Hebammen fordern zehn Euro Stundenlohn

In ganz Deutschland hatten Hebammen in den vergangenen Monaten für eine bessere Bezahlung demonstriert.dpa
In ganz Deutschland hatten Hebammen in den vergangenen Monaten für eine bessere Bezahlung demonstriert.dpa

svz.de von
17. Juli 2012, 08:49 Uhr

Potsdam | Die Arbeit der Hebammen im Land ist zwar grundsätzlich gerettet, nachdem die gesetzlichen Krankenkassen sich nach monatelangem Ringen und heftigen Protesten bereit erklärt haben, die seit Monatsbeginn um 15 Prozent gestiegenen Kosten der Haftpflichtversicherung zu übernehmen: 78 Euro für eine Hausgeburt, 25,60 Euro pro Geburt im Hebammenhaus werden zusätzlich gezahlt. Aus Sicht des Hebammenverbandes Brandenburg ist das aber nur ein Kompromiss. "Keiner weiß, was in zwei Jahren passiert, wenn die Regelung ausläuft", blickt Martina Schulze, die 1. Vorsitzende des Verbandes, sorgenvoll in die Zukunft. Die Deckungsgrenzen für die Versicherung haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht.

Entsprechend stiegen die Prämien. Die Honorare der freiberuflichen Hebammen seien dagegen unverändert geblieben.

Deshalb kämpfen die Geburtshelferinnen seit Jahren um eine bessere Bezahlung. Die von den Krankenkassen angebotenen zehn Prozent mehr Honorar hätten die Hebammen abgelehnt und die Schiedsstelle angerufen. "Wir fordern 30 Prozent mehr ", so Schulze. Erst dann würde ein langjähriges Manko ausgeglichen, wären Stundenlöhne um zehn Euro realisierbar.

Dabei geht es nicht ums Geld an sich, betont die Verbandsvorsitzende. "Klinikhebammen brauchen neben angemessener Bezahlung vor allem einen besseren Personalschlüssel, um sich mehr um die Schwangeren kümmern zu können", sagt Martina Schulze. "Wir machen unsere Arbeit in erster Linie, damit es den Frauen und Kindern gut geht." Geburten seien bei den zurückgehenden Kinderzahlen für Frauen heute immer mehr eine Ausnahme. "Da sollte man nicht an Zeit und Geld sparen."

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen spricht von "einem guten Ende" der Verhandlungen. Er beziffert die Mehrkosten durch die jetzige Regelung bundesweit auf 1,7 Millionen Euro im Jahr. Für Martina Schulze ist das mit Blick auf die Gesamtausgaben der Kassen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Die Kassen zahlen für Hebammen lediglich 0,28 Prozent ihres Gesamtbudgets." Sie hofft auf weiteren politischen Druck. Schließlich sei die Geburtshilfe eine gesellschaftliche Aufgabe.

Im Brandenburger Hebammenverband sind 350 der insgesamt rund 450 Geburtshelferinnen im Land organisiert. Von den Verbandsmitgliedern sind direkt bei Geburten aber lediglich knapp 40 tätig, so die Vorsitzende. Nur knapp zwei Prozent der Babys kommen in Brandenburg außerhalb einer Klinik zur Welt. Hebammen haben aber von Beratung zu Beginn der Schwangerschaft über die Betreuung vor der Geburt und die Rückbildungsgymnastik bis zum ersten Lebensjahr des Babys ein weites Aufgabenfeld. Da sei die eigentliche Geburt nur ein kleiner Bereich. Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben Anspruch auf Hebammenhilfe, egal ob die Geburtshelferin angestellt oder freiberuflich ist.

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