Hebammen vor dem Aus : Hebammen vor dem Aus: Geburtshilfe lohnt nicht

Foto: Grit Büttner dpa
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08. Mai 2012, 10:53 Uhr

Potsdam | Brandenburgs Hebammen geht die Puste aus: Ab dem 1. Juli steigt die jährliche Prämie der Berufshaftpflichtversicherung für freiberuflich tätige Hebammen auf 4240 Euro pro Jahr. Bislang waren es 3700 Euro. Doch für die Geburt in einer Klinik erhält eine in Brandenburg tätige Hebamme gerade einmal 230 Euro, bei einer außerklinischen Geburt lassen sich etwas mehr als 500 Euro verdienen, sagt die Vorsitzende des Hebammenverbandes des Landes, Martina Schulze. "Die Kolleginnen müssen zehn Geburten machen, um auf das Geld für die Versicherung zu kommen." Doch eine auf Hausgeburten spezialisierte Hebamme betreut im Durchschnitt nur zwei Mütter pro Monat. Ihr durchschnittlicher Jahresumsatz liegt laut einer kürzlich vom Bundesgesundheitsministerium vorgestellten Studie nur bei 24 000 Euro. "Sie arbeitet also ein halbes Jahr für nix."

Das Problem der steigenden Haftpflichtversicherungen für Hebammen gibt es bundesweit. In ganz Deutschland haben deswegen in den vergangenen Jahren rund 20 Prozent der Hebammen aufgegeben. "Von den 50 Kolleginnen, die in Brandenburg mal Geburtshilfe angeboten haben, sind wir runter auf 37", sagt Martina Schulze. "Außerklinische Geburten bieten nur noch etwa 25 Hebammen an." Binnen zwei Jahrzehnten gibt es rund ein Drittel weniger Hebammen in Brandenburg. Das Land entwickelt sich damit deutlich gegen den Bundestrend. Deutschlandweit ist die Zahl der Hebammen im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen. 2010 gab es laut Statistik insgesamt 192 Hebammen in der Mark. 175 von ihnen waren fest angestellt - darunter 117 mit einem Teilzeitvertrag oder als geringfügig Beschäftigte. 17 arbeiteten als Beleghebammen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat reagiert. Er forderte die Krankenkassen auf, den Prämienanstieg bei den Vergütungsverhandlungen mit den Hebammen zu berücksichtigen. Aber die Geburtshelferinnen bleiben skeptisch. "Es darf nicht nur geredet werden, es muss endlich auch gehandelt werden", sagt Martina Schulze. Schon heute lohnten Vorbereitungs- oder Rückbildungskurse für die Hebammen als Anbieterinnen nicht mehr. Auch bei den Beleggeburten seien sie völlig überlastet - und verdienten doch nicht genug, um über die Runden zu kommen. "Wir erleben in der Praxis, das oft schon bei der Wochenbettbetreuung die Nachfrage nicht mehr befriedigt werden kann", sagt Schulze. "Die Kolleginnen arbeiten oft an der Obergrenze dessen, was sie noch schaffen - und es geht ihnen dreckig."

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