Awo-Kita Wittenberge : Hand in Hand über Ländergrenzen

Internationale Spielgefährten: Broscha (r.) kommt aus dem Iran, Gina (hinten) aus Afrika. In der Awo-Kita in Wittenberge haben sie neue Freunde gefunden.
Internationale Spielgefährten: Broscha (r.) kommt aus dem Iran, Gina (hinten) aus Afrika. In der Awo-Kita in Wittenberge haben sie neue Freunde gefunden.

Die Awo-Kita Wittenberge betreut 15 Kinder aus Migrationsfamilien und lud zu einem gemeinsamen Fest ein

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21. September 2015, 08:00 Uhr

Es gibt frisches Fladenbrot und ein Gericht mit Reis, Linsen, Rindfleisch sowie Rosinen. Direkt daneben Bratwurst vom Grill. Am Sonnabend riecht es an manchen Tischen in der Awo-Kita im Gehrenweg in Wittenberge exotisch. Fremdländisch aussehende Kinder laufen über den schönen Hof, rufen ihren Freunden etwas auf Deutsch zu und sprechen mit ihren Eltern eine Muttersprache, die Kita-Leiterin Heidemarie Blohm und ihr Team nicht verstehen.

15 der 150 Kinder stammen aus Migrationsfamilien. Die Kita ist international: Pakistan, Irak, Syrien, Afghanistan, Afrika. Mit dem Fest möchte die Kita für Toleranz werben, eventuelle Vorurteile auf beiden Seiten abbauen. So wie im Kita-Alltag begegnen sich an diesem Nachmittag deutsche und ausländische Eltern. „Für uns ist das längst zur Normalität geworden“, sagt Heidemarie Blohm.

In der hauseigenen Küche wird seit Monaten auf zweierlei Art gekocht. Wenn deutsche Kinder einen knusprig gebratenen Klops aus Schweinefleisch bekommen, gibt es für muslimische Kinder kein Schwein, zum Teil auch andere Soßen. „Im Aufnahmegespräch frage ich die Eltern direkt, ob sie Moslems sind. Ist das der Fall, stellen wir uns darauf ein und ich muss unseren Küchenfrauen ein großes Lob aussprechen“, so Blohm. Die Kinder kommen damit gut klar, nur bei den für Moslems verbotenen Gummibärchen könnten sie nicht immer widerstehen.

Es sei faszinieren zu erleben, wie schnell die Kinder sich untereinander kennen lernen, wie schnell Sprachbarrieren verschwinden. Die ausländischen Eltern seien sehr daran interessiert, dass ihre Kinder fit für die Schule werden. „Sie stellen teilweise hohe Anforderungen, Schule muss für sie einen hohen Stellenwert besitzen“, sagt Heidemarie Blohm. Verwunderlich sei das nicht, denn mehrere Eltern hätten einen Hochschulabschluss, manche haben einen Doktortitel oder seien Professor.

Flucht und erlebtes Leid in ihren Herkunftsländern werden nicht thematisiert. Auch gegenüber den deutschen Kindern nicht. Sie erfahren das Herkunftsland und dass die Kinder jetzt hier, bei ihnen spielen und lernen wollen. Aber es gibt Situationen, die erahnen lassen, dass einige der Kinder traumatisiert sein.

Kürzlich kreiste der Rettungshubschrauber über der Kita, suchte einen Landeplatz. „Einige Kindern begannen sofort zu schreien, wurden hysterisch, rannten zu ihren Erzieherinnen und umarmten sie“, schildert Heidemarie Blohm ein Ereignis, das sie schon mehrfach so erlebt habe. Auch beim Essen passiere es, dass die Kinder hastig zugreifen, so als ob sie Angst hätten, es reicht nicht für alle. Indizien, die verraten, dass ihre Kindheit nicht unbeschwert verlaufen ist. „Wir versuchen sie in solchen Situationen zu beruhigen, streicheln sie, wenn sie körperliche Nähe zulassen“, sagt Heidemarie Blohm. Ihre Kollegen müssten erspüren, wie sie bei jedem Kind reagieren können.  

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