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Nach Sturm Xavier : Harvester räumt Vorderheide auf

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stadt poliert ihr Tafelsilber nach Sturm Xavier / Erste Schätzungen gehen von 12 000 Festmetern Windbruch aus

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 05:00 Uhr

1600 Hektar Wald – das Tafelsilber der Stadt. Entsprechend sorgsam wird damit umgegangen, weiß Stadtförster Stefan Koepp. Vor allem ist es die Kiefer, die auf dem sandigen Boden überaus gut gedeiht. Aber auch andere Nadelgehölze sowie Eichen und Buchen hat man, wo es ging, im Zuge des Waldumbaus angesiedelt. Und gerade jenen hat Sturm Xavier tüchtig zugesetzt. „Sie stehen noch voll im Laub und boten so eine große Angriffsfläche. Dazu der durchfeuchtete Waldboden“, erläutert Stefan Koepp. Es sei nicht so sehr der Sturm gewesen, sondern vielmehr die starken Böen, die ihnen zum Verhängnis wurden. „Seit dem 13. November 1972 war es der schwerste Herbststurm in unseren Breiten, haben mir alteingesessene Kollegen erzählt“, berichtet Stefan Koepp.

Fünf bis zehn Festmeter Windbruch pro Hektar, das macht rund 12 000 Festmeter, überschlägt der Stadtförster. Und er ist sich sicher, dass es am Ende noch mehr wird. „Das ist das 1,5fache unseres Jahreseinschlags, und hauptsächlich alte Bäume hat der Sturm entwurzelt.“

Bevor Koepp aber die Bestandsaufnahme im Wald selbst machen kann und es hier ans Aufräumen geht, haben die Straßen Vorrang. „Die Feuerwehr hat sie von umgestürzten Bäumen beräumt, wir müssen jetzt die Verkehrssicherung abarbeiten.“ Diese Woche habe man damit sicher noch zu tun, Starkäste, abgebrochene Kronen sowie Bäume, die drohen umzukippen, aus dem Verkehrsraum zu entfernen.

Zudem gehe es darum, die Kulturzäune, die durch umgestürzte Altbäume stark beschädigt wurden, zu reparieren, „und das, bevor uns das Wild hier alles abfrisst“, ergänzt der Forstmann. Anschließend geht es an die Hauptwege, damit die Abfuhr des geschlagenen Holzes wieder erfolgen kann. Zur Aufarbeitung des Windbruchs müssen dann große Maschinen, sprich Harvester, ran. Begonnen haben man bereits in der Vorderheide. „Es ist unser Naherholungsgebiet, das derzeit eben auch nicht betreten werden kann.“ Vom Wald gehe nach dem Sturm eine nicht kalkulierbare Gefahr aus. Es reiche ein laues Lüftchen, um Bäume umstürzen zu lassen. Insofern ist der Wald derzeit tabu trotz Pilzzeit.

Doch noch ein anderes Problem treibt den Stadtförster um, Holzklau und das in Größenordnungen. Mit dem Argument, sie wollen helfen, den Wald aufzuräumen, wird auf Pkw-Hänger verladen, was Feuerwehr und Forst an den Straßenrändern an Windbruch abgenommen und zersägt haben. Die Sedimente ganzer Bäume verschwinden so von gleich auf jetzt. „Der Wald ist aber kein Selbstbedienungsladen. Holzplünderung ist ein Straftatbestand und wird auch so geahndet“, macht der Stadtförster deutlich.

Wer Holz selbst werben will, der soll sich offiziell beim Stadtförster anmelden. „Doch an Sturmholz, das unter ganz besonderer Spannung steht, kann man nur Fachleute ran lassen“, betont Koepp. Auch private Waldbesitzer sollten nicht, getrieben vom Aktionismus, beginnen, ihren Wald aufzuräumen. Arbeitsschutz wird derzeit noch größer als sonst geschrieben, ebenso Fachkenntnisse im Umgang mit dem Windbruch.

Die beiden Perleberger Forstwirte wurden bzw. werden derzeit von Gadower Forstlehrlingen unterstützt. Sie haben vor allem auch sogenannte Problemfällungen im Tierpark mit betreut. Bei der Reparatur von Kulturzäunen hilft eine Waldarbeiterrotte aus Gadow.

Natürlich werde anschließend wieder aufgeforstet. In der Vorderheide im Zuge des Waldumbaus möglichst mit Laubholz, in der Hinterheide, die ein schwacher Standort ist, bleibt allerdings nur die Kiefer, so Koepp.  

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