Rätselhafter Fund : Handwerker stößt auf ein Skelett

„Hier lag es.“ Josef Slodkowski hat das Skelett bei Schachtarbeiten entdeckt.
„Hier lag es.“ Josef Slodkowski hat das Skelett bei Schachtarbeiten entdeckt.

Rätselhafter Fund auf Werbener Privathof liegt nun in der Gerichtsmedizin Magdeburg

svz.de von
18. Mai 2017, 05:00 Uhr

Josef Slodkowski (58) zeigt bereitwillig, wo er „ihn“ gefunden hat. Auf dem Hof eines Eckgrundstücks in der Prignitzer Nachbarstadt Werben, nur ein paar Schritte vom Hoftor entfernt. Der Handwerker zeichnet „seine“ Position in den sonnenwarmen Sand. „So hat er gelegen, mit dem Kopf nach Osten.“

Slodkowski machte dieser Tage Schachtarbeiten für einen Schmutzwasserkanal. „Mir reichte das Gefälle nicht, da bin ich noch ein bisschen tiefer gegangen“. Dabei stieß der Handwerker in rund 1,10 Metern Tiefe zunächst auf die Knochen eines Tieres, „eines Hundes“, wie er einschätzt. Die nächsten Knochen wollten aber nicht ins Bild passen: Große Beckenknochen, augenscheinlich die eines Menschen, was Slodkowski sofort klar gewesen sei. Also rief er die Polizei. Sie bestätigte den Fund auf Redaktionsnachfrage. Auch laut Sprecher Marco Neiß handelt es sich um Knochen, „die zweifellos einem Menschen zuzuordnen sind“. Vieles deute auf eine längere Liegezeit hin. Angaben über das Geschlecht, die Todesursache und deren genauere zeitliche Einordnung könnten aber noch nicht gemacht werden. Indes kämen derlei Funde gar nicht so selten vor. Im Fall Werben dokumentierte die Spurensicherung den Fundort. Das Skelett liege bereits in der Gerichtsmedizin Magdeburg. Auch der Hund wurde laut Slodkowski mitgenommen, was Neiß aber nicht bestätigte.

Was war da wann passiert? Slodkowski erzählt zunächst, was er genau sah: „Ein komplett erhaltenes Skelett, bis zum letzten Zeh und mit vollständigem Gebiss.“ Der Kiefer sei gebrochen gewesen. Nach Einschätzung des Handwerkers war die Person sehr groß: „Bestimmt 1,80 bis 1,95 Meter.“ Sie lag etwas krumm da, die Beine leicht übereinander geschlagen. Die Arme waren wohl mal überkreuzt, aber über die Zeit womöglich verrutscht. Der Hund lag der Person zu Füßen. Und auf ihr ein großer „Kranhaken“. Was Slodkowski aber vor allem auffiel: „Das Skelett war sehr gut erhalten.“ Deswegen könne er sich nicht vorstellen, dass es so alt ist.

Dass es sich um einen Mann handelt, hätte die Polizei vermutet, „aufgrund des Beckens“. Slodkowski war dabei, als das Skelett geborgen wurde. Die Person muss nackt beerdigt worden sein, mutmaßt der Handwerker. „Sonst hätte man doch noch Sachen gesehen, so gut wie die Knochen erhalten waren.“ Slodkowski habe das Gefühl, dass da irgendwann jemand im Wege war – so seine Vermutung.

Werbens Pfarrer Jan Foit informiert, dass es zwar seit dem Mittelalter eine Bestattungspflicht gibt, ein Bestattungsgesetz (keine Grabbeigaben, Friedhofszwang…) aber erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Je nachdem, wann die Person starb, könnte es sich auch um ein legales Begräbnis gehandelt haben.
Das vermutet nach all dem, was er gehört hat, auch der Eigentümer des Grundstücks: Krischan Payne aus Hamburg. Er und seine Frau Julia Payne haben das Haus 2012 gekauft und sanieren es seither peu à peu. „Es ist unser Wochenenddomizil, ein Zimmer ist schon hergerichtet.“ Auf dem Hof lag seinerzeit ein Grabstein, dem die beiden aber keine weitere Bedeutung beimaßen und irgendwann entsorgten. „Wir dachten, der Stein stand früher auf dem Grab eines Friedhofs, das eingeebnet wurde.“ Hat der Stein etwas mit dem Skelett zu tun? Krischan Payne, der das Skelett nicht persönlich zu Gesicht bekam, macht der Fund keine Bange. „Im Gegenteil, das ist doch Geschichte, ich finde das spannend.“ Zur Befriedung hatten Josef Slodkowski und sein Kollege „ihm“ ja auch noch eine Kerze aufgestellt. Das sei Slodkowski ein Bedürfnis gewesen. Vor Jahren hatte er in einem Hildesheimer Keller bei Bauarbeiten ein ähnliches Erlebnis: Da fand er gleich drei Leichen.

 

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