seien die Kinder ebenfalls gerne. Langeweile wird bis zur Bescherung jedenfalls nicht aufkommen.


Für Gunnar ist Weihnachten nicht die einzige Vorfreude. Begeistert erzählt er von der anstehenden Silvesterparty in der Wittenberger Schwimmhalle. „Dort können wir ganz lange im Wasser toben, müssen erst um 2 Uhr schlafen gehen.“ Außerdem gibt es ein Feuerwerk.
Wir verabschieden uns. Das geplante Foto in seinem Zimmer lehnt Gunnar ab,. „Lieber nicht“, meint er lachend. Er habe gerade gespielt. Vor dem Tannenbaum finden wir ein anderes Motiv. „Den haben wir selbst geschmückt, nur eine richtige Lichterkette fehlt“, meint Gunnar. Im nächsten Jahr wird es die bestimmt geben.
 

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