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Arbeit für Flüchtlinge : Handwerk hofft auf die Politik

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Arbeit für Flüchtlinge und einheitliche Ausbildungsvergütung – Kreishandwerksmeister Heiko Wegner trifft heute den Ministerpräsidenten

von
erstellt am 04.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Heute treffen sich die drei brandenburgischen Handwerkskammern mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Es geht um aktuelle Themen wie die Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen. Redakteur Hanno Taufenbach sprach im Vorfeld mit dem Prignitzer Kreishandwerksmeister Heiko Wegner.

Das Thema Flüchtlinge stand bereits auf Ihrer Vollversammlung in der letzten Woche auf der Tagesordnung. Welche Fragen sind noch offen?

Heiko Wegner: Rechtliche Details zur Antragstellung und zu den Lehrverträgen. Aber wir haben auch Wünsche an die Politik.

Welche sind das?

Der Knackpunkt ist die Betreuung der ausländischen Lehrlinge. Wir haben schon Erfahrungen mit Ungarn oder Spaniern. Die Alltagssprache reicht nicht aus, sie müssen Fachbegriffe sehr schnell verstehen und dazu braucht es Sprachkurse.

Aber die bietet die Politik doch schon an?

Gewiss, aber wir wünschen uns mehr Kurse, die finanziert werden müssen. Neben Schülern sollten zunächst die Erwachsenen daran teilnehmen dürfen, die eine Arbeitserlaubnis haben bzw. die deutlich sagen, dass sie arbeiten wollen. Und wir brauchen während der Ausbildung eine Betreuung für sie.

Wie meinen Sie das?

Wir müssen uns mehr um sie kümmern. Ein Asylbewerber hat ja nicht das familiäre Umfeld, hat in der Regel keinen Führerschein, muss aber zur Berufsschule. All das muss organisatorisch und finanziell abgesichert werden, aber nicht durch unsere Betriebe.

Das Handwerk klagt über fehlende Lehrlinge. Wie bewerten Sie die Situation?

In vielen Gewerken bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Bundeswehr oder die Deutsche Bahn locken mit attraktiven Lehrlingsgehältern, die wir Handwerksbetriebe nicht zahlen können. Deshalb fordern wir eine einheitliche Ausbildungsvergütung. Dass so etwa gesetzlich möglich wäre, zeigt ja der Mindestlohn.

All das klingt nach viel gesetzlicher Regulierung. Aber diese ist doch eher unpopulär oder nicht?

Das Handwerk wird durch so viele Gesetze und Regulierungen bestimmt. Warum sollten nicht auch wir uns dieses Mittels bedienen?

Sie sind erst seit dem vergangenen Jahr Kreishandwerksmeister. Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Mein Vorgänger Lothar Hildebrandt hat die Handwerkerschaft 25 Jahre lang geprägt und mit aufgebaut. Es ist keine leichte Nachfolge, aber ich will erreichen, dass eine Mitgliedschaft wieder populär und attraktiv wird.

Die Realität ist eher das Gegenteil. Gerade junge Firmenchefs wollen nicht in die Innung eintreten.

Das stimmt, deswegen müssen wir Wege finden, um sie von den Vorteilen zu überzeugen. Rechtsberatung, Fachvorträge, Erklärungen zu neuen Bestimmungen, beispielsweise in der Ausbildung – all das bieten wir unseren Mitgliedern. Sie lernen sich untereinander kennen und können kooperieren. Viele Betriebe haben sich spezialisiert. Eine Zusammenarbeit kann für beide Seiten von Vorteil sein.

Die Politik diskutiert über eine Kreisfusion. Ist das ein Thema für Sie?

Wir warten ab, ob sie wirklich in dieser Größenordnung kommt. Ich halte das für falsch. Kommt sie doch, erwarte ich keine Schwierigkeiten, denn unsere Innungen verfolgen die gleichen Ziele.

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